06. Juni 2018
Zu sogenannten Erfolgstrainern kann man mit Fug und Recht unterschiedliche Ansichten haben. Einerseits gibt es Menschen, die geradezu darauf schwören und sagen, dass ihnen allgemeine persönliche Trainings wirklich geholfen haben. Andererseits gibt es auch solche, die von einem Hokuspokus sprechen, der einen stark in Richtung Egokult oder mantramässig positives Denken abdriften lässt, ohne dass es tatsächlich zu Verbesserungen kommt.
Natürlich gibt es unter diesen Trainern oder Coaches auch Leute, die nicht wirklich gut sind oder für einen selbst nicht die passenden Lösungen liefern können. Meist hat man sicher das Bedürfnis, sich zu verbessern, wenn man Beratung in Anspruch nehmen will, aber in gewisser Weise sollte die Schulung, die man in Anspruch nimmt, auch ein wenig auf die eigenen Bedürfnisse passen.
Für ganz alle passen allgemein formulierte Lösungen in der Regel nicht, da kommt auch der eigene Geschmack ins Spiel. Was gerade im Internet auch sehr gerne getan wird, ist das Abgreifen von E-Mail Adressen, um dann aggressiv Werbung für Kurse, Bücher, Seminare und ähnliches zu verbreiten. Ich bin davon kein grosser Anhänger, weil ich das teilweise für nahezu belästigend halte. Wobei man E-Mails wenigstens einfacher wegbekommt, aufsässige Anrufer.
Bild der Fachwerkbrücke der Eisenbahnlinie Schaffhausen - Stein am Rhein - Bodensee, in Schaffhausen über den Hochrhein. Der Google-Photoassistent erwies sich auch hier als ein Begleiter, der gerne die Farbgebung gerne in Richtung leuchtend hell bearbeitet. Eigene Aufnahme.
Eine der bekanntesten Figuren in den Kreisen der online tätigen Erfolgstrainer ist der US-Kanadier Brian Tracy [1], der mehrere Bücher verfasst hat und darüber hinaus als Redner, Seminarleiter und Verkaufstrainer tätig ist. Ihm habe ich vor gut einem Jahr einmal einen Artikel gewidmet, als ich kompakt seine 21 Success Secrets of Self-Made Millionaires (21 Erfolgsgeheimnisse von Millionären, die ihr Vermögen aus eigener Kraft erarbeitet haben) [3] in Deutsch präsentiert habe. Tracy bietet auch einen Newsletter an, den zu abonnieren ich aber vor allem Leuten empfehlen kann, die mit einer gewissen Flutung mit E-Mails klarkommen. Einige von Tracys Büchern können bei archive.org unter urheberrechtlich fragwürdigen Umständen angesehen werden. Bei YouTube unterhält er einen Videokanal [4] und ist in vielen Videoaufnahmen von öffentlichen Auftritten zu sehen.
Meist ist das Konzept für die eigene Verbesserung nicht besonders schwierig, sondern besteht vor allem darin, dass eine Standortbestimmung gemacht wird. Dann wird ermittelt, was in der eigenen Bilanz positiv und was negativ ist. Das, was als überschüssiger Ballast identifiziert wurde, sollte entfernt werden, die positiven Dinge hingegen ausgebaut und verbessert. Es kommt also zu einer neuen Prioritätenliste, einer geänderten Arbeitsweise und möglicherweise zu grundätzlichen Umstellungen in der eigenen Einstellung zum eigenen Leben, privat und arbeitsbezogen.
Ein Punkt in einer Neuausrichtung liegt auch in der Gestaltung der eigenen Grenzen. Der eigene Aktionsbereich ist im Allgemeinen begrenzt. Man bekommt Grenzen gesetzt, empfohlen und nahegelegt oder / und setzt sie sich selber. Vieles davon geschieht unbewusst. Sich mit den eigenen Grenzen zu beschäftigen, empfiehlt sich, denn nicht jede dieser Grenzen ist sinnvoll gesetzt und möglicherweise schränken sie einen gerade dort ein, wo man unbedingt aktiv werden sollte. Eine kurze Liste klassischer, selbstbeschränkender Überzeugungen (engl. self-limiting beliefs) bekam ich vor kurzem zugesendet. Nicht von Brian Tracy, sondern von Natalie Ledwell [5], die eine Webseite namens mindmovies.com betreibt und auch bei YouTube zu sehen ist.
