18. Juni 2018
Wie angekündigt kommt nun der zweite Teil über die diesjährige Ausgabe des 24 Stunden Rennens von Le Mans. Im ersten Teil [1] bin ich auf das Rennen allgemein und die Geschehnisse bei den Prototypen eingegangen, im zweiten wird es um die GT-Autos [2] gehen. Allerdings werde ich hier keine Analyse des Rennens veröffentlichen. Wer sich so etwas ansehen will, der möge sich diese Informationen gerne bei den echten Rennfreaks etwa von racingblog.de [3] beschaffen.
In diesen beiden Klassen, sowohl in der Pro als auch in der Am Wertung gelang Porsche der Sieg. Der deutsche Sportwagenhersteller, der in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert, konnte sich wie gewünscht in Szene setzen und mit zwei Werkswagen auf den ersten beiden Rängen triumphieren. Auch wenn es durch den Ausstieg aus dem Prototypensport per Ende 2017 nicht zu einem totalen Triumph kommen konnte. Obwohl die ersten 5 Fahrzeuge in der GTE Pro Wertung am Ende gerade einmal 2 Runden auseinanderlagen, kam es zu erstaunlich wenigen Führungswechseln, nämlich nur zu deren 8.
Anlässlich des Jubiläums bei Porsche trat man mit zwei Lackierungen im Retro-Stil an. Das eine Design erinnerte an die Zeit mit dem Zigarettenhersteller Rothmans als Hauptsponsor und das zweite, am Ende siegreiche Fahrzeug trat mit der rosa Lackierung des Typs Sau an, in Anlehnung an eine Lackierung von 1971, die der Porsche 917/20 [4] trug. Auf ihr sind die Körperteile des Hausschweins angeschrieben. Ich erlaube mir die Bemerkung, ob sowas, was 1971 wohl ein selbstvertändlicher Gag war, 2018 noch politisch korrekt ist und in naher Zukunft noch erlaubt... Man wird sehen.
Der Porsche 917/20 von 1971, zu sehen im Porsche Museum [15], hier in einem kurzen Video von Porsche selbst.
Als Fahrzeugt diente der Porsche 911 RSR, der zum zweiten Mal in Le Mans zum Einsatz kam. Man könnte sagen, dass das doch ein gewöhnlicher Rennwagen Porsche 911 [5] sei, die es doch schon lange gibt, doch dem ist nicht ganz so. Denn, auf die Saison 2017 wurde an dem Fahrzeug einiges geändert, besonders im Heckbereich. Wer sich das Fahrzeug ansieht (z. B. bei seriouswheels.com), der erkennt unmittelbar, dass bei diesem 911 etwas anders sein muss, als bei seinen Artgenossen. Ein so offen gestaltetes Heck mit Heckmotor? Nein ohne, denn beim GTE Porsche wurden sozusagen Motor und Getriebe umgedreht, so dass seit 2017 mit diesem Rennwagen erstmals ein Porsche 911 mit Mittelmotor-Design existiert. Sehr bemerkenswert ist bei diesem aussergewöhnlichen Porsche 911 auch die Geräuschentwicklung. Es hat kaum je einen lauteren Porsche gegeben, ich bin begeistert davon. Es gibt ein 20 Minuten langes Video bei dem bekannten Rennwagenfilmer 19Bozzy92 von einem Vortest in Monza, das angesehen und angehört werden will [6].
Der Aufbau mit Heckmotor wurde in letzter Zeit gerade im GT-Sport zunehmend zum Hindernis. Die Gewichtsverteilung ist suboptimal, dazu die Balance, die sich zwischen vollem und leerem Tank ziemlich stark ändert und bei der Aerodynamik hatte man dadurch auch nicht die gewünschte Flexibilität. Als beste Lösung hat sich für GT-Wagen das Mittelmotor-Konzept erwiesen, welches in Le Mans bei den Fahrzeugen von Ferrari F488 GTE [7] und Ford GT [8] gesehen werden kann. Gerade der Ford ist bereits in seinem Strassenkleid als sehr kompromisslos erkennbar. Angesichts der kleinen Serie und des exklusiven Kaufpreises von etwa € 500'000 ist klar, dass dieses Fahrzeug vor allem deswegen gebaut wird, dass man bei GT-Rennen antreten kann.
