Liebe Steemianer,
kennt noch jemand Pokémon Go? Dieses location-based augmented reality game war vor einiger Zeit extrem beliebt und jeder versuchte, Pokémons auf der Strasse oder an bestimmten Plätzen zu sammeln und dann gegeneinander kämpfen zu lassen.
Geon ist nichts anderes, aber es ist blockchain-basiert (POA, das ist so weit ich es verstanden habe eine Side-Chain zu Ethereum) und statt den Fabelwesen werden hier Geon Coins (die In-App Currency zu Geon) gesammelt. Grund genug, das mal auszuprobieren. Da in deutsch auf Steem wenig dazu zu lesen ist, hier ein kleiner Bericht.
https://www.stateofthedapps.com/dapps/geon-app
Für die Installation ist nur die Angabe einer Telefonnummer und einer Emailadresse nötig. In wenigen Sekunden ist man bereit zum Geominen! Der Nachteil ist die fehlende Sicherheit, es gibt keine 2 Faktor-Authentifizierung oder dergleichen.
In der Kartenansicht der Geon App (die sehr gefällig ist) sieht man sofort, wo die Geons lokalisiert sind, hier am Beispiel Innere Stadt, Wien.
Manche tragen auch den Titel "viewpoint" oder "picknic spot" und sind an den entsprechenden Orten zu finden. Gar nicht wenige in Wien, aber auch in kleinern Stadten ist die Geon-Dichte erfreulich hoch.
Was sind Geons?
Geons sind AR (augmented reality) Objekte, eine Art Schatztruhen, die irgendwohin platziert werden können von Firmen, aber auch Privatpersonen. Es gibt angeblich weltweit schon 1,5 Millionen davon. Die Geon App erlaubt es den Usern, Geons in der Umgebung zu finden und dann einen Prozess zu starten, der "Geomining" genannt wird und bei dem dann pro location eine mehr oder weniger große Anzahl an Geon Coins (GCs) in die Wallet der App wandert, nach dem Prinzip PoL ("Proof of Location"). Das Geomining basiert auf smart contracts und erfordert ausser PoL und bestimmten anderen Bedingungen (die der Geon-Ersteller zuvor festgelegt hatte, siehe später) keinen Rechenaufwand. Bei den 4 Geons, die ich bislang abgeklappert hatte, waren es je 10 GCs, das mining dauerte jeweils 30 Sekunden (falls es abbricht, weil man außerhalb der Reichweite des Geon gelangt, kann man später fortsetzen, sowie man wieder in dessen Reichweite kommt).
Hier wird gerade ein Geon gemined
Danach sieht man die Änderung in der Wallet:
Man kann, solange man in der Geon-Reichweite ist, einen Kommentar (geolocation comment) hinterlassen (z.B. wie einem der Ort gefällt, eine Bewertung im Fall eines Lokals, etc.)
Zusätzlich gibt es auch Coins fürs tägliche Nutzen der DApp (ähnlich wie bei Partiko, aber in Form einer Lotterie, wo man dann 1 bis 10 GCs erhält).
In der App gibt es auch GCs zu kaufen, 100 GCs kosten (Stand 2.Jun 2019) zwischen 1,79€ und 1,4€, je nachdem wieviele man kauft.
Geons selbst erzeugen
Man kann auch Geons selbst erstellen. Es gibt zwei Arten von Geons, solche die GCs enthalten und solche mit einer geheimen Nachricht (das kann ein Link zu einem anderen Ort sein, ein Geschenkcode oder sonstetwas). Man wählt einen beliebigen Ort auf der Karte aus, gibt dem Geon einen Namen (optional auch eine Beschreibung), bestimmt, wieviel Geon Coins pro Minute gemined werden, nur zu bestimmten Tageszeiten, mit oder ohne Ablaufdateum, Passwort und andere Optionen. Man kann auch den Radius bestimmen (von 5 bis 250m), innerhalb dessen erfolgreiches Mining möglich ist. Nutzer berichteten vereinzelt von Problemen beim Finden der Geons, sodass man hier besser nicht zu restriktiv sein sollte.
