Liebe Steemianer,
hinter Türchen 3 versteckt sich ein Bild des Briefbombers Franz Fuchs, der (vermutlich als Einzeltäter, so sagt man) für die schlimmste Terrorserie Österreichs verantwortlich war und wegen vierfachen Mord, x-fachem Mordversuchs und zahlreichen Körperverletzungen schuldig gesprochen wurde. Heute vor genau 25 Jahren, am 3.12. 1993 wurden seine ersten Opfer durch explodierende Briefbomben verletzt.
Franz Fuchs vor Gericht Quelle
Wer diese haarsträubende Geschichte nicht kennt, hier eine Kurzfassung:
-3. Dezember 1993: In Hartberg (Steiermark) detoniert die erste Briefbombe und verletzt Pfarrer August Janisch. In der Minderheitenredaktion im Wiener ORF-Zentrum wird Redakteurin Silvana Meixner durch eine Briefbombe verletzt.
-4. Dezember 1993: In der Caritas-Zentrale in Wien wird eine Briefbombe an den damaligen Präsidenten Helmut Schüller rechtzeitig entdeckt.
-5. Dezember 1993: Eine Briefbombe verstümmelt die linke Hand des damaligen Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk. Weitere Briefbomben an einen Slowenischen Kulturverein in Bad Radkersburg und an die Grün-Politikerin Madeleine Petrovic werden rechtzeitig entdeckt.
-6. Dezember 1993: Weitere Sprengsätze werden entdeckt, einer für die grüne Migrationssprecherin Terezija Stoisits, einer an die damalige Frauenministerin Johanna Dohnal und einer an eine "ARGE Ausländerbeschäftigung" der Wiener Wirtschaftskammer, alle rechtzeitig. Viertes Terroropfer wird eine Sekretärin in einer Wiener Anwaltskanzlei.
-24. August 1994: Bei einer Schule in Klagenfurt wird eine fünf Kilo schwere Bombe entdeckt. Polizisten bringen den Sprengsatz in einem Streifenwagen (!) zum Flughafen (um sie dort auf eigene Faust zu durchleuchten) - sie detoniert, der 40-jährige Beamte Theo Kelz verliert beide Unterarme, seine beiden Kollegen werden ebenfalls verletzt. Theo Kelz wurden später zwei neue Hände transplantiert, mit denen er dann wieder um die Welt Motorrad fahren konnte.
-4. Oktober 1994: Neue Briefbomben werden rechtzeitig abgefangen.
-6. Oktober 1994: An den Abt des Stifts Wilten in Tirol wird eine Briefbombe geschickt und entschärft.
-4. Februar 1995: An einer Wegkreuzung in der Nähe einer Roma-Siedlung in Oberwart explodiert - vermutlich kurz vor Mitternacht - eine Sprengfalle und tötet vier junge Roma. Auch eine Tafel mit der Aufschrift „Roma zurück nach Indien“ wird gefunden. Sie war offenbar so angebracht worden, dass ein Entfernen der Tafel den Zünder ausgelöst hatte.
Die Tafel, mit der die Opfer von Oberwart angelockt wurden Quelle
-6. Februar 1995: Auf einem Altpapiersammelplatz in der kroatisch-burgenländischen Gemeinde Stinatz explodiert ein Sprengkörper und verletzt einen Mitarbeiter des Umweltdienstes Burgenland.
-9. Juni 1995: In der Redaktion des TV-Senders Pro 7 in München explodiert eine Briefbombe und verletzt eine Mitarbeiterin der Moderatorin Arabella Kiesbauer. In Linz wird die Betreiberin eines Partnervermittlungsbüros durch eine Briefbombe verletzt.
-13. Juni 1995: In der norddeutschen Stadt Lübeck trifft die dritte Briefbombe dieser Serie ein. Der SPD-Geschäftsführer im Rathaus, Thomas Rother, wird verletzt.
