Liebe Steemianer,
überraschend wenig ist hier (und anderswo) zu lesen über die Gefahren der 5G Implementierung, des neuen Mobilfunknetzstandards, mit dem sich bis zu 1000 fach höhere Datenvolumina übertragen lassen sollen. Damit einher geht eine ebenfalls zigfach höhere Exposition mit elektromagnetischer Strahlung im Mikrowellenbereich, über deren Langzeitfolgen es keine Daten gibt, aber dessenungeachtet wird die 5G-Umsetzung durchgepeitscht.
Erste 5G Handys wurden in Südkorea schon verkauft Quelle
Mobilfunk-Strahlen
Wie auch in anderen Bereichen (Radio, Fernsehen) werden im Mobilfunk elektromagnetische Wellen für die drahtlose Übertragung von Daten genutzt. Hertz (Hz) ist die Maßeinheit für die Frequenz und gibt die Zahl der Schwingungen der elektromagnetischen Wellen pro Sekunde an. Je höher die benutzte Frequenz, umso mehr Daten können übertragen werden. Zu hoch geht aber nicht, da man dann in einen sehr gesundheitsschädlichen Bereich kommen würde. Alles ab 10 hoch 16 gilt als ionisierende Strahlung (z.B. Röntgenstrahlen). Alles darunter gilt als "nicht ionisierend", d.h. die Energie reicht nicht aus, um die DNA direkt zu beschädigen. Aber das heißt nicht, dass es nicht viele andere biologische Wirkungen gibt. Mikrowellenstrahlen z.B. versetzen Wassermoleküle in Schwingungen. Daraus entsteht Reibungswärme –> die Temperatur im Gewebe steigt (dieser Effekt wird beim Mikrowellenherd eingesetzt). 5G benutzt genau diese Wellen im Mikrowellenbereich.
Das elektromagnetische Spektrum Quelle
Für LTE (4G) sind Bänder von 20 bis 60 MHz in Gebrauch. Für 5G sind - zunächst - die Bereiche zwischen 3,4 und 3,7 GHz vorgesehen. Später sollen auch 22 bis 25 GHz genutzt werden. Hier sieht man die Änderung der erreichten Datenvolumina im zeitlichen Vergleich:
Die Generationenabfolge bei den Funknetzen Quelle
Aber je höher die Frequenz, desto geringer die Reichweite (daher können mit sog. "Langwellen" Radiosendungen fast quer über Kontinente übertragen werden, und mit "UKW" - Ultrakurzwelle kommt man nicht mal über einen Berg). Die Stärke der Felder ist ein 2. wichtiger Parameter und wird in Volt/Meter gemessen. Durch stärkere Felder ließe sich das Reichweitenproblem theoretisch lösen, aber hier würde auch die Strahlenbelastung steigen. Zum Schutz der Bevölkerung sind für die bisher genutzten Frequenzen zwischen 400 MHz und 3 GHz in den meisten EU-Staaten Grenzwerte von 38 bis 61 V/m vorgeschrieben. Weil Gesundheitsschäden bei geringeren Stärken nicht ausgeschlossen werden können, gilt in Frankreich, Italien, Belgien und der Schweiz für öffentliche Orte und Wohnungen ein 10-fach strengerer Grenzwert (wieso nicht bei uns?).
Die Lösung des Reichweitenproblems über Feldstärkenerhöhung geht wegen der derzeitigen Grenzwerte nicht, die andere Lösung - viel mehr Sendestationen - ist sehr teuer (wurde aber in der Schweiz durchgeführt, dazu später). Billiger wäre es, die Feldstärke zu erhöhen, daher jetzt der Appell der Telekomindustrie, für 5G doch die Grenzwerte zu lockern.
Generell wird die 5G-Abdeckung am Land einfacher sein (da werden 700MHz ausreichen) als in der Stadt, wo tw. sehr hohe Bandbreiten benötigt werden (bis zu 25GHz). Mehr Details darüber, welche Frequenzbänder wie genutzt werden sollen, hier.
Das hartnäckige Gerücht, dass für den 5G-Ausbau bereits Bäume (die tatsächlich den 5G-Empfang stören können) gefällt wurden (z.B. hier oder hier) halte ich aber für einen Mythos, denn dafür ist es noch zu früh. Es ist ja noch nicht einmal klar, welche Firma welche Frequenzen bekommt (die Versteigerung der Linzenzen passiert erst später in 2019), wer sollte da jetzt schon Baumschlägerungen machen?
Verschwörungstheorie? In diesem Fall vermutlich schon Quelle
5G Netze - was ist neu?
