Liebe Steemianer,
eher zufällig hat es uns diese Woche nach Deutschlandsberg in der Steiermark verschlagen - ein guter Grund, die dortige Burg und dessen archäologisches Museum Archeo Norico zu besuchen. Die Burg wurde 1153 erstmals urkundlich erwähnt, als Burggraf wurde Friedrich von Lonsperch genannt, von dessen Name sich auch die Bezeichnung Deutschlandsberg ableitet (hat also nichts mit Deutschland zu tun). Das "deutsch" wurde erst im 19.Jhd vorangestellt, um Verwechslungen mit dem im heutigen Slowenien gelegenen Windisch-Landsberg vorzubeugen. Die Einheimischen sagen heute noch Lonsperch zu ihrem Ort!
Das Wetter war leider nicht besonders, die Wälder ringsum waren nebelverhangen und düster, was natürlich auch seinen Reiz hat.
Begrüßt wird der erstaunte Besucher von einer Bronzeplastik des Künstlers Hortensia Fussy (geb. 1954), "Karyatide", aus 1979.
Der Burgraben kann heutzutage bequem mit einer Brücke überwunden werden.
Das Museum beinhaltet ca. 5000 Exponate aus Urzeit und Frühzeit, aber auch aus dem Mittelalter bis hin zum 19.Jhd. mit umfangreichen Beschreibungen - weit mehr als wir uns ansehen konnten!
Ein Höhlenbärschädel aus der Umgebung, ca. 30000 bis 40000 Jahre alt.
Der Keltenzeit (ca. 800 v.Chr. bis 1.Jhd. v.Chr.) war eine eigene Austellung gewidmet, mit zahlreichen Objekten und vielen Schautafeln.
Doppelfingerring aus Gold mit Onyxeinlage aus dem 3./4.Jhd. n. Chr., vermutlich römischen Ursprungs.
Ein aufwendig geschnitzte Bildstock, vermutlich aus Tirol, aus dem 13.Jhd., der die Unterwelt oder das Jüngste Gericht darstellt. Die Fabelwesen, dämonische Mächte und Fratzen symbolisieren den Kampf zwischen Gut und Böse.
Schmelztiegel - ein Wort, das heute nur mehr im übertragenen Sinn verwendet wird. Hier ein Schmelztiegel aus ca. 1850, der benutzt wurde, um eine Rohglasmasse aufzuschmelzen. Er besteht aus feuerfestem Schamotteton.
Was wäre ein Burgmuseum ohne Folterkeller? Bei der Enthauptung mittels Richtblock mußte sich der Delinquent hinknien und den Kopf auf den Holzblock legen, damit der Henker seinem grausigen Gewerbe nachgehen konnte. Links hinten ein Richtschwert. Richtblock, Richtschwert, Hinrichtung. Der Beruf Richter hat eine ziemlich unrühmliche Vergangenheit. Findet Ihr das richtig?
Während ein Richtblock nicht zum Foltern benutzt wurde (höchsten als Drohung, also eine psychische Folter), war die Ketzergabel tatsächlich ein Folterinstrument. Sie wurde mit einem Lederriemen möglichst straff um den Hals, zwischen Kinn und Brust geklemmt, sodaß sich die scharfen Zacken mit der zunehmenden Ermüdung des Gefolterten sukzessive in sein Fleisch bohrten.
Highlight für mich war eine Replik des sogenannten Kultwagens von Strettweg, dessen Original sich im Archäologiemuseum Schloss Eggenberg befindet. Dieses Objekt stammt aus dem 7.Jhd. vor Chr. und ist weltweit einzigartig. Es scheint eine Prozession darzustellen, mit mehreren Figuren und einer riesigen Frauengestalt in der Mitte (eine Göttin?), die eine Schale trägt. Nach wie vor rätselt man über die Funktion dieses kunsthandwerklichen Meisterwerks aus der Eisenzeit. ( meinte dazu: "Ganz klar - Ein Kugelgrill")
Detail:
Noch mal ein Blick von der Burg auf den Ort Deutschlandsberg. Wie man sieht, wird auch Wein angebaut, unter anderem der säuerliche Schilcher, der aus der roten Rebsorte Blauer Wildbacher gewonnen wird. Schilcher, weil er hellrot schillert.
!steemitworldmap 46.813238 lat 15.196726 long Burg Deutschlandsberg d3scr