-16. Oktober 1995: Der aus Syrien stammende Gemeindearzt von Stronsdorf (Niederösterreich) wird durch eine Briefbombe verletzt. In Poysdorf wird Flüchtlingshelferin Maria Loley verletzt. In Mistelbach entgeht ein aus Südkorea stammendes Arztehepaar knapp einem Briefbombenanschlag.
-11. Dezember 1995: Sechs Tage vor der Nationalratswahl detonieren in einem Postkasten in Graz zwei von vier Briefbomben. Adressaten der Sendungen: das Flüchtlingshochkommissariat UNHCR, eine in Wien lebende indische Familie, eine Partnervermittlungsagentur mit Postfach in Güns (Ungarn) sowie Angela Resetarits, die Mutter des Kabarettisten Lukas, des Sängers Willi („Ostbahn Kurti“) und des ORF-Redakteurs Peter Resetarits.
-9. Dezember 1996: Eine Briefbombe an die Stiefmutter des damaligen Innenministers Caspar Einem, die Schriftstellerin Lotte Ingrisch, wird rechtzeitig entschärft.
-1. Oktober 1997: Der 48-jährige Franz Fuchs wird in seinem Heimatort Gralla südlich von Graz am Steuer seines Autos von der Gendarmerie kontrolliert, nachdem sich zwei Frauen verfolgt gefühlt hatten. Er glaubt sich überführt und zündet eine Bombe, die ihm beide Hände zerfetzt.
-2. Februar 1999: In Graz beginnt der sechswöchige Strafprozess gegen Fuchs, in dem der Angeklagte jede Aussage verweigert. Stattdessen schreit er in einem fort lautstark Parolen wie: „Es lebe die BBA!“, "Minderheitenprivilegien, nein danke!", "Deutschfeindlicher Rassismus, nein danke!" oder „Reinrassige Tschuschenregierung - nein danke!“ und wird von der Verhandlung ausgeschlossen. Psychiater Reinhard Haller bescheinigt ihm eine schwere Persönlichkeitsstörung.
-10. März 1999: Franz Fuchs wird in sämtlichen Anklagepunkten schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt.
-26. Februar 2000: Franz Fuchs begeht in der Justizanstalt Karlau Selbstmord.
-Seither wurden nie wieder Aktivitäten der "Bajuwarischen Befreiungsarmee" registriert.
Viele Fragen bleiben ungelöst. Zum Beispiel die, wie Franz Fuchs als Einzeltäter, der auf einem Bauerhof aufwuchs (und angeblich einen IQ von 139 hatte), dieses weit über die Schulbildung hinausgehende historische Wissen und auch genaue Kenntnisse über die Ermittlungen gegen ihn und andere Polizeiinterna hatte (laut Kriminalpsychologen Thomas Müller war jedoch alles öffentlich zugänglich (persönliche Mitteilung)). Franz Fuchs behauptete bis zuletzt, er sei nur ein kleines Mitglied einer Organisation gewesen - der Bombenbauer, und dass andere die zum Teil dutzende Seiten langen Bekennerschreiben und Pamphlete eines "Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg" im Auftrag der "Bajuwarischen Befreiungsarmee" verfasst hätten.
Wie hatte er sich in seiner Zelle erhängen können ohne Hände (er hatte sich immer geweigert, die für ihn gefertigten Handprothesen zu tragen)?
Selbst Michael Sika, damals Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, meinte nach dem Prozess in einem Interview "Ich halte es natürlich für möglich, dass er zumindest Teil-Mitwisser hat."
Alle Ermittleungen zu weiteren Tätern wurden eingestellt (interessante Parellele zum Entführer Natascha Kampuschs, Wolfgang Priklopil, dessen angeblicher Selbstmord ebenfalls bezweifelt wird).
mehr dazu:
https://steiermark.orf.at/news/stories/2617411/
https://www.profil.at/home/franz-fuchs-mythos-realitaet-369482