Die Frequenzbänder von anfangs 3,4 bis 3,7 Gigahertz, mit denen sich schon recht viele Daten in kurzer Zeit übertragen lassen, sind zwar nicht viel anders als die, die schon bei z.B. WLAN benutzt werden, aber wegen der kürzeren Reichweite braucht 5G (soferne nicht doch noch die Grenzwerte erhöht werden) deutlich mehr Antennen, allein Zehntausend in Österreich (Quelle) - zum Vergleich, in ganz Deutschland gibt es derzeit "nur" 24.000 Sendemasten. Diese Sender sind oft nur schuhkartongroß und könnten auf Haltestellenhäuschen installiert werden, an Litfaßsäulen und Lampenmasten. Dadurch könnten empfindliche Personen ziemlich nahe an die Sender herankommen mit ungewissen Folgen. Es ist auch keine Markierung der Sender geplant, so dass man sie daran erkennen könnte. Warum nicht? Und außerdem steigt durch die Nutzung und Anwendung von Mobilfunk in immer mehr Geräten und Bereichen (Überwachungskameras, Drohnen, selbstfahrende Autos, bis hin zu Wasch- und Kaffeemaschinen (das "Internet der Dinge")) die Anzahl an Strahlungsquellen und die ungewollte, erzwungene Exposition in einem Umfang, der heute noch gar nicht absehbar ist. Und die "hochperformanten" 25 GHz-Bänder würden das nochmal um einen Faktor 10 steigern. Wissenschaftler geben auch explizit an, dass sich ihre Studien zu den alten Frequenzen nicht auf die neuen 5G-Netze übertragen lassen.
Die kürzeren Wellen der 5G-Strahlung dringen zwar nicht so tief in den Körper ein wie die der 2G und 3G Netze (Quelle), sie prallen angeblich sogar an der Haut ab. Das wirft natürlich die Frage auf, ob die Haut anders betroffen ist als bisher. Dazu hat man bisher kaum Studien gemacht (Quelle).
Nicht zu vergessen: Mit dem 5G-Netz wird sich die Strahlung in den Funkzellen anders verteilen. Über das so genannte "Beamforming" werden die Signale von der Sendestation vor allem dorthin geschickt, wo sie benötigt werden, zwecks effektiveren Datentransfers. Die höchste Strahlenbelastung haben also die aktiven Nutzer. Aber: Wie misst man zuverlässig die Strahlenbelastung, wenn sich die auftretende Strahlung je nach Bedarf ständig ändert?
Auch im Kleingedruckten der jetztigen UMTS/LTE Handys heißt es schon: „Halten Sie dieses Smartphone mindestens 1,5 cm vom Körper entfernt. Bei Nichtbeachtung könnte Ihr Smartphone die festgelegten Grenzwerte überschreiten“. Hält sich da irgendjemand daran? Was nützt es, wenn Grenzwerte zwar rechtlich eingehalten werden, aber wegen fehlerhafter Nutzung dann erst recht überschritten werden?
Kritik am 5G-Ausbau kommt insbesonders von einer Gruppe von mehr als 400 Medizinern und Naturwissenschaftlern, die kürzlich diesen Appell veröffentlicht haben, mit dabei auch Ernst-Ulrich von Weizsäcker.
Eine andere Initiative von 29 Wissenschaftlern aus 11 Ländern rund um den schwedischen Onkologen Lennart Hardell, die sich Bioinitiative nennt, meint nach der Analyse von 1000 wissenschaftliche Veröffentlichungen: „Die biologischen Effekte der Mobilfunkstrahlung verhindern, dass der Körper geschädigte DNA heilt und führen zu einer geringeren Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten“ und veröffentlichte 2017 eine Metaanalyse, die darauf hindeutet, dass die elektromagnetische Hochfrequenzstrahlung das Risiko für Hirntumore erhöht (Quelle).
Auch ergab eine Auswertung von 2266 Studien durch eine australische Forschergruppe, dass 68% davon „signifikante biologische oder gesundheitliche Auswirkungen im Zusammenhang mit der Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern“ belegen. Mehrere Studie zeigten eine Reduktion der Spermienqualität bei Männern (vermutlich wegen des thermischen Effektes).
Das Problem dabei: Nicht alles, was bei einer Studie "signifikant" ist, ist auch medizinisch relevant.
Zumindest bei Ratten gilt es mittlerweile als gesichert, dass 2G- und 3G-Strahlung Hirntumore verursacht (Quelle), nicht nur bei hohen Strahlendosen, sondern auch bei alltagsnahen.
Mehrheitlich aber sehen die Studien an Menschen keinen Zusammenhang zwischen Handystrahlung und der Häufigkeit von Krebserkrankungen, z.B. die INTERPHONE-Studie, die Danish-Studie, und die Million-Woman-Study. Zu diesem Urteil kommen sowohl die WHO als auch das Bundesamt für Strahlenschutz (Quelle).
