Wer sich einmal mit den Edelmetallen beschäftigt, stößt auf diverse Angaben darüber, wie lange Gold bereits als Währung unter Menschen benutzt wird. Doch diese Angaben variieren stark von gut 3000 bis hin zu 7000 Jahren. Häufig werden grob 5000 Jahre angeführt, allerdings oft ohne eine Quelle zu nennen. Man muss sich selbst auf die Suche begeben und so habe ich mich in den letzten Wochen einmal damit befasst...
Gold und der Mensch
Der bislang älteste bekannte Fund von Gold bearbeitet von Menschenhand, ist das Gräberfeld von Warna aus der Kupfersteinzeit. Es wurde 1972 etwa 5 Kilometer unweit von Warna entdeckt, einer Hafenstadt am Schwarzen Meer in Bulgarien. Die AMS-Radiokohlenstoffdatierung ergab, dass das dort gefundene Gräberfeld zwischen 4590–4340 v. Chr. belegt worden ist. Lege ich einer Berechnung hier die Mindestangabe zugrunde, so ergibt sich ein Alter von etwa 6400 Jahren! 7000 Jahre sind demnach ziemlich übertrieben. Insbesondere darum, weil das Gold nur in Schmuckform gefunden worden ist und es keine Hinweise darauf gibt, das es bereits als Währung fungiert hat. Dagegen spricht nach bisheriger Kenntnis auch, das in den Gräbern Schalen von Spondylus-Muscheln gefunden wurden, von denen man glaubt, das sie als einfache, sogenannte Primitiv-Währung gedient haben.
Nachgewiesenes Alter etwa 6400 bis 6600 Jahre.
Status Gold
Es ist heute schon nicht einfach, unserer Erde die edlen Metalle zu entreißen. Vor über 6000 Jahren aber war das erst recht schwierig und so wundert es nicht, das bereits kleinste Mengen Goldes einen hohen Wert gehabt haben, zumal dieser Wert für jeden auch noch augenscheinlich ansehnlich gewesen ist. Logisch, das Gold nicht von Beginn an als Währung gedient haben kann. Die existenten Mengen waren zu gering, zu konzentriert auf wenige, zu begehrt und besetzt als Statussymbol. Eben zeigen was man hat, anstatt es an geheimen Orten zu verbergen oder durch die halbe Welt zu schleppen. Das Gewicht ist dabei nicht unerheblich, denn auch wenn Gold einen hohen intrinsischen Wert hat, es ist ganz schön schwer. Sicherlich, niemand kann ausschließen, das Schmuck getauscht worden ist. Aber wohl nicht in genormten Einheiten und so blieb es lange nur besonderen Personen vorbehalten, in dessen Besitz zu sein. Hohe Priester, Oberhäupter von kleinen und großen Menschengruppen, bis hin zu Königen und Kaisern, die ganze Länder ihr eigen nannten. Gold für die Insignien der Macht und religiöse Gegenstände, wie z.B. die Himmelscheibe von Nebra, einem ganz bemerkenswerten Fund.
Gold als Geld
Lydien begann nachweislich im 7. Jahrhundert v. Chr. damit einfache Goldklumpen zu schlagen, die wohl als Zahlungsmittel benutzt worden sind und diese Goldklumpen sind der Vorläufer des später ebenda erfundenen gemünzten Geldes. Die bislang ältesten gefundenen Goldmünzen der Welt sind alle lydisch!
auf dem Gebiet der heutigen Türkei.
Bin ich Krösus?
Alyattes II., der vorletzte König von Lydien (regierte 605–556 v. Chr.), so sieht es die Forschung, war der erste Mensch, der gemünztes Gold als Geld in Umlauf gebracht hat. Im allgemeinen wird diese Erfindung allerdings seinem Sohn Krösus (* um 590 v. Chr., † um 541 v. Chr. oder später), dem letzten König von Lydien zugeschrieben. Auf ihn ist der bekannte Ausspruch zurückzuführen, denn in der antiken Welt galt Krösus als äußerst wohlhabender Herrscher, der seinen Reichtum den in Kleinasien vorhandenen Goldvorkommen zu verdanken hatte, insbesondere dem Fluss Paktolos und den Bergwerken zwischen Atarneus und Pergamon.
Und wem von den beiden darf man nun den Vorzug geben? Richtig, dem lachenden Dritten. Alyattes II. ließ nicht in raffiniertem Gold prägen, sondern in Elektrum, einer ursprünglich natürlich vorkommenden Legierung aus Gold und Silber. Krösus aber ließ erstmals pures Gold prägen. In diesem Sinne Ehre, wem Ehre gebührt, nämlich Lydien! Denn in der Regel hat kein König oder sonst ein Oberhaupt je etwas erfunden (auch wenn Alyattes II. als Erfinder des gemünzten Geldes gilt). Sie schreiben es sich nur gern auf die Fahne. Die wahren Erfinder sind unbekannt. Lediglich der Ursprung kann verortet werden und auch nur solange, wie die Forschung nicht auf einen noch älteren Fund in irgendeinem anderen Teil unserer Welt stößt. Gold als Geld nahm also seinen Anfang irgendwann zwischen dem 7. und 6. Jahrhundert vor Christus und kann demnach erst seit etwa 2700 Jahren als Währung im Sinne eines Zahlungsmittels angesehen werden.