Manchmal hält das Leben kurz vor richtungsändernden Momenten eine große Überraschung bereit. Eine Art von Test, der herausfinden soll, ob ein Mensch sich seines neuen Weges bewusst ist und ob er bereit ist, mit den daraus resultierenden Konsequenzen zu leben.
Solche "unwahrscheinlichen" Ereignisse passieren meiner Meinung nach meist in einer Kette von anderen seltenen Ereignissen. Dabei merkt man dann wieder, wie viele Zusammenhänge es doch zwischen weit entfernen Geschehnissen im Universum tatsächlich gibt. Ich für mich habe etwas daraus gelernt und mein Unfall hat daher auch einen positiven Effekt gehabt.
Wenn es im Leben mal holprig wird, ist man vermutlich auf dem richtigen Weg oder gerade dabei, zu ihm zurückzufinden, indem man etwas Wesentliches im eigenen Alltag verändert...
( Da ich es gestern nicht mehr geschafft habe, diesen Post fertig zu machen, aber einen Teil schon geschrieben hatte, bezieht sich hier jedes "heute" auf "gestern" -> Sonntag )
WARNING: The stunts in this post were performed by crazy professionals. Don't try this at home!
Da war doch mal was...
Da träumt meine Freundin genau in der Nacht vor meinem Unfall von einem Menschen, den wir beide zum letzten Mal vor ca. drei Jahren getroffen haben, wo genau dieses letzte Treffen in einem schweren Verkehrsunfall für mich endete.
Weißt du was? Ich habe diese Nacht von Herrn B. geträumt und irgendwie war es ein seltsames Gefühl, wieder daran erinnert zu werden...
Das war es, was sie mir direkt nach dem Aufstehen beim ersten Kaffee heute Morgen erzählte. Wenn ich an den Vorfall vor ein paar Jahren zurückdenke, sehe ich immer noch dieselben Bilder vor mir.
Der Moment, in dem ich bergab bei ca. 30 Km/h auf meinem Fahrrad sitze und mich mit einer schnellen Kopfbewegung versichere, ob mein Schatz noch hinter mir ist oder ich mich etwas gebremster rollen lassen sollte. Den Blick wieder nach vorn gerichtet, war es schon zu spät und der Aufprall auf das plötzlich zwei Meter vor mir stehende Auto war unausweichlich.
Dann dieser eiskalte Flur, in dem ich eine gefühlte Ewigkeit halbnackt auf einer Liege lag, während zahlreiche Schwestern mich anstarrend an mir vorbei liefen. Die einzigen Worte, die ich noch quirlend flüsternd herausbrachte, als der Chefarzt endlich auftauchte, waren: "Kann nicht mehr atmen". Aber ihr wisst ja, wie das ist, wenn eine privatversicherte Omi im Nebenraum ein leichtes Ziehen beim Gehen in ihrem Kniegelenk verspürt. Da muss man als "gewöhnlicher" am Kopf blutender Mensch mit starken Schmerzen, die man nicht atmen möchte, schon mal etwas länger warten. Ein Arzt muss halt auch Prioritäten setzen, nicht wahr...
Außerdem erinnere ich mich natürlich an die unvergesslichen, ersten Wochen danach, in denen ich fast bewegungsunfähig auf dem Rücken im Bett lag und um aufzustehen eine sich über mehrere Minuten erstreckende Rolle zur Seite machen musste. Das Geräusch des Brechreizes, der während dieser Aktion mehrmals in mir auftrat, erinnerte auch noch Leute im Nebenraum daran, dass den Chiller wirklich etwas erwischt haben musste.
Geweckter Zusteller
Heute war es anders, aber auch diesmal gab es keinen Ausweg für mich. Mein Wecker klingelte nicht, denn ich hatte zum ersten Mal vergessen ihn zu stellen, um pünktlich für meinen morgendlichen Sonntagsjob fertig zu sein. Zum Glück war Fräulein Morgenstund' schon wach und hat mich rechtzeitig geweckt.
Als Sonntagszeitungs-Zusteller bin ich an so einem Tag schon in frühen Stunden, per Fahrrad durch die umliegenden Dörfer radelnd, unterwegs, während die meisten Menschen noch gemütlich träumend in ihren warmen Bettchen liegen. Bis auf die feste Zeit mit wenig Spielraum bei diesem Job ist es trotzdem eine super Sache, wenn man auf diese Art zu sportlichen Aktivitäten am Wochenende "gezwungen" wird, die man als Büromensch sonst gerne auch mal ausfallen lassen würde.
