🚩News vom Auswanderungsexperten
🚩 Ich wollte mich vorsorglich verabschieden,
denn vermutlich habe ich nicht mehr lange zu leben. Ganz klar belegt von Experten. Also von Fratzenbuch-Gruppen Experten. Fachbereich Virologie weltweit. Wenn es mir ab und an mal ein paar Minuten langweilig ist und es ansonsten just in dem Moment keine Alternative gibt meine Zeit anderweitig zu verplempern, dann stöbere ich ja ganz gerne mal in den verschiedenen Foren oder Facebook-Gruppen rum.
Aber nur dann wenn ich Popcorn oder eine entsprechende Alternative zur Hand habe. Großes Kino ohne solches Futter ist ja wie Handkäse ohne Musik oder Gulaschsuppe ohne Fleisch.
Aktuell ist hier speziell für Paraguay oder allgemein für bestimmte Regionen in Südamerika das Denguefieber ganz hoch im Kurs. Mit Corona haben wir hier nur in einer Bodega was zu tun. Also mit dem mexikanischen Gebräu inklusive Limettenscheibe. Aber ansonsten juckt das hier niemand.
Im Grunde auch nicht das aktuell kursierende Denguefieber. Eigentlich. Wenn es da nicht die "Experten" in den entsprechenden Foren/Gruppen gäbe. Da werden die krassesten Tips gegeben, was man beachten MUSS, wie man sich schützt und wie man sich vor dem sicheren Tod in letzter Minute retten kann.
Aus den Konversationen halte ich mich grundsätzlich raus. Ich habe dafür zu wenig Ahnung. Ich lebe ja erst seit 2011 hier. Das überlasse ich den "Experten". Wie in diesem Fall. Der Spezialist für Virologie hat dort nämlich erst mal eine dringende Warnung gegeben und als beste Lösung eine Rückreise nach Deutschland empfohlen. Zumindest temporär, bis die "Epidemie" abgeklungen ist.
Ein weiterer wichtiger Hinweis: "Möglichst keinen Kontakt mit Menschen, die Anzeichen einer Dengue Erkrankung aufweisen!" Ich meine das sieht man ja schon auf 30 Meter Entfernung, ob jemand Fieber hat oder nicht. Weitere äusserliche Merkmale gibt es da leider nicht. Aber das muss langen.
Wie gefährlich ist Dengue wirklich?
Also das ist so. Die "Tod bringende Seuche" wird hier beim Arzt oder im Krankenhaus mit Paracetamol "behandelt". Machen nur die Wenigsten. Also zum Arzt gehen. Der Durchschnittsparaguayer kocht Blätter vom Papayabaum als Mateaufguss. Wer jetzt gespannt darauf wartet, was man sonst alles noch tun muss, den muss ich enttäuschen. Thats it.
Um dem geneigten Leser aber noch ein paar weitere Infos zugänglich zu machen, noch ein paar Eckdaten. Das Denguefieber zeigt ähnliche Symptome wie eine handelsübliche Grippe. Fieber, Kopf-, Glieder-, Gelenkschmerzen, allgemeine Niedergeschlagenheit und ab und an auch Erbrechen. Eine Grippe eben.
Der selbst ernannte "Experte" war nach eigenen Angaben noch nie in Südamerika, aber er wäre ja, ebenfalls nach eigenen Angaben, "nicht zu blöd zum googeln" und wäre ansonsten schon viel in der Welt rum gekommen. Nun gut. Für einige bedeutet "In der Welt rum gekommen" ja schon, wenn sie das eigene Dorf mal verlassen haben und jede Kirmes im Umkreis von 15 Kilometern schon einmal besucht haben. Aber das ist ja alles relativ. Schiesslich kann man sich sein Expertenwissen ja zusammen googeln.
Ein paar Zahlen zum Massensterben in Paraguay
Zunächst noch die Info, dass die Dengue Zeit im ähnlichen Zeitfenster statt findet, wie die Grippewelle in Deutschland. So von Mitte November bis Ende Februar Anfang März. Das hängt ganz vom Wetter ab. Hier auf der Südhalbkugel ist ja gerade Sommer und wir hatten dieses Jahr relativ viel Regen für die Jahreszeit. Diese Kombination begünstigt das Aufkommen des Überträgers. Die Tigermücke. Sieht aus wie ein Moskito. Ist aber keiner, sondern eine Tigermücke.
Im gesamten Jahr 2019 gab es laut dem Gesundheitsministerium in Paraguay rund 11.000 gemeldete Erkrankungen und davon sind fast alle gestorben.
OK - bevor die Panik ausbricht oder irgendwer Schnappatmung bekommt. Das war ein vorgezogener Aprilscherz. Von den 11.000 Erkrankten sind 9 gestorben. Nochmal in Worten, damit nicht jemand denkt es handelt sich um einen Tippfehler. NEUN!
Natürlich KANN man sterben, aber bei den Todesfällen handelt es sich dann um sehr alte, schwache oder vorerkrankte Menschen. Im Vergleich dazu - in Deutschland fröhlich Panikland sterben jährlich zwischen 25.000 und 30.000 an der normalen Influenza aka Grippe. Also der Tipp Paraguay so schnell wie möglich zu verlassen, wenn auch nur temporär, ist jetzt nicht gerade so das Nonplusultra.
Funfact: Dengue ist im Gegensatz zur herkömmlichen Grippe NICHT von Mensch zu Mensch via Tröpfcheninfektion übertragbar, sondern einzig und alleine durch die Mücke aus der Aedes Familie. Soviel zum zweiten "Expertenhinweis" sich möglichst von Erkrankten fern zu halten.
Zunächst war ich kurz davor dem Dr. Googel, Fachgebiet Tropenkrankheiten und allen anderen, die dort schon in Panik ausgebrochen sind, zu antworten, aber hey - was weiß ich schon? Ausserdem beschneide ich mich ja dann selbst um den Kinospaß. Wäre ich ja schön doof.
Ich persönlich bin gewappnet. Schliesslich hat mein Nachbar 3 Papaya Bäume und ansonsten stehen die hier auch sonst fast an jeder Ecke rum, sollten die Bäume des Nachbarn geplündert sein, weil die Denguewelle droht die Nachbarschaft dahin zu raffen.
Aber ist eh egal. Schliesslich haben wir alle sowieso nur noch 3 Wochen.
Glaubste nicht?
BILD Ausgabe 23. Februar 2007
Also stellt die Arbeit ein und macht euch noch ein paar schöne Tage.