Die drei weiteren Fahrzeuge Chevrolet Corvette C7.R [9], Aston Martin Vantage AMR [10] und der ganz neue BMW M8 GTE [11] treten alle mit Front-Mittelmotoren an. Bei der Corvette soll es zur nächsten Generation C8 den Wechsel auf ein traditionelles Mittelmotorkonzept geben, gerade aktuell sind erste Bilder eines Erlkönigs aufgetaucht [12]. Bei Aston Martin und BMW wird man wohl so weitermachen wie bisher, beide Wagen sind neu und haben einige Zeit im Rennsport vor sich. Bei Aston Martin wäre ein Mittelmotor-Konzept sehr ungewöhnlich, bei BMW gab es das mit dem M1 [13] schon einmal.
Im 24h Rennen [14] von vergangenem Wochenende war der Wettbewerb wie gesagt schon eng, aber echte Chancen auf den Sieg hatten vor allem Porsche und Ford. Bei den Corvettes war ein Fahrzeug früh abgemeldet, bei Aston Martin erreichte man den nötigen Speed nicht und BMW war mit dem neuen M8 auch noch nicht ganz auf der Höhe des Geschehens, was sich für 2019 aber sicher ändern dürfte.
Zwischen Porsche und Ford kam es in über das ganze Rennen zu einigen Zweikämpfen, die spannend waren und sich teilweise länger hinzogen. Besondere Erwähnung soll der Kampf um Rang zwei kurz vor dem Ende des Rennens finden, zwischen den Franzosen Fréderic Makowiecki im Rothmans-Retro Porsche und Sébastien Bourdais im Ford GT. Bourdais versuchte stets die etwas bessere Endgeschwindigkeit des Ford zu nutzen, währenddessen sich Makowiecki auf die gute Traktion des Porsche verliess und auf den Geraden Schlangenlinien an der Grenze der Legalität fuhr. Der Porsche behielt das bessere Ende für sich, weil sich der Ford nach seinen Überholmanövern nie absetzen konnte und stets wieder einen unmittelbar erfolgenden Konter ausgeliefert war.
Ein Paar Impressionen von dem Kampf um Rang 2 [16]:
Das Podium in der GTE Pro Klasse, Gesamtränge 17-19:
| Rang | Team | Fahrzeug | Fahrer | Runden |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Porsche GT Team | Porsche 911 RSR | Mikael Christensen (DK), Kévin Estre (F), Laurens Vanthoor (B) | 344 |
| 2 | Porsche GT Team | Porsche 911 RSR | Richard Lietz (Aut), Gianmaria Bruni (I), Frédéric Makowiecki (F) | 343 |
| 3 | Ford CGT USA | Ford GT | Joey Hand (USA), Dirk Müller (D), Sébastien Bourdais (F) | 343 |
Auch die GTE Am Klasse war an der Spitze nicht sehr beweglich, es kam zu 10 Führungswechseln. Aber hinter dem führenden Porsche, der wenig angefochten wurde, spielte sich ein munteres und spannendes Rennen ab. Zunächst führte Porsche auch in dieser Klasse mit zwei Fahrzeugen, das eine schied durch einen Unfall aus. Schliesslich konnten sich zwei Ferrari auf den Plätzen 2 und 3 einreihen und diese bis ins Ziel halten.
Wer das Rennen in der GTE AM Klasse richtig verfolgen wollte, musste aber etwas einfallsreich sein. Denn auf den Leinwänden vor Ort und am Fernsehen bekommt man davon nur wenig mit, sondern muss ein ziemlich eifriger Betrachter des Zeitenmonitors sein.