Die Liste liest sich nicht gerade spektakulär, ist aber trotzdem nicht ganz verkehrt, vor allem wenn es um ganz alltägliche Dinge geht.
| # | English | Deutsch |
|---|---|---|
| 1. | I’m too old | Ich bin zu alt |
| 2. | I’m not smart enough | Ich bin nicht klug genug |
| 3. | I’m not educated enough | Ich bin nicht gebildet genug |
| 4. | I’m afraid of trying and failing | Ich habe Angst davor, es zu versuchen und dabei zu scheitern |
| 5. | You have to have money to make money | Man muss bereits Geld haben, um Geld verdienen zu können |
| 6. | I've already tried everything | Ich habe schon alles versucht |
| 7. | It's selfish of me to want more | Es ist egoistisch von mir, mehr zu wollen |
| 8. | I don’t feel that I really deserve it | Ich habe nicht das Gefühl, dass ich es wirklich verdiene |
| 9. | I don't have the willpower | Ich habe nicht die Willenskraft |
| 10. | All the good ones are taken | Alle Guten sind schon vergeben |
Unterm Strich gesehen geht es darum, sich einerseits nicht übermässig in den Vordergrund zu drängen, aber andererseits viel mehr darum, sich nicht unnötig klein zu machen. Wenn man von einer Sache etwas versteht, soll man das auch zeigen und vertreten, um Interessenten für diese Kompetenz anzuziehen. Denn eigentlich ist es wohl allgemein bekannt, dass es auch Menschen gibt, die viel mehr über ein Redetalent verfügen, als über andere Talente. Gerade von diesen sollte man sich auch nicht klein reden lassen.
Auch sollte man damit nicht hinter dem Berg bleiben, wenn man an einer Sache ein ernsthaftes Interesse hat. Es soll also nicht so sein, dass man etwas zwar bewundert und gerne können würde, aber bereits vorschnell die Segel streicht, mit einer der im Ausredestil daherkommenden Punkte 1-4 aus der Liste.
Natalie Ledwell hat zu den Limiting Beliefs vor einigen Jahren ein Video aufgenommen [6]. Auch daraus möchte ich ein paar Punkte auflisten.
Natalie Ledwell sagt darin, dass viele der selbstbeschränkenden Überzeugungen aus der frühen Kindheit stammen und nicht notwendigerweise in der Schule oder Ausbildung gelernt wurden. Zunächst wiederum eine Liste:
| # | English | Deutsch |
|---|---|---|
| 1. | Rich people are bad | Reiche Menschen sind schlecht |
| 2. | I’m not rich enough | Ich bin nicht reich genug |
| 3. | I’m not good enough | Ich bin nicht gut genug |
| 4. | I don't deserve it | Ich verdiene es nicht |
| 5. | Money is the root of all evil | Geld ist die Wurzel allen Bösen |
Eine weitere Liste von Aussagen, die man möglicherweise als Kind mitbekommen hat und womit sie einem möglicherweise Probleme bereiten können, auch wenn sie vielleicht gut gemeint sind.
| # | English | Deutsch |
|---|---|---|
| 1. | Looks aren't everything (Self-Confidence) | Das Aussehen ist nicht alles (Selbstvertrauen) |
| 2. | Money does not grow on trees. Rich people are criminals (Money Issues) | Geld wächst nicht auf Bäumen. Reiche Menschen sind Kriminelle (Geldprobleme) |
| 3. | You are fat (Body Image Issues) | Du bist dick (Probleme mit dem Körperbild) |
| 4. | You are stupid (Think of yourself, you are stupid) | Du bist dumm (Man fühlt sich dumm in der eigenen Wahrnehmung) |
Im frühen Kindesalter, bis zu einem Alter von etwa sechs Jahren ist das Gehirn völlig offen, auch Schwamm-Modus genannt. In dieser Zeit wird alles aufgenommen, ohne Bewertung und das bildet danach die Grundlage für alle Wertvorstellungen im Leben. Willentlich und bewusst können später Änderungen zustande kommen, aber sie müssen erarbeitet werden. Es ist also nötig zu erkennen, was einen zurückhält oder falsch ist, dann muss man sich darüber klar werden, was an neuen Erkenntnissen, neuen Wertvorstellungen und neuen Konzepten aufgespielt werden soll. Mit diesen muss in der Folge gearbeitet werden. Mit dem Erlangen von entsprechenden Erfahrungen prägen sich so auch im fortgeschritteneren Alter noch neue Wertvorstellungen und Abläufe ein.
Im Video sagt Natalie Ledwell auch, dass es eben nicht nur Aussagen sind, sondern effektiv erlebte Ereignisse, die einen auch prägen. Wenn einem etwa Dinge vorenthalten werden, die den Geschwistern oder / und Freunden erlaubt wurden. Oder wenn die jüngeren Geschwister Dinge früher tun dürfen als man selbst. Wenn man ohne echten Grund verzichten muss. In diesem Alter gibt es dafür keine Erklärung, die einem beim Verständnis helfen könnte und noch dazu ist es so, dass einen das möglicherweise das ganze Leben kleinhält oder nach unten zieht.
