(Das waren wir mal vor zehn Monaten :P)
Wir haben uns entschieden zurück zu fliegen. Am ersten November, genau 365 Tage nach unserem Reisebeginn, geht es wieder in die Schweiz. Es geht mir aber echt noch nicht so wirklich in den Kopf, dass ich in weniger als zwei Monaten wieder Zuhause bin und das perfekt getimed zum Winteranfang. Das wird eine grosse Umstellung werden. Damit schliesst sich der Kreis. Und das fühlt sich enorm ambivalent an.
Auf der einen Seite bin ich echt froh wieder zurück zu gehen. Ich freue mich verdammt darauf, meine Familie und meine Freunde wieder zu sehen und mit ihnen physisch interagieren zu können. Wow, das hab ich jetzt sowas von trocken formuliert, aber macht nichts - Ich lass es trotzdem stehen :P.
Es hat mich nämlich verdammt genervt, den Kontakt zu meinen Liebsten nur digital aufrecht erhalten zu können. Auch wenn wir mittlerweile geniale Möglichkeiten haben und zum Beispiel ein Video-Gespräch über tausende von Kilometern hinweg führen können, geht schlussendlich nichts über ein Gespräch von Mensch zu Mensch, am liebsten mit einem leckeren Tee und frischem Kuchen.
Ich freue mich auch tierisch auf richtiges Brot. Sechs-Korn-Brot, mit einer knusprigen Kruste oder ein Laugen „Gipfeli“ aka. Croissant. Aaaah, Da wird mir sofort warm ums Herz. Denn obwohl es zahlreiche asiatische Küchen gibt, die wirklich verdammt lecker kochen, verstehen die Asiaten unter Brot nur dieses fade Toastbrot. Davon hab ich echt genug für ne’ Weile. ^^
Auch sonst freue ich mich auf viele kleine alltägliche Dinge, welche ich vor unserer Reise für selbstverständlich genommen habe. Dass es überall Mülleimer hat zum Beispiel. Oder, dass der Bus ziemlich genau dann fährt, wenn er eigentlich sollte. Dass um mich herum wieder meine Muttersprache gesprochen wird und und und… Ich glaube ich muss hier einen Strich ziehen, sonst hör’ ich nie mehr auf. :P
Auf der anderen Seite habe ich aber auch echt Angst davor wieder in die Schweiz zurück zu fliegen. Es warten viele Verbindlichkeiten und Verpflichtungen auf mich. Jetzt muss ich mein Leben in die Hand nehmen und für mich und Jess noch viel mehr Verantwortung übernehmen, als dies in den letzten Monaten der Fall gewesen wäre.
Für die Aufnahmeprüfung für mein geplantes Studium muss ich erst noch Klavier (von Grund auf) lernen, mich auf einen anspruchsvollen Gehörtest vorbereiten und ein Repertoire zusammenstellen. Da ist noch gewaltig viel Wissen, das noch von mir gelernt sein möchte. Das wird meine Disziplin und meine Ausdauer auf eine harte Probe stellen. Im Allgemeinen mag ich ja harte Proben, von dem her sollte das kein all zu grosses Problem sein. :)
Viele Ungewissheiten schwirren mir durch den Kopf. Antworten werde ich aber frühestens dann finden, wenn wir am zweiten November in Zürich landen. Bis dahin möchte ich meine Zeit und meine Unverbindlichkeit in vollen Zügen geniessen. Wer weiss, wann ich dazu das nächste Mal Gelegenheit bekomme?
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