Karl der Große
Karl wurde 742 in Prüm in der Eifel geboren. Als sein Vater Pippin 768 starb, wurde das Frankenreich zwischen ihm und seinem Bruder Karlmann aufgeteilt. Als Karlmann 771 starb, fiel Karl das Gesamtreich zu.
Auf diese Art zum Alleinherrscher geworden, begann im Jahr 772 Karl seinen Feldzug gegen die Sachsen. In einem jahrzehntelangen Kleinkrieg, welcher bis zum Jahr 810 immer wieder aufflammte, konnte er die Sachsen niederringen, das Land ins Frankenreich integrieren und die Christianisierung des Landes auf den Weg bringen.
Allerdings sollte man dazu bemerken, dass der Streit zwischen Franken und Sachsen damals schon seit mehreren Jahrhunderten getobt hatte. Denn, als die Franken zu Föderaten des Römischen Reiches wurden und sich in Toxandrien, in den heutigen südlichen Niederlanden, niederließen, taten sie dies aus Furcht vor den Sachsen, welche sie aus ihrer alten Heimat verdrängt hatten! Man kann es also eher so sehen, dass Karl der Große das sächsische Problem ein für alle Mal lösen wollte. Wenn man freilich über die Art und Weise geteilter Meinung sein kann.
Im Jahr 774 eroberte er im Handstreich das Langobardenreich und nannte sich fortan „König der Franken und Langobarden“. Auch hier gilt gleichsam das Gleiche für die Langobarden wie für die Sachsen. Auch hier muss erwähnt sein, dass hier „nur“ ein lang andauernder Konflikt zwischen beiden Reichen endgültig beendet wurde.
778 zog er erfolglos gegen die Mauren in Spanien zu Felde. Diesem Feldzug verdankt die Literatur das berühmte Rolandslied.
Das Herzogtum Bayern verlor 788 endgültig seine „Unabhängigkeit“ als Karl den letzten Herzog der Agilolfinger, Tassilo III., absetzen und zum Klostertod verurteilen ließ. Um aber Bayern dauerhaft an das Frankenreich zu binden, ließ er auch Tassilos gesamte Familie, völlig ungerechtfertigt, ins Kloster stecken. Dies aus dem Grund, weil das bayrische Recht vorschrieb, das nur ein Mitglied der Familie der Agilolfinger Herzog von Bayern sein durfte. Dazu kam, dass Tassilo bekanntermaßen mit einer Tochter des letzten langobardischen Königs verheiratet war! Streit mit dessen Sohn als Herzog wäre also vorprogrammiert gewesen. Denn dieser wäre, theoretisch, auch Erbe des Langobardenreiches gewesen.
Zwischen 791 und 808 vernichtete Karl das Awarenreich in mehreren Feldzügen und gliederte Pannonien als Teil Bayerns in das Frankenreich ein.
Den Höhepunkt seiner Macht erreichte er mit seiner Kaiserkrönung am 25. Dezember des Jahres 800 in Rom. Mit diesem Akt wurde das westliche Kaisertum nach 324 Jahren erneuert, was von Byzanz allerdings erst 812 anerkannt wurde.
Karl der Große starb im Jahr 814 und wurde in Aachen, seiner Lieblingspfalz, begraben. 1156 wurde er auf Betreiben Kaiser Friedrich Barbarossas heiliggesprochen. Kaiser Friedrich II. ließ für ihn von Aachener Goldschmieden einen Schrein anfertigen, den berühmten Karlsschrein. Darin ruhen die Gebeine seit 1215.
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Und so zählen sein Feldzug gegen die Sachsen wie sein Umgang mit Herzog Tassilo III. nicht gerade zu seinen Lorbeeren. Gerade wegen seiner Sachsenmission, welche er gerade am Anfang mit großer Härte führte, musste auch Karl sich immer wieder mit Vorwürfen gegen sein „predigen mit eiserner Zunge“ auseinandersetzen. Allerdings zeigt sein späterer Umgang mit den Awaren und Slawen, dass er aus seinen schweren Fehlern in Sachsen gelernt hatte (in Kärnten z.B. der Slawenzehnt).
Bei all den vielen Kämpfen, und dem vielen Blut das vergossen wurde, so kann man doch nicht umhin Karl zu zugestehen, dass er durch seine Zentralisierungsbemühungen die noch junge Abendländische Kultur vor dem Untergang gerettet hat. Der Grund liegt darin, dass er interne Unruhestifter ausschalten konnte, andererseits das Frankenreich durch Bündelung seiner Kräfte in die Lage versetzte, Angriffen von außen, Stand zu halten. Im umgekehrten Fall lässt es sich nur schwer vorstellen, wie ein in interne Machtkämpfe aufgespaltenes Reich sich der Bedrohung durch Sarazenen aus dem Süden, Wikingern aus dem Norden und Awaren/Ungarn aus dem Osten hätte erwehren können.
Unbestritten soll dabei bleiben, dass die Wahl der Methoden, wie das „predigen mit eiserner Zunge“, trotz Allem, oft fehl am Platz war.
Aber auch im inneren entfaltete Karl der Große eine rege Tätigkeit. Ob es nun um seine Münzreform ging, die zur Grundlage des mittelalterlichen Geldwesens wurde. Um die Einführung der karolingischen Minuskel, die Wissenschaft, Handel und Kommunikation erleichterte, die Neuordnung der Königsgüter oder die Lebensführung des Klerus.
So wurden durch die Königsgüter verschiedene Techniken, Werkzeuge und Pflanzen im gesamten Reich bekannt gemacht. Auch dadurch wurde eine Entwicklung in Gang gesetzt, die später einmal als Agrarrevolution des Mittelalters in die Geschichte einging.
Auch die Neuordnung des Heeres (Panzerreiter)war von großer Bedeutung. Da Karl die Reiterei förderte, schuf er zugleich Regelungen nach welchen eine bestimmte Anzahl von Freien einen Reiter zu stellen hatten. Das Rittertum erblickt das Licht der Welt.
Durch Gründung und Förderung von Bistümern und Klöstern, betrieb er einen systematischen Landesausbau der für die nächsten Jahrhunderte beispielhaft blieb.
Aber auch durch architektonische Meilensteine, wie die Pfalz in Aachen und die „fossa carolina“, oder die Aufzeichnung der Stammesrechte versuchte er seinem Land eine positive Entwicklung zu geben.
Auf zig Gebieten suchte Karl sein Reich zu einen und zu „modernisieren“. Die Bezeichnung dieses Bestrebens als „karolingische Renaissance“ ist daher mehr als gerechtfertigt.
Doch bei all seinen Bemühungen konnte sein Reich die unterschiedlichen Völker und Regionen nicht auf Dauer binden. Zu schnell war es gewachsen, zu groß war es geworden und zu stark waren die zentrifugalen Kräfte als dass sein Reich von Dauer hätte sein können. Wohl auch deshalb, weil sein Erbe nicht von Dauer war, wurde er zu einem Mythos.
Wie auch immer man zu Karl stehen mag, er war unbestritten eine der ganz großen Gestalten der Geschichte.