Immerhin dürfte das die einzige Sinfonie in Worten weltweit sein :-).
Kleine Sinfonie für Freunde der Musik, in Worten
Gefüllte Reihen, Eleganz ...
Das Haus, es schenkt Gemeinsamkeit.
Wunderbares Harmonieren wartet
fiebrig auf die Herrlichkeit.
Herzen sind bereit zum Tanz ...
zum Land der Lust gestartet.
Ein Techtelmechtel mit der Stille
geht dem Hände-Krach voran.
Endlich geht’s in Position!
Der Maestro zündet Ohren an ...
Aller Anfang war ein Wille,
ihm folgt dann Faszination.
Die Fraktion der Kunstgenießer,
deren Mitglieder Ihr seid,
weiß doch wohl was Seelen küsst ...
Schönheit lieben ist gescheit.
Lasst mich nun, mich Wortegießer,
bauen euch ein Tongerüst.
Schließt die Augen, auch den Mund.
lehnt euch in die Polster rein ...
Atmet tief in euren Grund,
tief in euren Bauch hinein ...
Sanft schwebt goldner Schnee zur Erde ...
Kristalle funkeln wunderbar ...
fern trottet die Rentier-Herde,
auf das sie immer lauter werde,
immer näher, sie ist da!
Schon vorbei und wieder leiser.
Kontrabässe schnurren los ...
weich und trotzdem rau und heiser ...
dann kommt der Klarinetten-Kaiser,
dieses Paar klingt ganz famos ...
Hackend stoßen die Trompeten.
Pauken sind zum Schlagen frei ...
Hundert Geigen himmlisch beten ...
Alle Töne angetreten!
Komponierte Zauberei ...
Posaunen, Tubas angepackt ...
es schmilzt der Impresario ...
Ein dicker Mammutbaum zerknackt ...
knallend er zu Boden sackt.
Panikstimmung, Beben-Welt ...
Ein Krieg der Lüfte schickt sich an ...
Der Bau schwingt wie ein Sommerzelt ...
Haubitzen donnern, Unheil bellt ...
Musik entfaltet ihren Bann!
Wirbelsturm und Hagelschauer
stecken Stummheit in den Tower ...
Virtuos wird musiziert ...
Kämpfe werden demonstriert ...
Nichts und gar Nichts hält die Recken ...
Schwerter woll´n im Blute stecken ...
Heere sind die Machtbehüter ...
wühlen formend durch Gemüter ...
Bersten wollen die Fanfaren,
wie im Sturz zur letzten Schlacht ...
wie seit Tausenden von Jahren ...
da die Narren aufgewacht ...
Und ein Ende ist keine Ende ...
Unterwerfung, wie man sagt,
ist die Pause bis zur Wende,
wo der Führerlose wagt ...
Doch noch prahlen Violinen,
prallt das Eisen auf, mit grienen ...
prickelt presto jedes Herz ...
Presto, presto todeswärts!
Immer neue Kampfhahnsucht ...
Granaten gongen tiefe Schlucht ...
Alle Noten gravitieren ...
Instrumente explodieren ...
Blutdruck sprengt die Lebensbahnen ...
Jeder treibt im Raum der Ahnen ...
Wirklichkeiten sind zerbrochen ...
Dimensionen sind durchkrochen ...
Alle sind der Künste hei ...
Alle fühlen sich nun frei ...
Lungen pumpen Ruhe ein ...
ein, zwei Züge, ja die reichen ...
Engel streichen Harfen, rein ...
Intermezzo ohne gleichen ...
Tolles Schwingen, schwerelos,
Federn sind wie Blei dagegen ...
Ein´ Trommelhauch, erst einen bloß,
hört man durch den Kosmos fegen.
Fern und dumpf ein Krieger reitet ...
Vorwärts, Klarinette!
Pianoflügel ausgebreitet ...
Putzt und heiligt Amulette ...
Brodeln reißt sich von der Kette ...
Spannung zittert in den Bänken ...
Frequenzen, spitz wie wilde Speere ...
Resonanzen aus den Handgelenken ...
Auf das sich alle Kunst vermehre ...
so das sie alle Welt belehre ...
Kieselsteinchen hopst zu Tale,
macht ping und pong und brach und krach!
Immer lauter hallt´s im Saale
als ob da ein Vulkan ausbrach ...
mit glühender Lawinen-Schmach ...
Es spaltet sich das Erdenreich ...
Nebelschwaden, Schwefeldampf ...
metaphysisch´ Kriegerfleisch
kreischt nach bösen Höllenkampf.
Astronomisches Posaunen
stößt Planeten aus der Bahn.
Hört die flache Erde raunen:
Sinfonischer Dämonen-Wahn ...
Den Höllenkriegern flieht der Feind ...
halb so schlimm, doch Wut muss sein ...
Sie hämmern eben noch vereint,
die Schädel Ihrer Brüder ein ...
Hörner schmettern Todesqual ...
Knochen splittern ohn´ Moral ...
Leidenschaft, lässt keine Wahl ...
Der seltenste Rebell allen Daseins,
der selbst Neutronenlicht entfacht ...
sintert nun im Orpheum allen Tückenwiderstand,
auf das die Brut daheim, im Orkus erst erwacht ...
Kein Lamento hört man fallen ...
Rasseln knallen ...
Bläser, die mit Phon verwöhnen ...
Glocken stöhnen ...
Als wollten sie nie mehr verstummen,
Saiten summen ...
Flut und Ebbe, dann die Sturmflut ...
5 Tsunami-Wellen ...
In den Schläfen kocht das Kunstblut ...
solch Schalldruck könnte Säulen fällen ...
Oh, welch ein Mirakel!
Ohne Fehl und Makel ...
Wie gut sich´s wirklich hört,
weiß man, hat man´s lang entbehrt ...
Dämpfung braucht ein jedes Werk.
Lungen brauchen Sauerstoff.
Der Paukenriese wird zum Zwerg ...
bis jeder Ton im Nichts ersoff ...
Das Haar des Maestro ist zerzaust ...
Auf goldnen Götterschwingen ...
dem Winde gleich durch´s Haar gebraust ...
ich wollt das mich der Affe laust,
tat ihm das nicht gelingen.
Impulse tippeln largo, sacht ...
noch ehe sich die Tür zumacht ...
räuspern sich die ersten Zungen ...
erst die alten, dann die jungen ...
Den letzten Ton schwänzen beiderlei ...
Hände sind zum Klatschen frei ...
Ein Schwindel schwappt schwuppdiwupp,
hinüber auf die ganze Trupp´.
Kein wahrer Freund kann sich mehr halten ...
Utopisch bombardieren Hand an Hand!
Alles, was sie hielten in Gewalten ...
entschwindet nun ins blaue Freudenland ...
Es lief der Schweiß zum edlen Saft ...
der strubbligen Musikerschaft.
Reiner noch als alles Geld ist Freudenovation ...
Wo gibt es noch auf dieser Welt ein herzlicheren
Lohn?
Wenn Kunst die Schönheit immer wieder neu
entdeckt
und nimmer ihre Waffen streckt,
dann wird sie ewig jene Fackeln speisen,
die uns den Weg zu himmlich´ Freuden weisen ...
und keine Zeit muss nur verrinnen ...
leer, wie vieles, ohne Halt ...
Wird man sich auf Musik besinnen,
wird man Hundert Mal so alt ...
© Rob Alphanostrum