Das Podium in der GTE Am Klasse, Gesamtränge 28, 29 und 31:
| Rang | Team | Fahrzeug | Fahrer | Runden |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Dempsey-Proton Racing | Porsche 911 RSR | Matt Campbell (AUS), Christian Ried (D), Julien Andlauer (F) | 335 |
| 2 | Spirit of Race | Ferrari F488 GTE | Thomas Flohr (CH), Francesco Castellacci (I), Giancarlo Fisichella (I) | 335 |
| 3 | Keating Motorsports | Ferrari F488 GTE | Ben Keating (USA), Jeroen Bleekemolen (NL), Luca Stolz (D) | 334 |
Bei den GT Fahrzeugen angetreten waren folgende 30 Wagen: Aston Martin Vantage (2 Pro, 2 Am), BMW M8 GTE (2 Pro), Corvette C7.R (2 Pro), Ferrari 488 GTE (3 Pro, 5 Am), Ford GT (4 Pro), Porsche 911 RSR (4 Pro, 6 Am). Ferrari und Porsche bieten auch ihren teuren GTE-Wagen - der Preis liegt wohl bei gegen € 1 Mio. pro Stück - traditionell für Kunden an, während die anderen Hersteller eher dem reinen Werkseinsatz zugeneigt sind.
In den folgenden Tagen werde ich noch nach guten Videos Ausschau halten und diese entweder noch in den Artikel einbauen oder als Kommentare einstellen.
[1] Automobil 010 - Geschichtsträchtiges 24h Rennen in Le Mans. , 18. Juni 2018 https://steemit.com/deutsch/@saamychristen/automobil-01-geschichtstraechtiges-24h-rennen-in-le-mans
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppe_GT2
https://en.wikipedia.org/wiki/LM_GTE
[3] 24H Le Mans: Analyse GTE Pro und Am – Porsche mal drei. racingblog.de, 18. Juni 2018, von DonDahlmann https://www.racingblog.de/2018/06/18/24h-le-mans-analyse-gte-pro-und-am-porsche-mal-drei/
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Porsche_917
https://en.wikipedia.org/wiki/Porsche_917
Porsche Newsroom: Kosename Sau, 04. März 2014 https://newsroom.porsche.com/de/historie/917-20-sau-10673.html
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Porsche_911
https://en.wikipedia.org/wiki/Porsche_911
[6] Porsche 991.2 RSR GTE: The best and loudest sounding WEC 2018/2019 race car! 19Bozzy92 YouTube Kanal, 01. Juni 2018
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Ferrari_488
https://en.wikipedia.org/wiki/Ferrari_488
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Ford_GT
https://de.wikipedia.org/wiki/Ford_GT_2017
https://en.wikipedia.org/wiki/Ford_GT
2017 Ford GT: http://www.seriouswheels.com/cars/ford/2017-ford-gt/index.html
Ford GT Race Car: http://www.seriouswheels.com/cars/2016/top-2016-Ford-GT-Race-Car.html
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Corvette
https://de.wikipedia.org/wiki/Corvette_C7
https://en.wikipedia.org/wiki/Chevrolet_Corvette
https://en.wikipedia.org/wiki/Chevrolet_Corvette_C7
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Aston_Martin_Vantage_2017
https://en.wikipedia.org/wiki/Aston_Martin_V8_Vantage_2019
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/BMW_8er
https://de.wikipedia.org/wiki/BMW_M8_GTE
https://en.wikipedia.org/wiki/BMW_8_Series
https://en.wikipedia.org/wiki/BMW_M8_GTE
[12] Spy Shots - Chevy C8 mid-engine Corvette hits public streets. autoblog.com, 03. Mai 2018, von Joel Stocksdale https://www.autoblog.com/2018/05/03/chevy-c8-mid-engine-corvette-spy-photos/
[13] https://de.wikipedia.org/wiki/BMW_M1
https://en.wikipedia.org/wiki/BMW_M1
[14] https://www.lemans.org/fr/page/resultats/101 Gesamtklassement/-bericht PDF-Datei (298 Seiten): https://assets.lemans.org/explorer/pdf/courses/2018/24-heures-du-mans/classification/race/24-heures-du-mans-2018-final-classification-summary.pdf
Startaufstellung PDF-Datei: https://assets.lemans.org/explorer/pdf/courses/2018/24-heures-du-mans/classification/24-heures-du-mans-2018-qualifying-practice-combined.pdf
[15] Porsche Museum Treasure - the 917 Pink Pig. Porsche YouTube Kanal, 15. Januar 2013
[16] Bataille épique en LMGTE Pro entre Porsche et Ford - 24 Heures du Mans. 24 Heures du Mans YouTube Kanal, 17. Juni 2018
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