Liebe Steemianer,
Entgegen jeder ökonomischen Vernunft und den Gesetzen der Physik soll Deutschland weiter mit Windrädern und Solar zugekleistert werden.
So beginnt Prof. Dr. Ing. Hans-Günter Appel´s schonungslose Abrechnung mit den Folgen der Energiewende, die die Deutschen auszubaden haben.
Das Problem mit Wind und Solar:
Jede Grünstromanlage muss durch ein konventionelles Kraftwerk gleicher Leistung gestützt werden, das einspringt, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, da ansonsten die Versorgungssicherheit nicht gegeben ist.
Grundsätzliches
Deutschland braucht eine elektrische Leistung zwischen 45.000 und 85.000 Megawatt (MW). Der Leistungsbedarf ist während des Tages am höchsten und sinkt in den Nachtstunden und an den Wochenenden.
Zur Deckung des Leistungsbedarfs haben wir (noch) die konventionellen Kraftwerke, also die Kern-, Kohle- und Gaskraftwerke mit einer installierten Leistung von ca. 100.000 MW (s. Abb.).
Die Kraftwerksleistung muss größer sein als die Spitzenleistung im Netz, da immer einige Kraftwerke in Revision sind und andere Kraftwerke mit Teilleistung fahren, um das Netz stabil zu halten. Bei größerer Nachfrage erhöhen sie ihre Leistung, bei geringerer Nachfrage wird die Leistung entsprechend gedrosselt.
Nach einer politischen Entscheidung sollen die Kernkraftwerke in den nächsten Jahren stillgelegt werden und durch Kohle- und Gaskraftwerke ersetzt werden. Der Bau der neuen Kraftwerke ist aber ins Stocken geraten. Mit dem Abschalten der Kernkraftwerke droht eine Versorgungslücke. Die Stromversorgung wird akut weiter gefährdet durch die Forderung grüner Ideologen, auch noch intakte Kohlekraftwerke abzuschalten.
Kosten der konventionellen Stromerzeugung
Mit konventionellen Kraftwerken steht Strom jederzeit in der gewünschten Menge zur Verfügung, wenn der Brennstoff (fossile Energieträger) in ausreichender Menge vorgehalten wird. Strom aus den konventionellen Kraftwerken ist nicht nur gut planbar, sondern aufgrund der jahrzehntelangen kontinuierlichen Entwicklung (und langfristiger Lieferverträge) auch am preiswertesten.
Die relativ günstigsten Kraftwerke sind die Kern- und Braunkohlekraftwerke mit Produktionskosten von ca. 3 Cent/kWh (1). Steinkohlenkraftwerke produzieren den Strom für ca. 5 Cent/kWh. Gasturbinen erzeugen den Strom für ca. 8 Cent/kWh. Gas- und Dampfkraftwerke (GuD) für 6–7 Cent/kWh (die heißen Abgase der Gasturbine werden hier zur Dampferzeugung für eine nachgeschaltete Dampfturbine genutzt).
Kosten der Grünstrom-Erzeugung
Politisch wird seit rund 20 Jahren die Stromversorgung aus Sonne, Wind und Biomasse vorangetrieben. Dieser „grüne“ Strom muss nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) in das Stromnetz - gesetzlich erzwungen und daher marktwirtschaftswidrig - eingespeist werden, egal ob er gebraucht wird oder überschüssig ist.
Die nach dem EEG gezahlte Einspeisevergütung ist lukrativ. Sie wird dem Erzeuger für 20 Jahre gewährt. Unter diesen Bedingungen sind in den letzten beiden Jahrzehnten rund 30.000 Windgeneratoren mit einer installierten Leistung von 50.000 MW gebaut worden, sowie 1,5 Millionen Solaranlagen mit einer installierten Leistung von gleichfalls 50.000 MW und 9.500 Biogasanlagen mit einer installierten Leistung von 7.000 MW. Der Energiebedarf, diese Millionen an "Grün"Anlagen zu errichten, darf auch nicht vernachlässigt werden - er entspricht rund 200 Mrd kWh Primärenergie, vorwiegend in Form von Kohle oder Öl. Das sind 20 Mio Tonnen fossiler Brennstoffe.
Die durchschnittliche Einspeisevergütung für den „grünen“ Strom betrug im letzten Jahr 15 Cent/kWh! Somit ist Grünstrom im Schnitt 3x so teuer wie Strom aus fossilen Energieträgern.
