Ich bin ja ein Fan des 'Sharing Economy' - Gedankens und des geldlosen Tausches von Waren und Dienstleistungen.
Bei uns in Bonn gibt da schon einmal eine ziemlich coole Sache:
Über das ganze Stadtgebiet verteilt stehen hier insgesamt 12 öffentliche Bücherschränke.
Man kann dort Bücher, die man nicht mehr benötigt oder von denen man möchte, dass auch andere sie lesen, hineinstellen. Teilweise legen die Leute auch Zeitschriften, Hörspiel- oder Musik-CDs und sogar Gesellschaftsspiele in die Bücherschränke.
Jeder, der daran Interesse hat, kann sich im Gegenzug einfach etwas herausnehmen. Das Ganze läuft dabei anonym und unbürokratisch ab: Ob man die Bücher behält, später zurückbringt, tauscht oder nicht, bleibt jedem Nutzer selbst überlassen.
Das Ganze geht zurück auf einen Ideenwettwerb der Bürgerstiftung Bonn im Jahr 2002. Dort hatte die Mainzer Innenarchitektur-Studentin Trixi Royeck ihren Vorschlag für den "Offenen Bücherschrank" eingereicht. Die Idee kam ihr, nachdem ihr Freund ihr in Mainz einen im Elektrokasten versteckten Bücherschrank gezeigt hatte.
Sie war sofort so sehr davon begeistert, dass sie daraus eine Semesterarbeit machte. Damit wollte sie die Bücherschränke aus dem Schattendasein holen und "als Knotenpunkte im städtischen Leben" etablieren. Sie sollten "die Bürger aus ihrem Alltagstrott reißen" und "miteinander ins Gespräch kommen" lassen. [Aus "Ihre Geschichte für den Bücherschrank"]
Einer der schönsten Bonner Bücherschränke befindet sich rechtsrheinisch im Stadtteil Beuel. Dort kann man die Bücher auch gleich in entspannter Atmosphäre und mit Blick auf den Rhein lesen.
Ich selbst habe schon öfters Bücher mitgenommen, aber im Gegenzug auch immer wieder welche hineingestellt. Einige besonders interessante Bücher habe ich auch mit einer Bookcrossing-ID versehen. Dadurch kann ich teilweise den Weg des Buches weiter verfolgen.
Besonders von sich Reden gemacht hat dieser Bücherschrank, als vor etwa zwei Jahren eine Rentnerin ihre gesamten Ersparnisse in Höhe von 10.000 Euro, die sie in einem vegetarischen Kochbuch versteckt hatte, versehntlich dort hineingelegt hat. Leider ist das Geld nicht wieder aufgetaucht.
Mittlerweile ist das Konzept von zahlreichen deutschen Städten, aber auch von Städten in Österreich und der Schweiz übernommen worden.
Dabei gibt es neben der ursprünglichen Version eines wetterfesten Stahlschrankes auch zahlreiche Varianten, wie zB. ausgemusterte Telefonzellen, umgebaute Wohn- und Bauwagen, eine begehbare Litfaßsäule und Bücherbäume. In Hamburg gibt es sogar rollende Bücherregale in Linienbussen.
Die "Offenen Bücherschränke" werden oft ehrenamtlich von den Anwohnern betreut. Dies klappt, trotz einiger Negativbeispiele, bei uns in Bonn ziemlich gut.
Eine Übersicht aller Bücherschränke in Deutschland, Österreich und der Schweiz befindet sich zB. auf wikipedia:
Bücherschränke_in_DeutschlandBücherschränke_in_Österreich
Bücherschränke_in_der_Schweiz
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