Liebe Steemianer,
bekanntlich stellt es die Energieversorger vor umso größere Probleme, je wetterabhängiger die Stromproduktion ist, denn abrupte Schwankungen zu Spitzenproduktionszeiten (z.B. die Auswirkung von plötzlichen Sommergewittern auf Photovoltaikanlagen) sind der Feind jeder stabilen Spannung.
Hier könnt Ihr die Netzfrequenz in Deutschland in Echtzeit verfolgen: DIese soll im ganzen Verbund (bzw. im gesamten europäischen Verbundnetz) genau 50Hz (Herz) betragen. Ist die Netzfrequenz niedriger als 50Hz, dann wird mehr Strom verbraucht als die Kraftwerke erzeugen. Liegt die Netzfrequenz über 50Hz, dann wird mehr eingespeist als verbraucht (es gibt ein Überangebot an Strom). Die Grafik zeigt auch, ab welchen Abweichungen welche Maßnahmen ergriffen werden.
https://www.netzfrequenz.info/aktuelle-netzfrequenz-full
Die die obige Ansicht nur einen snapshot darstellt, gibt es auch eine Häufigkeitsverteilung der Frequenzen vom Vortag, die schön zeigt, in welchem Bereich sich die Netzfrequenz bewegt hat:
https://www.netzfrequenz.info/histogramm-vortag
Hier seht Ihr, wie die Regelleistung in Echtzeit justiert wird, um die Netzfrequenz zu stabilisieren, also die Energie, die eingesetzt werden muss, um die Regeldifferenz auszugleichen. Da je nach aktueller Gesamtlast verschiedene Energiemengen nötig sind, um eine bestimmte Frequenzänderung zu erreichen, wird aus der Gesamtlast der letzten Tage ein Wert genommen, der zur jeweiligen Tageszeit passt.
https://www.netzfrequenz.info/regelleistung.
Warum ich das alles erwähne? Weil die Wahrscheinlichkeit von größeren Abweichungen laut dieses Artikels steigt und Euch diese Grafiken ein bißchen auf die Thematik vorbereiten sollten.
- Feiertage (kaum Industriestrombedarf) mit gutem Wetter (viel Solarstromproduktion) stellen die Energieversorger und Netzbetreiber vor Herausforderungen
- Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion warnte mit höchster Dringlichkeit die regionalen Verteiler in seinem Bereich, über diese kritischen Tage unbedingt cos φ (ein Parameter zur Blindleistung) einzuhalten.
- Blindleistungen sind (im Gegensatz zu den Wirkleistungen, die effektiv eine Arbeit verrichten) wirkungslose Energiemengen, die zwischen Generator und Verbraucher hin und her pendeln und die Leitungen belasten. Es kommt darauf an, möglichst viel Wirkleistung und so wenig Blindleistung wie möglich zu erzeugen. Durch Verschieben des Phasenwinkels in Kraftwerken, also eine gezielte Erzeugung von kompensatorischer Blindleistung, kann man die Netzfrequenz stabilisieren und den Lastfluss steuern (Quelle).
- Photovoltaikanlagen können aber keine kompensatorische Blindleistung erzeugen, ältere Windradgeneratoren ebenfalls nicht, bei einigen neueren soll das gehen – aber natürlich nur, wenn der Wind weht.
- Der Generator der Kernkraftwerkes Biblis Block A, das Merkel in einer Hauruckaktion abgeschaltet hatte, wurde bis vor kurzem noch als Phasenschieber zur Blindleistungskompensation im süddeutschen Raum eingesetzt (Quelle), doch Ende 2018 wurde auch dieser netzstützende Phasenschieberbetrieb beendet.
- Je mehr dieser alten Kraftwerke stillgelegt werden, desto größer werden die Probleme mit der Blindleistung. Jetzt müssen bereits die Regionalversorger improvisieren, damit noch vorläufig die Stromversorgung aufrecht erhalten werden kann. Es werden neue Blindleistungskompensatoren zu Millionenkosten gebaut, doch das System wird immer anfälliger - und der Strompreis teurer.
Ich kann allen, die bis hierher gelesen haben, nur dringend raten, sich auf Stromausfälle vorzubereiten!
Z.B. findet sich hier eine Checkliste mit Dingen, die Ihr brauchen werdet bei einem Blackout, das länger als 24h dauert.
mehr zum Thema:
https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/lichtblicke-kolumnen/wacklige-energieversorgung/