Mir wurde etwa ziemlich früh beigebracht, dass es sinnlos sei, für die eigenen Interessen und Forderungen andere Menschen auf Trab zu halten. Das ärgere diese nur und man stehe schlussendlich alleine da. Irgendwann beginnt man aber zu sehen, dass die Leute, die frech und vorlaut auftreten und sich nicht scheuen, auch hoch gestellte Menschen mit ihren Anliegen zu beschäftigen, längst nicht nur auf Ärger und Zurückweisung stossen, sondern eher weiter kommen als die, die sich eher still verhalten und den ganzen Tag so das tun, was sie halt tun sollten. Die Erkenntnis, dass die Realität eine andere ist, als das was in der frühen Prägung in einem drin verankert ist, bedeutet nicht, dass man alles umkrempeln oder gar ins Gegenteil verdrehen muss. Es ist nicht so, dass man am weitesten kommt, wenn man allen anderen mit seinem Zeug möglichst auf die Nerven geht. Aber es hilft, wenn man sich nicht selbst klein macht, sich nicht ohne weiteres klein machen lässt, seine eigenen Interessen vertritt und damit nicht hinter dem Berg bleibt. Aus einer offensichtlich nur beschränkt tauglichen Prägung sollte also die Wahrheit herausdestilliert werden und die Sache so lange verfeinert, bis die sogenannt gesunde Mischung vorliegt.
Natalie Ledwell erwähnt auch einige Vorgänge in der Meinungsbildung (06:25 min).
| # | English | Deutsch |
|---|---|---|
| 1. | That's right, I can't be wealthy because rich people are crooks | Es ist richtig, dass ich nicht wohlhabend sein kann, da reiche Menschen Gauner sind. |
| 2. | That's right, I can't do anything right because I'm stupid. | Es ist richtig, dass ich nichts richtig tun kann, weil ich dumm bin. |
| 3. | That's right, I can't be fit and healthy because I've always been fat | Es ist richtig, dass ich nicht in guter Form und gesund sein kann, weil ich stets dick war. |
Dabei stützt man sich nicht selten auf alte Dogmen, die nicht hinterfragt wurden aber trotzdem substantiell zur Wahrnehmung beitragen. Noch dazu wird bei jeder Interaktion mit diesen Dogmen, diese weiter gestärkt. Man hat einen Wunsch, versucht ihn in die Tat umzusetzen, scheitert und dann kommt neben der Bestrafung dafür von aussen noch eine innere dazu. Genau das wurde auch im weltbekannten Buch I'm OK - You're OK. A Practical Guide to Transactional Analysis (1963) [7] des amerikanischen Psychiaters Thomas Anthony Harris (1910-1995) [8] beschrieben. Deutscher Titel: Ich bin o.k. - Du bist o.k.: Wie wir uns selbst besser verstehen und unsere Einstellung zu anderen verändern können - Eine Einführung in die Transaktionsanalyse. Nach heutigem Stand mag dieses Buch etwas rauh und wenig entwickelt anmuten, seit den 1960ern ist viel geschehen in der psychiatrischen Forschung. Aber das dreigeteilte Modell für den menschlichen Verstand finde ich noch heute sehr gut und anschaulich, gerade für Laien wie mich. Es besteht aus innerem Kind, Elternteil und Erwachsenen. Das Kind ist die Instanz, die Träume und Wünsche hat, der Elternteil ist der, der die elterliche Prägung vertritt und beim Scheitern die Bestrafung übernimmt. Diesen wenig Nutzen bringenden Dialog zwischen innerem Kind und Elternteil kann man abschwächen, indem man den inneren Erwachsenen stärkt. Also den Teil in einem, der durch eigene Erfahrungen, Wissen und Fähigkeiten aufgebaut wird. Dieser hat die Möglichkeit, sowohl die beiden anderen Teile zuzulassen, aber auch sie in die Schranken zu weisen, wenn sie es zu bunt treiben.
[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Brian_Tracy
https://de.wikipedia.org/wiki/Brian_Tracy
[2] Persönlichkeitsentwicklung 006 - 21 Tipps aus einem "Erfolgsratgeber". , 25. April 2017 https://steemit.com/deutsch/@saamychristen/persoenlichkeitsentwicklung-006-21-tipps-aus-einem-erfolgsratgeber
[3] The 21 Success Secrets of Self-Made Millionaires: How to Achieve Financial Independence Faster and Easier Than You Ever Thought Possible. Brian Tracy, 2001
[4] https://www.youtube.com/user/BrianTracySpeaker/videos
[5] http://www.mindmovies.com
Mind Movies YouTube Kanal: https://www.youtube.com/user/MindMovies/videos
Natalie Ledwell YouTube Kanal: https://www.youtube.com/channel/UC9XZ_a8dQONHySkjE251N9w/videos
[6] Visualization Techniques: How to Overcome Limiting Beliefs Holding You Back. Natalie Ledwell YouTube Kanal, 2012
[7] https://en.wikipedia.org/wiki/I'm_OK_-_You're_OK
I'm OK - You're OK. A Practical Guide to Transactional Analysis. Thomas Anthony Harris, 1963, Harper & Row https://www.amazon.com/dp/B0006BYUNQ/ref=cm_sw_r_tw_dp_U_x_oCpgBbJZ2VCYJ
[8] https://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_Anthony_Harris
https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Anthony_Harris
[9] Ich bin o.k. - Du bist o.k.: Wie wir uns selbst besser verstehen und unsere Einstellung zu anderen verändern können - Eine Einführung in die Transaktionsanalyse. Thomas Anthony Harris, 1976, Rowohlt Taschenbuch Verlag https://www.amazon.de/dp/3499169169/ref=cm_sw_r_tw_dp_U_x_cEpgBb702GKQA
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