Alle Jahre wieder wird ein neuer Diättrend erschaffen, der als die absolut beste Methode zum Abnehmen ernannt wird. Während in den 90en Fett noch verteufelt wurde, ist der Trend der heutigen Zeit Low Carb, in dem Kohlenhydrate als der Feind für einen schlanken Körper gesehen wird.
Doch ist das wirklich so?
Was ist Low Carb?
Die Nahrung, die wir zu uns nehmen besteht aus den Makronährstoffen Kohlenhydrate, Proteine und Fetten. Bei Low Carb als Ernährungsform wird dabei der Kohlehydratanteil der Nahrung limitiert. Diese Limitierung kann in verschiedenen Ausprägungen erfolgen. In der moderaten Variante können dabei durchaus 100-150g oder ca. 20%-30% Kohlenhydrate täglich zugenommen werden. Die strengste Form von Low Carb ist die ketogene Ernährung, wo der Kohlehydratanteil bei ca. 5% des Tagesbedarfs betragen darf. Der Proteinanteil bei Low Carb sollte relativ hoch sein und ca. 1,8-2,5g/kg Körpergewicht betragen. Durch die Limitierung der Kohlenhydrate sollte allerdings mehr Nahrungsfett zugeführt werden. Auch ist ein hoher Ballaststoffanteil wichtig, da es sonst zu Verdauungsproblemen kommen kann.
So funktioniert Low Carb
Eines der größten Vorteile von Low Carb ist ein anfangs relative schneller Gewichtsverlust. Doch warum ist der Verlust bei Low Carb größer ales bei anderen Ernährungsformen?
Kohlenhydrate die über die Nahrung zugeführt werden, werden vom Körper in Form von Glykogen in Muskeln und Leber gespeichert. Das Glykogen wird als Energielieferant bei intensiven körperlichen Aktivitäten verbraucht. Bei Sportlern und aktiven Personen passiert das schneller, bei viel sitzenden Personen dauert es deutlich länger bis die Glykogenspeicher aufgebraucht sind. Wird nun der Kohlenhydratanteil reduziert, werden diese Speicher nicht vollständig wieder befüllt. Aber ein weiterer Effekt, der dabei zum Tragen kommt, ist die Eigenschaft, dass Glykogen auch Wasser an sich bindet. Durch den Abbau der Glykogenspeicher und dem Verlust von Wasser kommt es dann bei Low Carb-Diäten zu einem anfänglich sehr starken Gewichtsverlust.
Warum soll überhaupt diätet werden? Sinn und Zweck hinter Diäten ist es ja schlanker und definierter zu werden sowie das ein oder andere Fettpölsterchen loszuwerden. Ist also ein reiner Gewichtsverlust das Ziel? Nein, denn es soll ja Fett abgebaut werden. Dem zu Folge ist es auch trügerisch zu glauben, das Low Carb die beste Diätform mit den besten Resultaten ist. Fett baut der Körper immer dann ab, wenn weniger Energie über Nahrung zugeführt wird, als er Energie benötigt. Also ist ein Kaloriendefizit erforderlich. Ob dieses Defizit jetzt mit Low Carb, Low Fat oder irgendeiner anderen Diätform erzielt wird, ist vollkommen nebensächlich.
Studienlage Low Carb vs. Low Fat
In einer Studie von Foster et al sind Low Carb Diäten und Low Fat Diäten in einem Zeitraum vom zwei Jahren verglichen worden. Ergebnis dieser Studie war, das nach zwei Jahren kein Unterschied zwischen dem Gewichtsverlust von Low Carb und Low Fat Diäten bestand.
Gute vs. schlechte Fette
Einer der positiven Effekte der Low Carb-Welle ist, dass Fette weitaus weniger verteufelt wurden als noch vor einigen Jahren. Gerade 'gesunde' Fette (Omega-3 und Omega-6) werden als wichtig und gesundheitsfördernd angesehen. Hier sollte aber festgehalten werden, dass es keine guten oder schlechte Fette gibt. Gesättigte Fetten wurden in der Vergangenheit viele schlechte Eigenschaften zugesagt und für hohe Cholesterinwerte verantwortlich gemacht. Forschungsergebnisse der letzten Zeit zeigen aber, dass dem nicht so ist. Gesättigte Fette sind nicht schlecht und auch obwohl diese Fette nicht die selben Effekte wie ungesättigte Fette aufweisen, sind Lebensmittel mit gesättigten Fetten doch auch ein wichtiger Lieferant für andere essentielle Nährstoffe, wie Proteine oder Calcium.
Dämonisierung Kohlenhydrate genauso falsch
Kohlenhydrate sind keines Wegs ein Dickmacher. Kohlenhydrate haben keine magischen Effekte die dick machen, die andere Nährstoffe nicht haben. Sie haben genauso ihren Platz in einer ausgewogenen Ernährung. Und gerade für Sportler sind sie wichtig, da ihrer Leistung zum größten Teil von der Energie aus Kohlenhydraten abhängt. Sie sind ein wichtiger Energielieferant, ohne ausreichende Kohlenhydratzufuhr keine Leistung. Menschen mit wenig aktiven Lebensstill kommen möglicherweise besser mit Low Carb zurecht, da diese keinen vergleichbaren Energiebedarf wie Sportler haben. Kohlenhydrate werden für intensive Aktivitäten als Energielieferanten benötigt, bei leichten Aktivitäten ist das Fett. Von Low Carb können Personen mit sitzender Tätigkeit eher profitieren als sehr aktive Menschen.
Ist also Low Carb jetzt schlecht?
Auch das kann nicht so festgehalten werden. Es hängst letztendlich von der einzelnen Person ab, welche Diätform befolgt wird. Wichtig ist immer, die Diätform zu wählen die auch am besten befolgt werden kann. Die beste Diät nützt nichts, wenn diese nicht eingehalten wetrden kann. Dem einen fällt das mit Low Carb einfacher, dem anderen vielleicht besser mit Low Fat. Die beste Diät immer noch die, die auch langfristig durchgeführt werden kann.
Letztendlich ist für den Diäterfolg immer ein Energiedefizit entscheidend. Dabei ist die Diätform primär nicht entscheidend. Low Carb ist demnach keiner anderen Diätform überlegen.