Liebe Steemianer,
was bisher geschah:
Teil 1 – die Römer
Teil 2 – die Entstehung einer Stadt
Hoch- und Spätmittelalter
Kaum wurde die Ungarnherrschaft beendet 955 n.Chr, zerfiel das ostfränkische Reich und ging im „Heiligen Römischen Reich auf (2). Die Babenberger errichteten 976 n. Chr. die Markgrafschaft Ostarrichi (erste Erwähnung dieses Namens, aus dem sich Österreich ableitet). Wien wurde im Jahr 991 als Burgsiedlung ausgebaut. Im 11. Jahrhundert war Wien bereits ein wichtiger Handelsort nahe an der Grenze zu Ungarn.
Wien um 1000 Quelle
Im Jahr 1155 machte der Babenberger Heinrich II ("Jasomirgott") Wien zu seiner Hauptstadt (er war Markgraf von Österreich und Herzog von Bayern). Im Jahre 1156 wurde Ostarrichi mit dem Privilegium Minus von einer Markgrafschaft zum Herzogtum erhoben („upgegradet“) mit Wien als Herzogssitz. Aus dieser Zeit stammt die erste Wiener Stadtmauer (die „Burgmauer“ (3)) durch Instandsetzung der römischen Lagermauern (die nie komplett zerstört gewesen waren, sondern immer wieder neu benutzt worden, wodurch die Straßen und Häuser des frühmittelalterlichen Wien bis heute noch dem Verlauf der römischen Lagers entsprechen, z.B. die Biegung der Naglergasse entspricht exakt der Südwestecke der Legionslagers).
Naglergasse heute, Südwestecke des ehem. Römerlagers Quelle
Diese erste Stadtmauer blieb allerdings nur bis 1200 in Betrieb, als man aus dem enormen Lösegeld (ca. 12 Tonnen Silber!) für den englisch König Richard Löwenherz eine neue, bessere Stadtmauer bauen konnte, die ein dreimal so großes Gebiet umfasste (3) (Richard Löwenherz war ja bekanntlich 1192 bei seiner Rückkehr vom 3. Kreuzzug vor Wien von Markgraf Leopold V. (dem Tugendreichen) gefangen genommen und einigen Monate auf der Burg Dürnstein festgehalten worden).
Diese Stadtmauern bestanden dann (in Teilen) bis ins 19. Jahrhundert! An der U-Bahn-Station Stubentor sind noch heute Reste davon zu sehen.
Stubentor ca. 1850 Quelle
Reste der Stadtmauer beim Stubentor heute Quelle
1221 bekam Wien das Stadtrecht verliehen, was einen massiven Anstieg des Handels mit sich brachte, insbesondere entlang der Donaustraße und nach Venedig.
Im Jahr 1276 litt die Stadt unter mehreren Bränden, bei denen rund zwei Drittel der Stadt abbrannte.
Um 1280 wurde das Fürstenbuch – die erste Geschichte der Stadt Wien – durch Jans den Enikel geschrieben (4). Das Fürstenbuch (das aus 4000 Versen besteht) erwähnt zum ersten Mal die österreichischen Farben rot-weiß-rot und enthält einige interessante Informationen zur Geschichte des „Berghofs“.
1278 nahm Rudolf I. nach einem Sieg über Ottokar II. von Böhmen die österreichischen Länder unter eigene Verwaltung. Damit begann die Herrschaft der Habsburger, doch war Wien lange Zeit im Schatten der Stadt Prag.
Erst Erzherzog Rudolf IV. brachte die Stadt Wien weiter voran. Er gründete die Universität Wien (1365) und ließ den Stephansdom ausbauen (sehr ambitioniert und teuer, zumal Wien noch kein Bischofssitz war). Man nannte ihn daher auch den „Stifter“. 1469 wurde Wien endlich Bischofssitz und damit St. Stephan zur Kathedrale. Zu dieser Zeit gab es ziemlich viele politische und religiöse Wirren (Reformation und Gegenreformation), deren Details ich ausspare.