Zwar hatten mittlerweile mehrfach schon Gerichte das häufiges Telefonieren mit dem Handy als mögliche Ursache für das Entstehen eines Gehirntumors anerkannt (Quelle), aber letztlich weiß man heute nicht, wie gefährlich "Handystrahlung" für (junge) Menschen ist und über 5G weiß man mangels Erfahrung noch weniger. Wer einfach behauptet, sie seien harmlos, agiert aber verantwortungslos. Frühestens kann man das in mehreren Jahren beurteilen. Aber wenn dann etwas anderes herauskommt, wäre es schon zu spät (siehe Asbest oder PCB, die beide mittlerweile verboten sind, aber sicher Tausenden Menschen das Leben gekostet haben). Wir alle nehmen daher (wieder einmal) als Probanden an einem gigantischen Experiment teil. Wobei wir, anders als bei klinischen Studien, die Teilnahme nicht verweigern können. Abgesehen von der ethischen Fragwürdigkeit dieser Vorgangsweise ist es auch rechtlich nicht gedeckt. Denn „Die Umweltpolitik der Union beruht auf den Grundsätzen der Vorsorge und Vorbeugung“, heißt es im Artikel 191 des geltenden EU-Vertrags. Demnach sind die Bürger, anders als im US-Recht, grundsätzlich vor Produkten zu schützen, deren Unbedenklichkeit noch nicht erwiesen ist.
Wäre es nach dem Willen der Europäischen Umweltbehörde (EEA) gegangen, würde dieses Prinzip auch auf die Mobilfunktechnik angewandt. Schon 2007 warnte die Behörde vor dem Krebsrisiko. „Angesichts der Millionen von Menschen, die dem ausgesetzt sind, und der Anfälligkeit insbesondere von Kindern, hielten wir es für gerechtfertigt, eine Frühwarnung zu starten“, so David Gee, damals Chefberater der Behörde. Wer hat die EEA overruled?
Die Schweizer Regierung folgt diesem Prinzip aber schon. „Der Bundesrat konnte nicht abwarten, bis die Wissenschaft die gewünschten Antworten liefert“, erklärt das zuständige Bundesamt: „Das Vorsorgeprinzip des Umweltschutzgesetzes verlangt, dass die Belastung grundsätzlich so niedrig sein soll, wie es technisch möglich ist.“ Darum dürfen die Sendemasten in der Schweiz an Orten, wo sich Menschen länger aufhalten, nur ein Zehntel der EU-üblichen Strahlenwerte erzeugen, um „vor allem die Langzeitbelastung niedrig“ zu halten. Durch die geringere Leistung der Antennen musste deren Anzahl erhöht werden, was höhere Preise für die Handy-Nutzer in der Schweiz bewirkt. Die Grenzwerte stehen aber jetzt dem 5G-Ausbau im Weg. Darum drängt die Industrie massiv auf eine Lockerung. Doch das Berner Parlament weigert sich (bis jetzt) und hält am Vorsorgeprinzip fest. Die Position der EU dagegen ist: Die Anwendung des Vorsorgeprinzips auf die Mobilfunktechnologien sei „eine zu drastische Maßnahme“, erklärt der Kabinettschef des amtierenden EU-Gesundheitskommissars Vytenis Andriukaitis. Ein rigoroser Schutz der Bevölkerung ist also zu drastisch! Schlimm, dass so eine Aussage nicht vom Wirtschaftsministerium, sondern vom Gesundheitsministerium kommt!
Zurück zur Titelfrage des Beitrags. Es ist nicht so, dass die Risiken verschwiegen werden, aber die meisten Medien haben pflichtschuldigst genau einen Artikel zu dem Thema gebracht, welches somit abgehakt ist. Ende der Debatte. Warum ist das kein Dauerthema, wie die bösen Dieselfahrzeuge oder der Klimakult? Mögliche Antworten:
1. Es gibt Wichtigeres
Alle Medien sind vollauf damit beschäftigt, auch dank der klimaheiligen Greta, von den Gefahren des menschengemachten CO2 zu warnen . Das CO2, dessen Anteil an der Atmosphäre 0,038% ausmacht, wird nach Schätzungen vom IPCC zu nur 3% von Menschen erzeugt (andere schätzen noch weniger). 97% des CO2 ist in der Atmosphäre als Teil eines natürlichen Kreislaufs. Von diesen 3% ist Deutschland für 3,1% verantwortlich. Somit kann das (noch) führende Industrieland Europas gerade mal 0,093% des CO2 in der Luft beeinflussen, das ist weniger als 1 Promille. Und deswegen werden 20% der Schultage bestreikt? Und was ist mit Feinstaub? Ist der demnächst am Donnerstag dran? Es bleiben bald nicht genug Tage zum Lernen übrig. Wegen 5G wurde noch kein Schulkind gehirngewaschen (höchstens dass man 5G unbedingt braucht für die nächste Generation an VR-Spielen (Unterstufe) und um den Wirtschaftsstandort sicherzustellen (Oberstufe)).
