23. Dezember 2018
Mit Amüsement habe ich auf der Facebook-Seite [1] des Autors und Wirtschaftsinformatikers Ramin Peymani [2] einen Kommentar des klassisch-liberalen Rechtsanwalts und FDP-Mitglieds Carlos Gebauer gelesen. Jener hat sich nämlich mit der sprachlichen Herkunft des Familiennamens des diese Woche entlarvten Journalisten Claas Relotius [3] auseinandergesetzt.
Bildschirmaufnahme von Ramin Peymanis Beitrag [1]. Mit dessen Inhalt bin ich gänzlich einverstanden. Der Sinn und Zweck der Existenz von Blasen ist deren Platzen.
Nun, das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, ist aber auch etwas seltsam. Für Relotius oder Relotium gibt es nämlich keine direkte Übersetzung aus dem Lateinischen. Wohl aber für Lotium und die Vorsilbe Re.
- Re bedeutet zurück oder wieder, erneut oder entgegen
- Lotium bedeutet Urin
Immerhin habe ich mich in der Folge daran erinnert, dass die einst populären Latinisierungen von Familiennamen auch auf die griechische Sprache zurückgehen können. Ein Beispiel dafür ist der Basler Reformator Johannes Heussgen (1482-1531) [4], der sich Oekolampad(-ius) nannte. Der Name setzt sich aus dem griechischen οἶκος (Oikos) Haus und λαμπάς (Lampas) Lampe zusammen. Somit habe ich mich also noch darum bemüht, ob in der griechischen Sprache Wörter wie (Re-)lotios (ρε-)λοτιος existieren, wobei ich zugeben muss, vom Alphabet abgesehen keine Ahnung von der griechischen Sprache zu haben. Es gab folgende Übersetzungen:
- bei de.pons.com und de.langenscheidt.com: keine Vorschläge
- bei translate.google.com die folgenden Vorschläge: λοτιοσ (Lotios) - der Wurf, ρελοτιοσ (Relotios) - kein Vorschlag, λοτιος (Lotios) - viel, ρελοτιος (Relotios) - der Aufstand. In die Gegenrichtung ergeben sich wieder ganz andere Ergebnisse: für Wurf erhält man ρίξει (Rixei), für viel πολύ (poly), für Aufstand εξέγερση (Exégersi). Nicht gerade aufschlussreich.
Nun also die Frage: Was ist ein Relotius?
Mir ist ehrlich gesagt kein Wort eingefallen, welches aus der Ausgangslage das beste machen würde. Die Erwartungen an mich, die Frage zu beantworten, erfülle ich für einmal also nicht. Ich halte das gefundene Ergebnis in der lateinischen Sprache für amüsant genug.
[1] Der Kommentar bei Facebook: https://www.facebook.com/ramin.peymani/posts/10216340762943290?comment_id=10216340814184571
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Ramin_Peymani
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Claas_Relotius
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Oekolampad
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