Wien um 1470 Quelle
1485 wurde übrigens Wien von den Ungarn belagert und eingenommen. 5 Jahre später konnte es zurückgewonnen werden, nachdem der ungarische König Matthias unerwartet gestorben war.
Erste Türkenbelagerung
Diese dauerte vom 27. September bis zum 14. Oktober 1529 (5). Befehlshaber der osmanischen Truppen war Sultan Süleyman I., „der Prächtige“ (unter dem das osmanische Reich seine größte Ausdehnung erreichte). Wien war zu der Zeit Hauptstadt der habsburgischen Erblande und eine der größten Städte Mitteleuropas! Süleymann hatte einen guten Lauf gehabt, bereits Belgrad eingenommen (1521) und die Ungarn vernichtend geschlagen (1526).
Süleyman I. (*ca. 1495 - †1566) Quelle
Nachdem er aus Ungarn einen Vasallenstaat gemacht hatte, zog er im Sept. 1529 nach Wien, mit einer Horde von 20.000 berittenen Plünderern voraus, die den Widerstand der Bevölkerung brechen sollten, indem sie sklavenmachend, vergewaltigend und mordend im Umland ausschwärmten. Die Verteidiger der Stadt konnten etwa 17.000 Soldaten aufbieten (Teile der Truppen waren in Italien gebunden, andere waren zu spät gekommen). Diese waren zwar teilweise nicht schlecht bewaffnet (mit primitiven Vorderladern, Arkebusen genannt), aber den Osmanen, die angeblich 150.000 Mann zählten (davon 80.000 kämpfend) zahlenmäßig weit unterlegen.
Der erste Plan, die Stadtmauer mit den mitgebrachten 300 leichteren Kanonen sturmreif zu schießen, schlug fehl (die schweren Kanonen waren im Schlamm auf dem Weg von Belgrad steckengeblieben). Darauf folgten Versuche zur Unterminierung der Wiener Stadtmauern, um durch unterirdische Sprengstoffexplosionen die Mauern zu beschädigen. Doch die Wiener bekamen Wind von der Sache (durch einen Überläufer) und konnten so die größte Gefahr abwenden. Es kam zu einem regelrechten Tunnelkrieg, in dem sich die besser gepanzerten Verteidiger durchsetzen konnten. Obwohl es den Osmanen gelang, einige Breschen in die Stadtmauer zu sprengen, konnten diese immer wieder durch dichte Formationen aus Pikenieren und Arkebusieren gehalten werden.
Quelle
Die Versorgungslage des riesigen osmanischen Heeres war nach wenigen Wochen bereits schlecht, da der Nachschub durch die völlig aufgeweichten Straßen aufgehalten wurde. Zudem stand der Wintereinbruch bevor, erste Krankheiten machten sich breit im Türkenlager und die Janitscharen begannen, unwillig zu werden. Als ein letzter Großangriff ebenfalls fehlschlug, zogen die Osmanen in der Nacht auf den 15. Oktober ab und ließen alles zurück, was sie beim Rückzug behinderte.
Bei einem zweiten Anlauf Süleymans 1532, Wien zu erobern, waren die Verteidiger besser vorbereitet und konnten die Osmanen schon am Feld, vor einer möglichen Belagerung, schlagen. Danach erhielten die Habsburger durch einen Friedensvertrag 1533 den Westteil Ungarns (das „königliche Ungarn“), der Ostteil blieb osmanisch.
Aber durch die Belagerung war die Notwendigkeit zeitgemäßer Befestigungsanlagen deutlich geworden. Die alte Ringmauer wurde daher zwischen 1531 und 1672 nach und nach durch einen dem damaligen Stand der Festungstechnik entsprechenden Befestigungsgürtel mit Bastionen, Graben und unverbautem Glacis ersetzt (3). Diese Maßnahmen sollten sich 1683 bei der Zweiten Türkenbelagerung bezahlt machen...
Wien um 1609 Quelle
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Wiens
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich
(3) https://www.wien.gv.at/wiki/index.php?title=Stadtbefestigung
(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Jans_der_Enikel
(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Erste_Wiener_T%C3%BCrkenbelagerung