Die iro- schottische und die angelsächsische Mission
Sie gehört zweifellos zu den größten Leistungen des Früh- MA. Bereits im 6. Jahrhundert ziehen immer wieder Gruppen von iro- schottischen Missionaren (Scotia minor, das kleine Schottland, bezeichnete damals das heutige Schottland, während Scotia maior, das große Schottland, das heutige Irland bezeichnete; dies kam daher, dass der irische Stamm der Skoten um 400 nach dem heutigen Schottland auswanderte) nach dem Kontinent.
(Quelle: Joachim Schäfer- Ökumenisches Heiligenlexikon. St. Gallus als pilgernder Mönch mit Bär, Gründer des Klosters St. Gallen in der Schweiz))
Geleitet wurden sie dabei vom Ideal der „Peregrinatio“, der Pilgerschaft auf Lebenszeit, getreu dem christlichen Verständnis, dass der Mensch nur Gast auf Erden ist. Nur nahmen sie diese Wanderschaft auch sehr wörtlich. Gleichzeitig hatten sie einen sehr starken Begriff von Heimat, also beschlossen viele von ihnen, um ihres Seelenheils willen, die Heimat zu verlassen, und Gottes Wort zu verkünden. Dabei reisten sie so gut wie immer, zu zwölft, Christus und den Aposteln nacheifernd.
Mit ihren zahlreichen Klostergründungen waren sie sowohl Wegbereiter des Christentums als auch der Kultur.
Hervorstechendstes, äußeres Kennzeichen der iro-schottischen Mission, waren die Klöster. Da die Kelten damals noch keine Städte kannten, waren die Klöster die religiösen Zentren. Daher residierten die keltischen Bischöfe auch, im Gegensatz zum restlichen Europa, in Klöstern, und nicht wie eigentlich verpflichtet, in Städten. Und das stieß in Britannien und im Frankenreich, wo es entweder kaum Städte gab, oder noch nie gegeben hatte, auf große Gegenliebe, da es den dortigen Verhältnissen angebracht war.
Ihr größter Verdienst war die Mission der Angelsachsen, sowie des nördlichen und östlichen Frankenreiches. Dabei gaben sie den bekehrten Gebieten in den Bereichen Astronomie, Buchmalerei und Verwaltung wichtige Impulse.
Zu ihren wichtigsten Vertretern gehören die Heiligen Kolumban der Jüngere und der Ältere, der Heilige Gallus und der Heilige Virgil, die Hll. Emmeram, Kilian und Korbinian.
Die iro- schottische Mission entwickelte ihre größte Entfaltung vom 6. bis zum 8. Jahrhundert.
(Quelle: Onetz. Ehemaliges Kloster St. Emmeram in Regensburg, heute Schloss Emmeram)
Die angelsächsische Mission war ganz entscheidend vom iro- schottischen Ideal beeinflusst worden. Im Gegensatz zu den iro- schottischen Mönchen aber, konzentrierten sich die Angelsachsen von Anfang an auf ihre Stammverwandten, also auf Sachsen, Friesen und Angeln. Aber auch in der Organisation der deutschen Kirchenprovinzen und Bistümer leisteten sie erstaunliches und wirkten dadurch ungemein fruchtbar.
Ein weiterer Unterschied betraf die Struktur der Mission. Lag das Schwergewicht der iro- schottischen Mission auf den Klöstern, lag es bei den Angelsachsen auf den Bistümern.
Dies lag daran, dass in England noch stadtähnliche Siedlungen bestanden welche es in Irland damals noch gar nicht gab. Daher übernahmen in Irland und Schottland die Klöster die Aufgaben der Verwaltung und Organisation. In England aber die Städte und damit die Bistümer.
Aus diesem grundlegenden Unterschied erklärt sich auch warum die iro- schottischen Missionare die Klöster bevorzugten und dem Kontakt zu Rom eher geringes Gewicht beimaßen. Und warum andererseits die angelsächsischen Missionare die Bistümer und den Kontakt zu Rom bevorzugten.
Dank dieser unterschiedlichen Gewichtung hatten beide Missionen aber einen außergewöhnlichen Erfolg, da sich jeder auf etwas Bestimmtes spezialisierte und die Missionsgebiete so auf unterschiedlichen Ebenen befruchteten. Grob gesagt, brachten die Angelsachsen die Kultur zurück in die Städte.
(Quelle: pixabay. Dom zu Fulda. Grabeskirche des Hl. Bonifatius)
Mit der Zunehmenden Akzeptanz des Christentums auf dem Kontinent flaute diese großartige Missionsbewegung ab dem 9. Jahrhundert ab. Allerdings trug auch die Wikingerzeit ihren Teil dazu bei, da viele altehrwürdige Klöster der britischen Inseln, deren Expansions- und Plünderungsbestrebungen zum Opfer fielen.
Zu ihren wichtigsten Vertretern gehören, die Hll. Bonifatius, Lullus, Winfried- Bonifatius und Willibrord.
Die angelsächsische Mission erlebte ihre Hochblüte zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert.
(Quelle: ancient-origins.net. Ruine des Klosters Lindisfarne, Nordengland)