Liebe Steemianer,
im Anschluss an meinen vorigen Beitrag möchte ich die gesammelte Schwarmintelligenz des Steemiversums anzapfen, um eine möglichst vollständige Liste aller Redewendungen im Zusammenhang mit der Ausübung von Schuss- und anderer Waffen zusammenzusammeln!
Spinnt er jetzt - warum ausgerechnet Waffen? Weil das
- ein linguistisch erstaunlich ergiebiges Gebiet ist,
- weil es zeigt, dass der Gebrauch von (Schuss)waffen schon seit alters her gängig war und in unserer Sprache vielfältige Spuren hinterlassen hat, deren Aufdeckung oft sehr unterhaltsam ist. Und zuguterletzt weil es
- vielleicht ein kleiner symbolischer Beitrag gegen die derzeit vorherrschende Hoplophobie ist, wenn man sich vergegenwärtigt, wie selbstverständlich unsere Vorfahren mit dem Thema umgegangen sind und dadurch die Sprache, den „Volksmund“ beeinflusst haben. Heute ist die Sprache der einzige Nachhall des „Kulturgutes“ Waffe in unserer Gesellschaft. Man darf ja nicht vergessen, dass das Tragen von Waffen durch gesetzestreue Bürger bis 1938 auch bei uns im Prinzip erlaubt war und erst Hitler ein restriktives Gesetz erlassen hat, um politische Gegner, Juden und alle ihm Verdächtigen zu entwaffnen und einzuschüchtern (spontane Hausdurchsuchungen bei „Verdacht“ auf illegalen Waffenbesitz). Tja, autoritäre Regimes stört es natürlich, wenn freie Bürger Waffen besitzen dürfen, und die EU ist auf dem besten Weg zu einem solchen. Der Vorwand der Verbrechensbekämpfung ist vorgeschoben und heuchlerisch. In Wahrheit ist die einzige Möglichkeit, einen „bad guy with a gun“ zu stoppen was? Richtig, ein „good guy with a gun“. Aber ich schweife etwas ab...
Woher kommt zum Beispiel das Wort „Spießer“?
Spieße waren im Mittelalter übliche Verteidigungswaffen (wurden ja auch z.B. in der ersten Türkenbelagerung zur Verteidigung Wiens eingesetzt). Als aber die Feuerwaffen zunehmend in Mode gekommen waren, galten diejenigen, die dennoch an ihren Spießen festhielten, irgendwann als rückständig oder engstirnig, eben „Spießer“.
Jemand ist am Drücker: Wer den Teil des Gewehrs kontrolliert, mit dem man abdrückt, der hat natürlich die Kontrolle über die Situation.
Jemand ist (noch) „gut in Schuss“: Das kommt daher, dass Gewehre und Geschütze in der Regel gut eingeschossen werden müssen, um die optimale Treffsicherheit zu erreichen.
Korn
In den beiden Redewendungen „die Flinte ins Korn werfen“ (aufgeben) und „jemanden aufs Korn nehmen“ (jemanden kritisch beobachten), hat „Korn“ eine völlig unterschiedliche Bedeutung, einmal ist steht es für ein Kornfeld, bei der anderen ist das Korn von „Kimme und Korn“ (also eine Zielhilfe an der Schusswaffe) gemeint.
Jemanden im Stich lassen: Die wenigsten sind sich der ursprünglichen Bedeutung bewusst - wenn ein Ritter während eines Turniers oder Kampfes vom Pferd gefallen war, konnte er nicht alleine aufstehen (aufgrund der schweren Rüstung). Wenn seine Kameraden oder Knappen ihm dann nicht zu Hilfe eilten, liessen sie ihn "im Stich", da er den Stichen des Gegners hilflos ausgeliefert war. (Erstmals im 15.Jhd. aufgetaucht).
Viele andere Redewendungen sind relativ einfach abzuleiten.
Also los geht’s:
- die Flinte ins Korn werfen
- jemanden aufs Korn nehmen
- am Drücker sein
- ein Schuss ins Blaue
- gut in Schuss sein
- etwas ist zum schießen
- Wie aus der Pistole geschossen
- 0815
- sein Pulver verschossen haben
- ins Schwarze treffen
- Lunte riechen
Andere Waffen (Blankwaffen, Bogen, etc)
- Spießer, Spießbürger
- den Bogen überspannen
- jemanden im Stich lassen
- hieb- und stichfest
- etwas im Schilde führen
Wer findet noch andere (es fehlen noch einige 😊)? Jede passende neue Redewendung bekommt ein upvote! „Schießt los“!
http://stephenhalbrook.com/law_review_articles/entwaffnung.pdf
https://www.redensarten-index.de/
Pics: https://www.deike-online.de/zielgruppe/jugendliche/7565/die-flinte-ins-korn-werfen
https://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2015/09/07/die-amerikanischen-zustaende/