Liebe Steemianer,
war gestern auf einem Tagesausflug an diesen wunderschönen und geschichtsträchtigen Ort in Südböhmen, der nur ca. 60 km nördlich von Linz an einer Fluss-Schleife der Moldau liegt.
Blick vom Schlossturm auf die Altstadt, die seit 1992 UNESCO-Weltkulturerbe ist
Krumau (oder auch Krummau oder Böhmisch Krumau genannt, Český Krumlov in heutiger Landessprache) war schon früh zu Wohlstand gekommen, da es auf einer Route lag, auf der Salz transportiert wurde von den Abbaugebieten in Salzburg (z.B. Hallstatt) hinauf in das salzlose Böhmen. Eine erste Burg wurde 1240 errichtet, von den Witigonen. Die Rosenberger, die teilweise den Witigonen entstammen, übernahmen dann.
Im 15. Jh. kam es nach Silberfunden zu einem Zuzug deutscher Bergleute, so dass im 16. Jh. die deutsche Bevölkerung in Krumau überwog (was bis 1945 so blieb), In dieser Zeit wurde die Obere Burg zu einem Renaissance-Schloss umgebaut mit Fassaden in der damals populären Sgraffito-Technik.
Gleich wenn man vom Parklplatz kommt, wird man verblüfft von der sog. Mantelbrücke, die Teile der Schlossanlage miteinander verbindet und aus dem 15. Jh. stammt (jetziger Zustand ist aus 1777).
Das Schloss Český Krumlov ist (nach der Prager Burg) das zweitgrößte historische Gebäude in Tschechien. Ein Teil davon ist hier links der Moldau zu sehen:
Einer der Innenhöfe, rechts hinten der Schlossturm, von dem man die herrliche Aussicht aus Bild 1 hat:
Detail einer Sgrafitto-Fassade:
Um 1600 war die Silbermine erschöpft und der letzte Rosenberger, Peter Wok von Rosenberg, musste Schloss Krumau wegen Überschuldung an Kaiser Rudolf II. verkaufen. Danach wechselte es öfter den Besitzer, unter anderem die Eggenburger und auch die Schwarzenbergs.
1930 waren 5956 der Einwohner Krumaus deutsch- und 2083 tschechischsprachig.1938 wurde Krumau zu einem Teil des Reichsgaus Oberdonau. 1945 wurde dann die deutschböhmische Bevölkerungsmehrheit vertrieben, das Vermögen der deutschen Ortsbewohner im Rahmen der rechtsstaatlich zweifelhaften sog. Beneš-Dekrete konfisziert und die Bewohner und die (kath. und evang.) Kirche enteignet.
Vom deutschen Einfluss zeugen noch viele Beschilderungen, die aber allesamt im Verfall begriffen sind, so scheint es zumindest.
Vor dem Eingang zum Schloss arbeitet ein Gürtelmacher an einer Schnalle:
Abseits der Touristenströme gibt es Orte, die noch durchaus reovierungsbedürftig sind, aber dennoch eines Charmes nicht entbehren.
Verhungern kann man hier nicht, fast jedes Restaurant liegt entweder direkt an der Moldau oder bietet eine schöne Aussicht. Typisch sind die Liwanzen, eine Art Palatschinken (bzw. Pfannkuchen für Nichtösterreicher).
Im Schlossgarten befindet sich ein Theater, das nicht wie viele andere eine Drehbühne hat, sondern eine Drehtribüne! Die Zuschauer werden hier gedreht statt des Bühnenbildes!
Natürlich gibt es hier auch exzellenten Kaffee zu geniessen.
Ich hoffe, dieser kleine Spaziergang durch Krumau hat Euch gefallen :)