Ich fahre schon immer viel Fahrrad und solange die Straßen nicht aus einer einzigen Eisschicht bestehen, ist jedes Wetter nur nebensächlich für mich. Genau wie mit täglichen, kalten Duschen bringt man sein Immunsystem damit recht einfach auf's nächste Level. Richtig krank war ich auf jeden Fall seit ca. 5 Jahren nicht mehr. Nicht einmal eine richtige Erkältung hat es in der Zeit bei mir gegeben.
Ich baue lieber die Abwehrkräfte meines Körpers auf, anstatt mich ständig in eine warme Hülle zu packen, damit ich nicht krank werden kann. Man bleibt auf Dauer nur stark, wenn man das Problem an der Wurzel packt und nicht durch reine Symptombekämpfung unterdrückt. Schau dir die Menschen um dich herum an und sage mir, ob es einen Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Raumtemperatur und der Häufigkeit einer auftretenden Erkältung bei diesen Leuten gibt. Ein Halstuch z.B. kann auch abhängig machen und die Empfindlichkeit gegenüber Kälte erhöhen. Wie vieles im Leben ist es auch hier ein erzeugter Kreislauf, für dessen Existenz wir selbst verantwortlich sind.
Auch für Brillenträger gibt es in den meisten Fällen einen ganz einfachen Weg von der Brille loszukommen und die Sehstärke (durch fünf-minütiges Augentraining täglich) auf natürliche Weise zu normalisieren, aber das ist ein anderes Thema...
Auf Umwegen zum Ziel
Den ersten Teil meiner Tour hatte ich schnell erledigt und ich freute mich nebenbei immer wieder über den seit mehreren Wochen ersten, klaren Himmel an diesem kühlen Morgen ~ Ein super Start in den Tag für mich :)
Ich biege in eine Seitenstraße bei uns im Wohngebiet ein und schon auf den ersten Metern sehe ich auf Entfernung ein Auto mit Scheinwerfern an direkt bei dem einen Haus stehen, wo ich eine Zeitung einstecken muss (festes Abo). Ich fuhr dann auf der rechten Straßenseite weiter und kam dem Ziel immer näher.
Der Autofahrer wollte wohl noch nicht los, wie es aussah, und selbst wenn, dachte ich, kommt er mir ja auf der linken Straßenseite entgegen und der Platz ist mehr als ausreichend für beide von uns. Was dann passierte, war neu für mich und ich muss sagen, ich habe schon einige honkige Aktionen im Straßenverkehr erlebt.
Der Wagen schien mir jetzt langsam entgegen zurollen und ich war schon fast bei dem Haus angekommen. Ich schaute nochmal kurz zu ihm rüber, um mich zu vergewissern, dass er nicht irgendwo vor mir einbiegen möchte, aber er fuhr weiter gerade auf seiner Spur und kam mir jetzt etwas schneller entgegen.
Im nächsten Moment vernahm ich eine unerwartete Bewegung von dem Fahrzeug und der Blick nach links geschah in ähnlicher Zeitlupen-Wahrnehmung, wie ich es beim letzten Mal schon erlebte. Der Typ hat jetzt aber mal echt spontan den Turbo eingelegt und eine 90 Grad Drehung über meine Straßenseite gestartet, dachte ich noch, aber da flog ich schon.
Manche Leute stehen bei Ankunft noch eine Weile mit ihrem Auto auf der Straße und warten auf einen perfekten Moment, um die Auffahrt zu ihrem eigenen Grundstück zu befahren. In diesem Fall war es exakt der Moment, in dem er mich genau von der Seite erwischen konnte. Ob es Zufälle beim Erfahren der "Lektionen des eigenen Lebens" gibt, kann man von mir nicht erfahren. Ich glaube nicht mehr daran.
Diesmal schaffte ich es etwas besser, mich beim Aufprall abzurollen und der Schmerz hielt sich soweit in Grenzen. Am Kopf hat es mich nur leicht erwischt. Ich lag ein paar Sekunden am Boden und hörte die Stimme einer zufällig ebenfalls genau an diesem Ort erscheinenden Frau, die das Ganze beobachtet hatte und ziemlich besorgt um mich war. Bevor sie mich erreichte, um mich aufzusammeln, stand ich aber schon wieder auf den Beinen.
