Schönen Abend liebe Steemer an diesem durchwachsenen Montagabend!
Heute möchte ich über das
Sowohl als auch
schreiben.
Was meine ich damit?
Ich meine damit, dass unser Leben kein entweder oder, sondern ein sowohl als auch ist. Es gibt nicht entweder Tag ODER Nacht, hell ODER dunkel, gut ODER böse, sondern immer das eine UND das andere. Ein Paradox. Doch viele wichtige Dinge in der Welt sind paradox und doch real!
Wir machen uns heutzutage das Leben selbst recht schwer. Wir halten viel auf unsere Subjektivität, und vergessen dabei auf die Objektivität. Was nicht heißt das diese wichtiger wäre, nein. Denn ohne Subjektivität wären wir ein Kollektiv und keine Individuen. Wir wären dann allerdings auch keine Menschen, eher sowas wie Ameisen oder die Borg.
Doch wenn ich so lebe, streng subjektiv, wird mir immer folgendes passieren. Ich tue etwas. Dies ist nun, in der jetzigen, konkreten Situation, richtig, und im nächsten Moment genau falsch. Das ist nämlich das Grundproblem der Subjektivität. Ich sehe nur was innerhalb meines Horizontes ist! Ja noch schlimmer. Ich sehe innerhalb meines Horizontes nur was ich auch sehen will!
Nun gut, man könnte jetzt anführen, dass ja niemand alles überblickt. Doch das ist gar nicht der Punkt. Man möchte ein Problem lösen und verursacht ein neues, weil man nicht die Folgen der eigenen Tat bedenkt. Man bedenkt auch nicht die Reaktion anderer auf die eigene Tat. Dabei ist es egal ob es um Beziehungen, Arbeit, Kinder, Gesundheit oder was weiß ich geht.
Aus der eigenen Sicht mag, was immer man tut richtig erscheinen, aus der Sicht schon deines Nächsten allerdings gar nicht. Der Objektivität ist es nämlich herzlich egal ob man seine eigene Entscheidung für bares Gold hält oder nicht. Nur weil man etwas nicht wahrhaben will hört es nicht auf zu existieren. Es besteht fort und fordert irgendwann sein Recht ein. Die normative Kraft des Faktischen halt!
Doch auch die Objektivität hat kein Patentrezept für das Leben! Denn vom Menschen gelten nur wenige Dinge tatsächlich als allgemein. Wie zum Beispiel das wir lernfähig oder zur Sinneswahrnehmung fähig sind. Doch durch die Vielzahl an Lebensumständen ist die Objektivität gar nicht im Stande auf den je einzelnen Menschen einzugehen. Denn, was für die Masse, oder die meisten Menschen passend erscheint, kann für viele andere eine einzige Katastrophe sein.
Wären wir ein Kollektiv würde es wohl reichen uns über einen Kamm zu scheren. Nur sind wir keines, wir sind individuell. Denn auch die Masse ändert seine Zusammensetzung je nachdem um welches Thema es gerade geht. Daher gehört ja jeder Mensch letztlich in irgendeinem Bereich zu einer Minderheit. Dazu muss man auch nicht in die Welt blicken. Ein kurzer Blick um dich herum zeigt dir schnell das du nicht überall willkommen bist.
Lässt man mal den ganzen ideologischen Ballast der letzten 200 Jahre weg, entsteht hier ein ziemlich grundsätzliches Problem. Wer mag sich schon dort aufhalten wo er nicht willkommen ist? Wer das Vergnügen hat so eine persona non grata zu sein weiß sicherlich nicht viel Gutes darüber zu berichten. Darum verwundert es dann auch nicht, wenn man sich zurückzieht, mit Menschen umgibt, die ähnlich ticken, ähnliche Interessen haben usw. Der subjektive Blick wird immer wichtiger, immer bestimmender, im Extremfall soweit, dass man äußere Einflüsse kaum mehr wahrnimmt.
Umgekehrt geht das genauso. Man wandelt in solch hohen Sphären, was man alles tun sollte, wie etwas richtig zu machen wäre, was man lassen sollte, das man darüber den Facettenreichtum des Lebens vergisst, und tatsächlich die Menschen in Schubladen steckt.
Doch als Menschen sind wir auf beides angewiesen. Wir sind Individuen, die innerhalb dieser Welt leben. Weder sind wir Atome, die einfach durch die Gegend kreisen, noch sind wir alle eins. Wir sind beides. Eben paradox!
Foto ist von mir.
Parzifal