Liebe Steemit-Freunde!
Seit Neuestem befinden wir uns im Besitz von zwei außerordentlich hübschen, quirligen, anschmiegsamen, frechen, lebendigen Katzenkindern. Ihr habt das Vorgucker-Bild vom Post #5 sicher "süß" gefunden. Es sind Geschwister. Das Mädchen flog eines Morgens aus einer Plastiktüte auf unseren Komposthaufen. Die Costa Ricanische Methode zur Bevölkerungsreduktion als Alternative zu Bill Hates. Wimmernd, winzig klein, circa drei Wochen alt. Schüchtern, hungrig und neugierig zugleich. Da waren sie nun bei uns gelandet. Zufall? Am Morgen darauf ein ähnliches Szenario, die Ankunft der Bruders. Pechschwarz ist er, im Gegensatz zu seiner Schwester, die Grau-Melierte. Zufall Nummer zwei? Es ist, wie es ist, wir haben sie, wir lieben sie, es sind von nun an ständige Begleiter.
Neben dem Partner gibt es aber noch einen weiteren, ständigen Begleiter. Dieser ist vielleicht der gewichtigste, schwierigste und trotzdem unscheinbarste Begleiter, der nicht von der Seite weicht, komme da, was es wolle: das bin ich selbst. Ich und mein Schatten wandern überall mit hin, ich kann ihn nicht zurücklassen, nicht einmal für einen Augenblick. So trivial und selbstverständlich es klingt, dieser kann zum größten Stolperstein werden, besonders in der Fremde. Er bietet aber gleichzeitig auch die größte Chance.
Die Chance, mit ihm ins Reine zu kommen, ihn kennen zu lernen, ihn aushalten zu müssen und mit ihm nach Lösungen zu ringen. Sofern man das Reisen allumfassend begreift, nämlich auch als Reise zu sich, und sich darauf einläßt, kann es zu dieser tiefen Begegnung mit sich selbst kommen. Lebe ich in einem fremden Land den gleichen Stil von Arbeit, Konsum und Zerstreuung wie in der Heimat, dann wird es für "Aussteiger" auch nur katastrophal enden. Die in meinen Augen größte Herausforderung liegt also in der Balance von Arbeit mit Geld verdienen und der Muße, in der Fremde sich selbst wahr zu nehmen.
Ich bin der westlichen Zivilisation aus gutem Grund entsprungen und kann nur außerhalb dieser mit mehr Ruhe dazu kommen, was "Meins" ist. Hier in Costa Rica kennt mich niemand, hier bin ich ohne wesentliche Verpflichtungen, hier bestimme ich wesentlich freier mein Leben als im überregulierten Deutschland. Und davon gibt es noch viel mehr Länder. Es braucht den Mut, aufzubrechen und es braucht den Mut, sich dann sich selbst zu stellen und all den Ängsten in die Pupille zu sehen, die dann wach werden. Das Schicksal vieler Auswanderer ist bei der Flucht vor sich selbst der Weg in den Alkohol. Zu plötzlich, unerwartet und ungewollt erscheint diese Konfrontation mit sich. Und wer stellt sich schon gern dem Tribunal der Selbstreflexion mit ungewissem Ausgang, wenn doch der karibische Rum so lecker Trost spenden kann?
Möchte man unbeschadet an Körper, Geist und Seele eine solche Abenteuerreise überstehen, sie gar genießen, dann werde ich nicht umhin kommen, mich im Spiegel zu betrachten. Und das kann schon für große Überraschungen sorgen. Wann, wenn nicht jetzt, und wo, wenn nicht an diesem Ort, an dem ich momentan stehe, nutze ich die Gelegenheit, mir über mich klar zu werden. Im Sinne einer andauernden Einladung, Tag für Tag neu. Viel zu eingebunden und mit vielen "wichtigeren" Dingen beschäftigt, habe ich mein Leben vorher darauf ausgerichtet, dieser Begegnung auszuweichen. Zum Glück habe ich dafür nun "die Kurve gekriegt".
Einen kleinen Vorgucker habe ich jetzt wieder auf den nächsten Beitrag "Bilderbogen Costa Rica - zur Inspiration", mit dem ich mich dann aus Costa Rica vorläufig verabschiede. Wennn ihr das "Holzhaus" vermißt: hier ist´s!
Alles Liebe und stets "An die Freude!" 🇨🇷