Ein letzter Wunsch
Ich saß in meinem U-Boot und betrachtete das umliegende Meer durch ein Periskop. In der Nähe entdeckte ich ein Schiff, auf dem sich gefährliche Räuber tummelten. Gut, dass ich noch rechtzeitig untergetaucht war, denn ich hatte nicht vor, meine letzten ersparten Münztaler mit ihnen zu teilen. Meine Katze Tapsi strich mir um die Beine. »Die Luft ist rein«, flüsterte ich einige Minuten später und kraulte ihre Ohren. Ich konnte gar nicht glauben, dass wir bereits ein Jahr unterwegs waren. Gedankenversunken schwelgte ich in Erinnerungen.
Ich war ein alter Mann und wollte die letzten Jahre meines Lebens abenteuerlich auskosten. So fing ich vor einiger Zeit an, das wahrscheinlich kleinste U-Boot der Welt in meiner Garage zu bauen. Es war ein großer Traum, den Ozean auf eigene Faust zu erkunden. Ursprünglich wollte ich diese Reise zusammen mit meiner Frau erleben, aber sie verstarb kurz vor unserem Start. Lange Zeit hatte ich überlegt, ob es so gut wäre, Tapsi mitzunehmen, aber ich wollte sie nicht in ein Tierheim bringen, nur, damit ich meine Abenteuerlust stillen konnte. Außer Tapsi hatte ich niemanden mehr.
Mein lang ersehnter Wunsch war es, das Korallendreieck von Indonesien zu besuchen. Und heute war endlich der große Tag gekommen, Seeräuber hin oder her. Vorsichtig presste ich meine Nase an ein Bullauge und blickte in das strahlend blaue Wasser.
»Miau!« Tapsi schnüffelte an einer offenen Vorratskiste. »Hast du etwa Hunger?«, fragte ich und klappte den Deckel der Holzkiste auf. »Leider muss ich dich enttäuschen, das war der letzte Fisch. Gut, dass dort vorne gleich eine Insel ist, vielleicht finden wir etwas leckeres für dich.«
Langsam näherten wir uns dem Ufer. Mein U-Boot war so klein, dass ich es überall perfekt ankern konnte. Wie wundervoll, sich mal wieder die Beine an Land zu vertreten und den warmen, weichen Sand unter den Füßen zu spüren. Ich öffnete eine Halskette, in der ein Foto meiner verstorbenen Frau eingeklebt war und hielt sie in die Luft. »Siehst du, wie schön der Strand ist, Liebling? Hier wollten wir immer hin!« Nie im Leben hätte ich gedacht, noch soviel von der Welt sehen zu können. Tapsi kam an meine Seite gesprungen. »Schau nur, es ist hellichter Tag und wir können bereits in die Sterne sehen. Was sich dort draußen wohl alles verbirgt?«
Plötzlich kam mir eine Idee. Ich wollte mein Periskop erweitern. Es wäre doch toll, die Grenzen des Meeres zu sprengen und nachts vom U-Boot aus zusätzlich andere Galaxien zu erforschen. »Was hältst du davon Tapsi?«, fragte ich meine Katze, die gerade dabei war, einige Inselkrabben mit ihren Pfoten zu inspizieren. Als eine der Krabben zuschnappte, fauchte sie und sträubte ihr Nackenhaar. Ich schmunzelte. Soviel wie Tapsi erlebte keine andere Katze auf der Welt. Sie war erst drei Jahre alt und hatte bestimmt mehr gesehen als der eine oder andere Mensch, der in seinen gewohnten vier Wänden hockte. Erstaunlich war, dass sie trotz der vielen Freiheiten nie auf den Gedanken kam, sich aus dem Staub zu machen.
Langsam streichelte ich ihren Rücken. »Ich weiß noch, wie ich dich bei unserer ersten Ankerung im U-Boot gelassen hatte, um die Landschaft zu erkunden. Damals hast du deine Krallen an der Luke so wund gekratzt, dass sie fast verschwunden waren. Seitdem habe ich dich jedes Mal mit nach draußen mitgenommen, du bist immer in meiner Nähe geblieben, bei den sicheren Vorräten.« Tapsi schaute mich zufrieden an, als wenn sie auch froh darüber wäre, sich nicht darum sorgen zu müssen, wie sie eine Krabbe auseinandernehmen sollte.
Mit einem Werkzeugkoffer hockte ich mich ins U-Boot und schraubte wie ein besessener am Periskop. Wenige Sonnenuntergänge später hatte ich es geschafft. Ich testete meine neue Erfindung und taufte sie »Peritelkop«. Tapsi machte es sich auf meinem Schoß gemütlich. »Du wirst es nicht glauben, aber ich sehe zum ersten Mal den Pferdekopfnebel, eine wunderschöne Nebelgalaxie!« Neugierig stupste Tapsi das Peritelkop an.
Aufeinmal bewegten sich mehrere kleine Schatten auf die Erde zu. Waren es Asteroiden? Schnell schraubte ich an der Linse. Nach wenigen Minuten rückten einige Raumschiffe an. Weit gefehlt von Asteroiden! Erschrocken tauchte ich mit meinem U-Boot unter und sah, wie die Raumschiffe mehrere Inselbewohner mit Lichtstrahlen einsaugten. Als sie wieder ins Weltall verschwanden, nutzte ich den Teleskopmodus, um ihre Flugbahn zu verfolgen und alamierte die Raumfahrbehörde.
Wenige Wochen später bekam ich einen Orden für meine Erfindung verliehen. Ein Suchtrupp wurde ins Weltall geschickt, um die Raumschiffe aufzuspüren und um weitere Bewohner unserer Erde vor dem Schlimmeren zu bewahren. Denn wer weiß, ob sie noch mal wiederkehren würden.
Unverhofft verschlechterte sich mein gesundheitlicher Zustand, sodass ich ins Krankenhaus kam. Meine Katze hockte neben mir und schleckte traurig mit ihrer rosanen Zunge über mein Gesicht, so als wenn sie mich fragen würde, was sie jetzt ohne mich anfangen solle. Mit letzter Kraft äußerte ich zur Krankenschwester einen Wunsch: »Bitte sorgen Sie dafür, dass Tapsi bei der nächsten Weltraummission dabeisein darf. Aber sie ist keine typische Hauskatze und will gefordert werden. Geben Sie ihr unbedingt einen eigenen Raumanzug, denn sie wird sich nicht nur im Raumschiff begnügen wollen.«
- Neben meinem "Weg zum Autor" schreibe ich Kurzgeschichten, die ich mir aus zufällig generierten, bzw. von euch vorgeschlagenen Wörtern, ausdenke
- Wer Lust hat, kann mir hierfür gern neue Wörter vorschlagen. Diese werde ich in der Reihenfolge, wie sie genannt wurden, in den nächsten Geschichten verwenden
- Bitte pro Leser nur einen Vorschlag (Substantive)
Ich freu mich auf eure Ideen!
(Foto: Von mir aufgenommen)