Insgesamt sind über 200.000 MW installiert, trotz Bedarf an max. 85.000 MW. Quelle
Der Haken dabei
Nach diesen Zahlen müssten die Wind- und Solaranlagen die konventionellen Kraftwerke ersetzen können, allerdings zu dreimal so hohen Kosten. Doch das ist ein großer Irrtum. Strom liefern diese Anlagen nur, wenn Wind weht und die Sonne scheint.
Verringert sich etwa die Windgeschwindigkeit auf die Hälfte, fällt die Leistung auf ein Achtel ab. Andere, nämlich konventionelle Kraftwerke müssen immer bereitstehen, um die Schwankungen aufzufangen.
Die Erzeugung des Wind- und Solarstroms ist nicht planbar und liegt deutlich unter der installierten Leistung. Im Jahresmittel erreichen Windgeneratoren an Land etwa 20% und Solaranlagen nur ca. 10% der installierten Leistung.
Während die konventionellen Kraftwerke Ihre installierte Leistung auch ganzjährig erbringen, erreichen die Wind- und Solaranlagen mit der installierten Leistung von 100.000 MW real nur eine mittlere Jahresleistung von 15.000 MW! Das wird von den Medien und Politikern gerne verschwiegen. Stattdessen wird geplant, die derzeitigen Anlagen zu verdreifachen auf 45.000 MW mittlere Jahresleistung, um so unter Einschluss des Biomasse-Stroms einen Grünstromanteil von 80 Prozent an der deutschen Stromversorgung zu erreichen.
Doch schon heute haben die Grünstromanlagen bei Starkwind und Sonnenschein eine Leistung, die immer häufiger den Bedarf übersteigt. Es müssen dann Anlagen abgeschaltet werden, oder der teuer eingespeiste Strom wird als Abfall unter Zuzahlung (negative Börsenpreise) über die Börse entsorgt. Denn zuviel Strom würde die Netze überlasten.
Bei einer Verdreifachung der installierten Leistung wird diese Situation fast täglich auftreten und den Strompreis weit mehr als verdoppeln.
Grünstrom-Dumping macht uns alle ärmer
Der Wert des "Grün"stroms ist deutlich geringer als der jederzeit sicher lieferbare Strom aus den konventionellen Kraftwerken, da er nur dann, wenn die Wetterbedingungen entsprechend sind, anfällt, aber dann im Übermass, das dann gar nicht verbraucht werden kann. Er muss also weit unter der Höhe der Einspeisevergütungen verkauft werden.
Durch den Verkauf von Grünstrom zu Dumpingpreisen geraten die meisten konventionellen Kraftwerke in die Verlustzone, weil sie in die Dumpingpreise einsteigen müssen. Nur die Grünstromerzeuger haben keine Probleme, denn nur sie erhalten weiterhin die lukrativen Einspeisevergütungen.
Die Dumpingkosten des Grünstroms muss nach dem EEG der Stromverbraucher tragen mit immer weiter wachsenden Strompreisen. Grünstrom-Dumping trifft also die konventionellen Kraftwerke und die Stromverbraucher und damit die gesamte Volkswirtschaft. Wir werden alle ärmer (auf Kosten einiger weniger Profiteure).
Lösung Pumpspeicherwerke?
Um überschüssigen Grünstrom zu verwerten, gibt es derzeit vermehrt Planungen für Pumpspeicherwerke (z.B. Nethe in NRW), doch der Strom aus diesen würde sicher mehr als 1€/kWh kosten, wenn man alle Kosten berücksichtigen würde:
Zunächst wird an der Börse der Strompreis bei einem Überangebot durch Wind- oder Solarstrom gedrückt (bezahlt wird dieser Strom über das EEG, mit den bekannten exorbitant hohen EEG-Einspeisungstarifen).
Dieser somit künstlich an der Börse verbilligte Strom wird nun genutzt, Wasser den Berg hinauf zu pumpen. Bei Flaute und/oder Dunkelheit wird nun daraus Strom gemacht (unter Reibungs-, Übertragungsverlusten und mit Zusatzkosten für die Speicherung) und an den Endkunden abgegeben, der den Strom also 2x bezahlt, einmal über die EEG-Umlage und dann noch mal, wenn er als Verbrauchsstrom aus dem Pumpspeicherstrom über seinen Zähler läuft. Die Vollkosten, um elektrische Energie in einem Pumpspeicherkraftwerk nur für einen Tag zu speichern, liegen allein bei 3 bis 5 Cent/kWh (2).
