Inspiriert von den Podcasts von Jordan Peterson habe ich in den letzten Monaten eine Menge nachgedacht. Vorher jedoch, empfehle ich auf jeden Fall, die komplette Podcast Reihe anzuhören, ich habe bisher kaum etwas Bereichernderes gehört.
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Die biblische Geschichte ist nur wenige Zeilen lang, Peterson erklärt jedoch beeindruckend, wie tief diese Geschichte geht. Hier möchte ich seine Gedanken etwas erweitern.
Jeder kennt die Geschichte. Zwei Brüder, der eine, der Schäfer erfolgreich in den Augen Gottes, der andere, der Bauer eher nicht. Aber was passiert wirklich? Auf den ersten Blick scheinen beide ein gutes Leben zu führen, beide haben soviel von ihrer Arbeit übrig, dass sie Opfer bringen können. In den Augen Petersons sind hier "Opfer" ein Sinnbild für etwas viel Größeres. Es geht hier um die Erkenntnis, dass man im heute freiwillig etwas aufgeben muss, was einem in der Zukunft ein besseres Leben bringt. Im Fall von Kain und Abel geht es hier um das Wohlwollen Gottes. Im Übertragenen Sinne geht es aber um alles was wir heute aufgeben um es in der Zukunft besser zu haben. Das kann ein Geschäft sein, eine Versicherung, eine Sparanlage oder einfach darum ein guter Mensch zu sein, der von seinen Mitmenschen geschätzt wird und in Zukunft von diesen Hilfe erwarten kann. All dies ist eine Form von "Opfer".
Man erfährt in der Geschichte nicht, was Kain "falsch" gemacht hat, so muss man davon ausgehen, dass er einfach das Gefühl hatte, dass seine Opfer unsinnig waren. Vielleicht hatte er auch weniger Glück im Leben, eine Ernte fiel mal nicht so gut aus wie erwartet, in jedem Fall war er unzufrieden mit den Resultaten. Diesen Ärger projizierte er in Form von Neid auf seinen Bruder Abel. Ich denke, dieses Verhalten sehen wir heute zuhauf: Menschen, die keinerlei Opfer gebracht haben, und Menschen, die Opfer gebracht haben, aber mit den Resultaten nicht zufrieden sind projizieren Ihren Neid auf diejenigen die erfolgreich sind.
Ich sehe an dieser Stelle das Dilemma zwischen Kapitalisten und Sozialisten. Kapitalisten werden heute als Ausbeuter gesehen, die alles nur deshalb tun, um andere auszubeuten und mehr Geld zu scheffeln. Ich will sicher nicht in Abrede stellen, dass es solche Psychopathen gibt. ABER ich sehe ganz viele Selbständige, die nichts anderes tun als Ihre Zeit und Ihre Mittel dafür zu opfern, möglichst viele Menschen zufrieden zu stellen. Der Sozialist hingegen, hat das Gefühl (wenn auch sicher manchmal zu Recht), dass irgendetwas "unfair" ist und jeder auch ohne Opfer das Recht auf irgendetwas hätte. An dieser Stelle steht eine wichtige Frage:
Welchen Anteil hat das Mitgefühl gegenüber denen, die wirklich Hilfsbedürftig sind und wie viel Anteil hat der Teil, der nur neidisch auf die ErfolgREICHEN ist.
Kain ist dazu bereit, sein Ideal -seinen Bruder- für dieses Gefühl der Unfairness über die Klinge springen zu lassen. Kaum etwas kann schlimmer sein. Und in der Bibel wird Kain dafür auf ewig verflucht und sogar mit dem Kainsmal gezeichnet.
Ich bin der Meinung, jedem einzelnen täte es gut, sich die Frage stellen, ob er selber "die richtigen" und "genügend" Opfer gebracht hat, wie viel von Kain in einem selber steckt. Wie viel der moralischen Überlegenheit, die wir nach draußen posaunen nur darauf basiert, dass wir neidisch auf diejenigen sind, die die richtigen, oder genügend Opfer gebracht heben, oder einfach nur ein wenig mehr Glück im Leben hatten.
Ich habe Kain in mir gefunden und ich tue alles um Ihn aus mir selber zu verbannen, wo immer ich ihn finde.