Bei den Geons, in denen GCs versteckt sind, kann man aber nie mehr minen lassen, als man selbst dafür ausgibt. Testhalber habe ich einen Geon erzeugt, der einen Geon Coin pro Minute abwirft. Ich vermute, dass der Geon nach einem Mal dann erschöpft ist (da ich nur 1 GC dafür ausgegeben habe), ausprobieren kann ich es nicht, da man selbst erzeugte Geons nicht minen kann.
Bei der zweiten Möglichkeit muss man keine GCs ausgeben, die Erstellung ist wie oben, aber statt anzugeben, wieviele GCs gemined werden können, gibt man die geheime Botschaft ein. Insgesamt dauert das Erstellen eines Geons keine Minute.
Interessant ist das z.B. für Firmen, die so Kunden in ihre Geschäfte locken oder sonst eine Interaktion (Rabatte, etc) stimulieren können. Man könnte auch für einen Freund einen Geon machen und ihm vorher das Passwort verraten, sodass nur er an der bestimmten Stelle die GCs minen kann - eine etwas bizarre Methode, Geld zu übertragen, aber zumindest originell, inbesondere, wenn die Orte auch entsprechend ausgewählt sind oder wenn man in einem ersten Geon nur den Ort und/oder das Passwort für einen zweiten Geon verrät - eigentlich ideal für digitales geocaching!
Laut Betreibern ist das ganze so skalierbar, dass weltweit hunderttausende Transaktionen pro Sekunde getätigt werden können (Quelle). Davon ist aber die DApp noch weit entfernt bei derzeit rund 570 Nutzern täglich. Da mutet es etwas sehr optimistisch an, wenn Geon schreibt: "Create a Geon, fill it up with GeonCoins and wait for the clients to come flooding into your shop" (Quelle).
Immerhin, Geon hat auf stateofthedapps mittlerweile Platz 4, in der Kategorie Games ist es sogar Nr. 1, noch vor Steemmonsters und #nextcolony!
Was kann man mit den Geon Coins (GCs) machen?
- Man kann damit Geons bestücken, damit andere dort GCs minen können (es gibt auch stattliche, monatlich vergebene Preise, wer die meisten Geons mined und wessen Geons von den meisten Usern gemined werden, erster Platz ist 5000 GCs)
- Es gibt einen In-App Store, in dem man die GCs einlösen kann:
Für 1130 GCs kann man sich eine 10$-Paypal Gutschrift kaufen, oder für 760 GCs eine 5$ Steam Gutschrift, es gibt auch Netflix-Vouchers und Hotel-Discounts zu erwerben.
Klarerweise wäre es ein Verlustgeschäft, zuerst GCs zu kaufen und dann im Shop auszugeben (einen Spread zw. Kauf und Verkauf gibt es ja überall), aber wenn eventuell gerade 100 GCs fehlen, dann rechnet es sich trotzdem.
Fazit:
Das Ganze ist noch ziemlich in den Anfängen, aber das Potential ist durchaus vorhanden! Dass der In-App Store schon funktioniert, ist bemerkenswert. Bei den meisten Projekten erhält man ja einstweilen völlig wertlose Coins (z.B. Snax, Karma oder Trybe).
Übrigens, eine ICO für Geon ist geplant, wurde aber verschoben. Die GCs sind nur die In-app Currency, aber sind selbst nicht an einer Börse handelbar. Die Geon Tokens dagegen sollen ERC20-kompatibel und dazu verwendbar sein, GCs zu kaufen und Ermässigungen bei der Umwandlung von GCs in Fiat oder für Zusatzfeatures zu erhalten. Ich könnte mir gut vorstellen, dass diese ICO, wenn sie dann mal stattfindet, eine höhere Aufmerksamkeit findet und eine nähere Betrachtung wert ist. Man sollte auf jeden Fall die Nutzerzahlen im Auge behalten.
Wer es ausprobieren mag, hier geht es zur DApp:
https://geon.page.link/hkRB
Mehr Infos:
https://www.geon.network/
White Paper
https://decenter.org/en/geon-review