Vergangenes Wochenende habe ich meine Familie besucht. Ich verfolge eine gänzlich konträre Haltung als der Rest und war daher verstrickt in hitzige politische Debatten und Kontroversen.
Hier bei Steemit habe ich über den deutschen Geschlechterkampf und daraus resultierende politische Konsequenzen diskutiert. (Danke an dieser Stelle an und
).
Gestern Abend habe ich das TV-Duell angeschaut und entschieden:
Ich pausiere meine zwei angefangen Serien und mache mit euch einen Ausflug in die Politik.
Angesichts der bevor stehenden Wahl erscheint es mir notwendig aufzuzeigen, was, meiner Meinung nach, für eine vernünftige Debattenkultur notwendig ist. Sowohl im persönlichen Kontakt, als auch viral.
Heute beginne ich mit den Basics: Dem Face-to-Face Gespräch.
An dieser Stelle siegte kurz meine Musikliebe, ein Ohrwurm wollte bedient werden. Hier das Lied!
Gemeinsam kritisieren
Dieser Artikel basiert auf meiner Auseinandersetzung mit dem Psychotherapeuten Herbert Mück . Er beschäftigt sich mit dem Metagespräch.
Metagespräche befassen sich mit der Art und Weise, WIE Menschen miteinander kommunizieren. Sprich: Mit ihrer Beziehung. Ziel ist es herauszufinden, ob bei dem Gegenüber auch das angekommen ist, was mittels der eigenen Sprache und dem eigenen Verhalten vermittelt werden sollte.
Metagespräche sind ein ideales Werkzeug um gute Beziehungen herzustellen und zu pflegen. Darüber hinaus auch um künftigen Konflikten vorzubeugen.
Beispiele: einseitige Monologe, Unterbrechen des Gegenüber, fehlendes Einfühlen in das Gegenüber. Diese Verhaltensweisen belasten Beziehungen jeder Art. Sie lassen sich in Metagesprächen thematisieren.
Klingt merkwürdig nicht wahr? Fühlt sich auch etwas seltsam an? Logisch, wirkt wie eine Einladung für eine Diskussion oder kann als Angriff verstanden werden.
Wichtig: Lasst eine Situation abkühlen, erst dann kann ein solches Gesprächsangebot nicht wie ein Angriff, sondern wie ein ernsthaftes Interesse an der Verbesserung der Gesprächskultur.
Folgende Regeln sollten bei Metagesprächen beachtet werden:
Im Vorfeld klarstellen, dass ein reines Metagespräch geführt werden soll. Es geht darum herauszufinden welche Gesprächskultur vorherrscht und was daran geändert werden soll/ kann.
Davon ausgehend können Regeln für die zukünftige Kommunikation, das gegenseitige Verstehen, entwickelt werden
Erinnerung: Darum geht es hier!Legt Pausen zwischen Metagespäche. Dies soll dabei helfen emotionale Distanz zu wahren.
Erinnerung: Es geht um das verlassen alter Perspektiven und dem Erschaffen gemeinsamer Wege.Verlassen sie gemeinsam den Raum, in welchem das Gespräch stattfand. Damit wird gemeinsam das Ende des Gesprächs festgesetzt.
Gemeinsam das Gespräch analysieren, beispielsweise als würde man einen Film bewerten.
"Was ist bei dem vergangen Gespräch zwischen uns abgelaufen?"
"Wo gab es Missverständnisse?"
"Was kann man künftig anders machen, um Missverständnisse zu vermeiden?"
Erinnerung: Bleibt konstruktiv!!!!
Ich habe bisher aus Metagesprächen gelernt:
Obwohl ich meinen Mitmenschen sehr nahe stehe, weiß ich nicht Alles über sie . Zu oft folgte ich meiner vorgefertigten Meinung, schätze sie falsch ein. Häufig schlugen meine Worte ein wie Bomben und verunsicherten. Dabei war ich die Unentspannte und musste mir eingestehen: Mach dich mal locker!
Seit dieser Erkenntnis versetze ich mich gerne in mein Gegenüber . Ich habe viele neue Facetten meiner Mitmenschen entdeckt und neue Geschichten gehört. Im Alltag versteckt sich viel unter der Oberfläche. Traut euch diese anzukratzen und entdeckt euer Umfeld neu!
Mal im ernst: Wir reden hier von gegenseitigem Verstehen auf einem ganz neuen Level!
Konsequenzen für das Kommunizieren im Internet
Ihr werdet mit Bedauern feststellen, mit gänzlich Fremden Menschen lässt es sich nur schwer konstruktiv diskutieren.
Nicht falsch verstehen! Die Gedanken anderer Menschen sind im Netz nicht wertlos oder restlos verloren. Es fehlen ganz einfach zu viele essentielle Aspekte. Keine Möglichkeiten den Tonfall anzupassen, emotional zu reagieren, Reaktionen über die Mimik ausdrücken. Die Realität sieht so aus: Wir tippen in ein weißes Textfeld, losgelöst von aller Persönlichkeit.
Unser Hirn braucht jedoch die genannten Aspekte, um wichtige Informationen von unwichtigen zu unterscheiden.
Ich will euch sagen: Selbst bei konstruktiven Gesprächen im Netz fehlt der emotionale Zusammenhang. Es fehlt die Gelegenheit über Gesagtes gemeinsam zu reflektieren, eben die Metakommunikation.
Ich bin ein großer Fan von Metagesprächen. Unsere Kommunikation ist fragil, dies wird erkennbar umso mehr solcher Gespräche man führt. Mir erscheint es, als wären Social-Media.Plattformen das moderne Klärbecken. Dort wird deutlich, was gesellschaftlich falsch läuft.
Was meint ihr? Lasst uns debattieren!