Wenn man in so einer Situation gefragt wird, ob man sich verletzt hat, wird man nie die Wahrheit sagen, denn Schmerzen hat man in so einem Schockzustand nur wenig. Ich hielt meine rechte Schulter und sagte etwas wie: "Alles ok! Habe nur leichte Schmerzen hier."
Sie bot mir noch an, mich zum Krankenhaus zu fahren, aber das brauchte ich nach eigener Einschätzung ja nicht. Der ältere Herr, der mich angefahren hatte, hielt sich mit Panik eher zurück. So einer der Sorte: "Das habe ich gar nicht gesehen. Ich bin ihnen volle Kante in die Seite gefahren, aber das kommt halt mal vor mein Jung." Eine Visitenkarte für Rücksprache bezüglich Reparaturkosten habe ich aber ohne Nachfrage sofort erhalten.
Und jetzt?
Mein Fahrrad ist durch... Habe noch nie so eine Acht im Rad gesehen und das Vorderrad lässt sich kein Stück mehr bewegen. Bin dann zu Fuß mit dem Rad im Arm nach Hause gegangen, um die restlichen Zeitungen mit dem Bike von meiner Freundin zu verteilen. So leicht hält man mich nicht auf. Habe das tatsächlich alles noch erledigt, aber inzwischen frage ich mich, wie ich das überhaupt gemacht habe.
Da muss der Schockzustand entweder noch eine Stunde aktiv gewesen sein oder die Schwellungen waren noch nicht so ausgeprägt und daher habe ich nichts gespürt. Inzwischen kann ich gar nicht mehr auftreten und brauche 1-2 Minuten, um mir einen Kaffee aus der Küche zu holen (nur Abholung, Raum nebenan)... Bei Betrachtung meines rechten Fußes wird sofort klar, woran das liegen könnte. Der ist in den Stunden danach noch ziemlich heftig angeschwollen.
Meinen rechten Arm kann ich nur noch zu 30% heben, wirkt entzündet im vorderen Schulterbereich, aber das ist wahrscheinlich in einer Woche wieder in Ordnung. Muss mir jetzt erstmal ein bisschen Ruhe gönnen, denn obwohl ich hier sitze und schreiben kann, ist es ein sehr unwohliges Gefühl überhaupt zu sitzen. Vielleicht doch nicht so gut abgerollt, wie gedacht? Ich werde mal eine Nacht darüber schlafen und schauen, wie ich mich morgen fühle.
Update / Montag:
Den Zustellerjob muss ich erstmal abbrechen. Mein rechter Beckenbereich fühlt sich wieder so ähnlich an, wie ich es nach dem üblen Sturz vor ein paar Jahren schon hatte. Auch wenn ich aktuell, was meinen Tagesablauf betrifft, etwas eingeschränkt bin, geht es mir soweit ganz gut heute. Ich kann nicht lange hier sitzen, ohne mich unwohl/unruhig zu fühlen, aber liegen und stehen ist gerade auch nicht so der Bringer für mich, daher schwanke ich jetzt zunächst einmal zwischen diesen drei Zuständen vor mich hin... :)
Meinen eigentlich geplanten SteemWorld-Newsletter muss ich ein wenig verschieben, aber ich hoffe, dass ich es im Laufe der Woche noch schaffen werde.
Update / Dienstag:
Ich hatte in der letzten Nacht einen sehr erholsamen Schlaf und fühle mich heute deutlich besser :) Das Auftreten mit dem rechten Fuß fällt mir schon viel leichter und wenn das Ganze in der Geschwindigkeit weitergeht, bin ich in einer Woche wieder fit.
Die Schmerzen im Beckenbereich sind jetzt nach dem Aufstehen jedenfalls nicht mehr da, aber das werde ich im Laufe des Tages weiter beobachten. Wenn das heute nach längerem Sitzen wieder auftauchen sollte, muss ich doch nochmal zum Arzt und den Bereich röntgen lassen. Wie es sich gerade anfühlt, werde ich das aber wahrscheinlich nicht brauchen.
Liebe Grüße,
Chiller
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