Querschnitt durch ein Pumpspeicherwerk Quelle, gemeinfrei
Für die nächsten Jahrzehnte sind solche Speicher mit Sicherheit nicht wirtschaftlich!
Anlagekosten
Die gesteuerten Medien geben gerne Jubelmeldungen aus, was an Grünstromleistung alles schon installiert ist und immer noch wird. Neben der geringen effektiven Leistung wird auch über die dadurch steigenden Strompreise nur andeutungsweise berichtet und sogar in Aussicht gestellt, mit mehr Grünstromanlagen werde der Strompreis sinken. Dies ist technisch nicht möglich, denn die installierte Leistung bestimmt, was die Investition in Stromerzeugungsanlagen kostet. Als Faustregel gilt: für eine installierte Leistung von 1 Megawatt muss 1 Million Euro investiert werden.
In Deutschland wurde also neben den konventionellen Kraftwerken, die 100 Milliarden Euro gekostet haben, nochmals die gleiche Summe für den Bau von Grünstromanlagen aufgewendet, die aber nur 15% zur Stromerzeugung beitragen können. Nur durch interventionistisch verordnete, wettbewerbsverzerrende Finanzhilfen, den lukrativen EEG-Vergütungen, können die Anlagen betrieben werden.
Nach Auslaufen der Vergütungsfrist und der Abschreibungen wird Grünstrom billiger. Aber der Wert des nicht planbaren Grünstroms bleibt auch dann noch deutlich unter den Erzeugungskosten. Die Anlagen müssen daher nach Auslaufen der Förderung stillgesetzt und verschrottet werden!
Fazit: Schluss mit der Energiewende
Die Umstellung der Stromversorgung auf regenerative Energien entpuppt als ein über zwanzig Jahre laufendes gescheitertes und weiterhin scheiterndes Experiment. Kein Ziel wurde und kann erreicht werden. Die Strompreise steigen, die Versorgungssicherheit sinkt, CO2 Emissionen wurden nicht verringert. Die Umwelt wurde stark geschädigt durch Windgeneratoren, die Fledermäuse und Vögel erschlagen. Einige Arten sind dadurch stark gefährdet.
Landschaftlicher Alptraum: Windpark bei Husum, Schleswig-Holstein Quelle dpa picture-alliance/Daniel Reinhardt
Die Verspiegelung der Landschaft durch Photovoltaik ist ein wachsendes Problem.
Quelle
Monokulturen mit Energiepflanzen wie Mais (für Biogasanlagen) zerstören die Landschaft und den Lebensraum vieler Tiere.
Es hat sich gezeigt, dass der wetterabhängige Grünstrom nur in ein intaktes Stromnetz eingespeist werden kann, das ausreichend Regelkraftwerke hat, die die schnell wechselnden Grünstromleistungen ausgleichen. Der maximale Grünstromanteil, den ein Netz verkraften kann, ist bereits erreicht.
Es ist daher dringend geboten, sofort die wettbewerbsverzerrenden Förderungen von Wind-, Bio- und Solarstrom zu stoppen, um weiter steigende Strompreise zu vermeiden und die Stabilität des Stromnetzes zu gewährleisten. Stattdessen sollten mehr Anstrengungen unternommen werden, um beim Stromverbrauch einzusparen, hier ist noch viel Potential vorhanden (Stichwort Lichtverschmutzung).
Ich will nicht wie ein Befürworter der fossilen Brennstoffe rüberkommen, aber so, wie die erneuerbaren Energien in Deutschland gefördert werden, indem ein paar Windparkbetreiber und Anlagenbauer sich eine goldene Nase verdient haben (z.B. hat ein Windradbauer geschafft, ein Vermögen von 7,5 Mrd€ anzuhäufen) und ALLE anderen verlieren, sollte es nicht weitergehen.
(1) Für Kernkraftwerke gilt das mMn NICHT, da die Gesamtkosten inkl. Endlagerstätten und adäquater Risikoversicherung in der Preisberechnung gar nicht enthalten sein können.
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Pumpspeicherkraftwerk
zum Artikel:
https://www.mmnews.de/wirtschaft/99098-das-maerchen-vom-gruenstrom
mehr Info:
http://naeb.info/