2. Die Lobbies kreieren ihre eigene Regulierungsbehörde
Anders als die IPPC ist die ICNIRP (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection) eine private Vereinigung (rechtlich ein eingetragener Verein) von Wissenschaftlern ohne jeden amtlichen Charakter. Laut ICNIRP ist die einzig bewiesene gesundheitsschädliche Wirkung von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern die Erwärmung des Gewebes. Es drohe erst dann Gefahr, wenn die übertragene Energie mehr als zwei Watt / kg Körpergewicht erreicht. Den Wert legte der Verein schon anno 1998 fest, und darauf beruhen bis heute alle gesetzlichen Grenzwerte zur Sendestärke von Basisstationen und Mobiltelefonen (der SAR(Spezifische Absorptionsrate)-Wert von unter 2W/kg. Mehr über den SAR-Wert hier). Kaum zu glauben, dass sämtliche Studien seither keinerlei Berücksichtigung gefunden haben, ist aber so! Außerdem, es gibt auch nicht-thermische Effekte in lebenden Zellen, auch bei niedrigen Dosen. Die werden komplett außer acht gelassen. Wenn z.B. Photonen nicht im Auge am Molekül Rhodopsin eine Änderung der Konformation hervorrufen würden, könnten wir gar nicht sehen.
Das kann man nur verstehen, wenn man weiß, dass die ICNIRP ihre Mitglieder selbst beruft. Fachleute, die der Meinung sind, es gebe genügend wissenschaftliches Hinweise, um strengere Sicherheitsstandards zu setzen, sind nicht vertreten. So werden abweichende Meinungen einfach ausgeklammert. Ich habe kein Problem damit - jede Branche hat ihre Lobby-Vereine. Seltsam aber, dass das Sekretariat dieser NGO mietfrei direkt im Bundesamt für Strahlenschutz residiert und von der deutschen Bundesregierung 100.000€/Jahr an Förderung erhält. Aber das Allerseltsamste: Weltweit folgen die Gesetzgeber mit ihren Regeln zum Schutz der Bevölkerung vor Hochfrequenzstrahlung genau den Richtlinien der ICNIRP (nur wenige Länder, unter anderem die Schweiz, sind hier wesentlich vorsichtiger), als ob sie eine staatlich anerkannte Behörde und kein Lobby-Verein wäre. Die Tatsache, dass sie von der WHO anerkannt wird, macht sie nicht glaubhafter, sondern eher die WHO weniger glaubhaft.
3. Wirtschaftliche Interessen
Dass die ICNIRP von der deutschen Regierung gefördert wird, lässt vermuten, dass die deutsche Regierung kein Interesse an einer tatsächlich neutralen Bewertung der Risiken hat, und in weiterer Folge, dass auch eine öffentliche Debatte darüber nicht erwünscht ist. Vielleicht weil man sich von der Lizenzversteigerung Mrd. an € erhofft? In Öst. brachte die Versteigerung 188Mio€ Quelle.
Fazit:
Die Auswirkungen der 5G-Implementierung auf die Gesundheit sind zum jetzigen Zeitpunkt völlig unbekannt.
Man kann daher nur versuchen, das Risiko zu minimieren:
• 4G-Handys werden noch hoffentlich lange Zeit gut genug sein
• Das Handy so häufig wie möglich ausschalten
• Vor dem Zubettgehen den Flugmodus einschalten
• Das Handy möglichst weit weg vom Körper tragen (jedenfalls NICHT in der Hosentasche) und telefonieren mit headset!
Quellen:
https://science.orf.at/stories/2901269/
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/mobilfunk-wie-gesundheitsschaedlich-ist-5g-wirklich/23852384.html
https://www.zeit.de/2019/04/mobilfunknetz-5g-datenuebertragung-gesundheitsgefahr-strahlenbelastung
https://www.diagnose-funk.org/publikationen/artikel/detail&newsid=1220
https://www.quarks.de/technik/handystrahlung-wie-gefaehrlich-ist-das-neue-mobilfunknetz-5g/
Tipp: Welchen SAR-Wert hat mein Handy?
PS: Das alles betrifft nur die Auswirkungen auf den Körper. Die vielen beunruhigenden Hinweise, dass intensive Handynutzung (egal welche Frequenz)die Psyche und Lernleistung von Kindern verändert, sind eine andere Geschichte...