Liebe Steemianer,
viele wissen es ohnehin: der Verbraucherpreisindex (VPI), der regelmäßig verlautbart wird, grenzt an Betrug. Wer nach Inflation 2017 googelt, erhält z.B diese Liste, die Werte meist unter 2% zeigt:
Das entspricht aber überhaupt nicht der tatsächlichen Inflation, der VPI ist ja nur ein Gradmesser, der nie alles erfassen kann (so wie der IQ nicht die wahre Intelligenz eines Menschen erfassen kann, sondern nur Teilaspekte). Es hat sich bekanntlich der Begriff der "gefühlten Inflation" eingebürgert, der das Unbehagen der Bevölkerung mit den offiziellen Zahlen ausdrückt, es aber gleichzeitig als psychologisches Phänomen abtun will.
In dem WiWo-Artikel wird im Vergleich zum VPI der Vermögenspreisindex FVS angeschaut, der vor allem Immobilien, Autos, Kunstobjekte, etc. beinhaltet. Der FVS steigt seit einigen Jahres wesentlich stärker als der VPI (im Schnitt 7,6% pro Jahr in Deutschland):
Die Geldentwertung findet zum großen Teil nicht bei den Verbrauchsgütern statt, sondern bei den Vermögensgütern, die zu investiven Zwecken gehalten werden.
Geld ist nicht nur ein Tauschmittel, sondern hatte ursprünglich auch die Funktion als (kurz- oder längerfristige) Wertaufbewahrung. Diese letztere ist somit ziemlich verlorengegangen, da die EZB (die Fed machts ähnlich) ihre und Schulden der Mitgliedsstaaten über Anleihenkäufe und andere Instrumente „weginflationieren“ will.
Das von EZB und Notenbanken virtuell erzeugte Geld sucht sich seinen Weg nach dem Prinzip „von fleissig zu reich“, bis es bei den Leuten ankommt, die es letztlich für Immobilien und Luxusartikel ausgeben, deren Preise somit anziehen. Folge: die Schere zwischen arm und reich wird immer größer, denn die hohen Preissteigerungsraten bei Immobilien begünstigen Vermögende und Spekulanten, die in aller Regel schon Immobilien und Kunstobjekte besitzen. Die Menschen , die kaum Vermögen verfügen, können sich sowieso nicht wehren gegen die Inflation und Grundstückserwerb für viele junge Familien wird so nahezu unerschwinglich.
Aber auch der VPI selbst ist irreführend. Beim sogennten „Warenkorb“ wird getrickst, um die Bürger über das tatsächliche Ausmaß der Inflation zu täuschen. So wurden Lebensmittel, deren Preise dramatisch angestiegen sind, im Warenkorb einfach reduziert. Dafür wurde der Anteil von Freizeit und Kultur (wo die billiger gewordenen Fernreisen drin sind) erhöht – als ob viele Mindestrentner, die nach Abzug ihrer Fixkosten alles für Lebensmittel ausgeben müssen, jemals von billigen Fernreisen profitieren würden!
Dazu kommt die sogenannte hedonische Berechnungsmethode zum Einsatz – der "Lustgewinn"! Wenn in 2018 ein Computer 1100€ statt 1000€ kostet, real also 10% teurer, wird in der Inflationsberechnung die Rechnergeschwindigkeit (CPU-Taktung) berücksichtigt, und wenn er davor 3 Ghz hatte und jetzt 4, ist er trotz Preisanstieg trotzdem „billiger“ geworden. Dabei fließen immer nur Produktverbesserungen in die Warenkorbberechnung ein, nicht aber eine Verschlechterung. Zum Beispiel die Flugticketpreise: Viele Billigairlines quetschen die Passagiere auf immer engere Sitze, verringern das Service, erheben kreative Zuschläge bei Gepäck und nehmen Verspätungen auf Grund von Einsparungen bei der Wartung in Kauf. Die Preise trotz weniger Leistungen bleiben aber offiziell gleich, müssten aber bei konsequenter hedonische Rechnung erhöht sein.
Der VPI ist ein Täuschungsinstrument, um die Menschen bei Laune zu halten.
Zuguterletzt: Die Inflationsrate entspricht dem Wachstum der Geldmenge minus dem Wirtschaftswachstum. Wenn man also diese rein volkswirtschaftliche Betrachtungsweise heranzieht, erhält man ebenfalls ganz andere Zahlen:
Warum wollen EZB und Behörden die Inflation nach unten drücken?
Dazu John Maynard Keynes (1883-1946):
Mit dem kontinuierlichen Prozess der Inflation kann der Staat heimlich und unbeachtet einen großen Teil des Reichtums seiner Bürger konfiszieren.
In Österreich ist es übrigens noch schlimmer, das sind einzelne Lebensmittel bis zu 170% teurer als in Deutschland.
Also: Wachsam sein, nicht alles glauben, was an Statistik geliefert wird, und sein Geld sinnvoll anlegen. Ein Anfang wäre schon mal, das genaue Gegenteil von dem zu tun, was Dein Bank-„Berater“ Dir rät, aber das ist eine andere Geschichte...
http://www.inflation.eu/inflation-rates/cpi-inflation-2017.aspx
https://www.focus.de/finanzen/news/preise-irrtum-2-die-hedonische-methode_id_3441914.html
http://www.kleinezeitung.at/wirtschaft/5212011/AK-kritisiert_Einzelne-Lebensmittel-in-Oesterreich-um-bis-zu-170
pics:
https://www.linkedin.com/pulse/20140612202317-69791647-the-swiss-gold-initiative-stop-selling-gold-store-all-gold-in-switzerland-and-back-swiss-franc-with-20-gold
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