Kryptowährungen als Kommunikationsproblem
Ich habe in den letzten Monaten immer wieder über Kryptowährungen geschrieben und dabei verschiedene Ansätze gewählt. Allen Beiträgen war gemein, dass ich versucht habe, möglichst profund zu argumentieren. Am Tag nach der Bundestagswahl hatte ich in einem Beitrag extrem viel Wissen zu dem Thema aufbereitet -- quasi als Geschenk für die neue Bundesregierung (die es noch immer nicht gibt). Vor einigen Tagen habe ich mich der Frage angenommen, ob Kryptowährungen eine Blase sind und ob der Crash unmittelbar bevorsteht. Durch die Anwendung von Logik und einiger mathematischer Konzepte kam ich zu dem Ergebnis, dass dem nicht so ist. Ich vertrete sogar die Auffassung, dass uns der richtige Boom erst noch bevorsteht.
Metaphern statt Mathematik
Nun ist das mit der Logik und der Mathematik nicht so einfach. Ich sehe eine deutliche Korrelation zwischen dem MINT-Defizit in Deutschland und der Kryptoskepsis. Im Mittelalter hat man aus Mangel an Bildung Hexen verbrannt, heute zweifelt man am BitCoin. Die Kryptoskepsis ist für Mitteleuropa gewissermaßen das, was für die USA die Schöpfungstheorie ist -- wissenschaftsnegierende Pseudo-Religion. Es hat seine Gründe, warum Asiaten als allererste massenhaft in Kryptowährungen eingestiegen sind. Weil diese neue Technik nämlich ziemlich offensiv die Intelligenz- und Bildungsfrage stellt. Wenn auch Sie nach meinen Artikeln immer noch an der bevorstehenden Kryptoeruption zweifeln, dann unternehme ich hier den letzten, aber wirklich den allerletzten Überzeugungsversuch.
Halluzinationen am Strand
Das erste Mal habe ich von meinem Freund John von den Monsterwellen von Nazaré erfahren. Er lebt seit über zwanzig Jahren in Portugal und hat für einen Ausländer dort schon ziemlich viel gesehen, fast alles eigentlich. Nazaré ist einer der berühmtesten Strände des Landes und wie ich durch John erfahren habe, gibt es dort über 30 Meter hohe Monsterwellen. Er beschrieb das folgendermaßen, ich zitiere aus dem Gedächtnis:
"Wir waren in Nazaré in einer Gastwirtschaft und nach einem üppigen Essen entschieden wir uns, noch einen kleinen Strandspaziergang zu machen. Und auf einmal sehe ich am Horizont diese Wand aus Wasser. Ich denke noch so, hoppla, vielleicht hatte ich den einen oder anderen Schnaps zu viel? Und dann wurde mir klar, dass das da draußen wirklich echte Wellen waren. 30, 35 Meter hoch."
(Fotoquelle: Pedro Miranda/Demotix)
Normaler Wellengang
Die sehr schlichte Pointe dieses Artikels lautet, dass wir uns noch auf vergleichsweise ruhiger See befinden. Ende 2017 sind die Kryptomärkte wie ein relativ unspektakulärer Surferstrand irgendwo, vielleicht in Kalifornien. Die Medien und die Mehrheit der Menschen stehen am Strand und beobachten die Surfer im Wasser. Unter diesen sind viele braungebrannte, langhaarige Kalifornier, aber auch Asiaten. Von diesen wiederum ist ein nicht unerheblicher Teil im fortgeschrittenen Alter. Die Menschen am Strand staunen über die Surfer, die auf bis zu zwei Meter hohen Wellen reiten. "Absolut halsbrecherisch!", sagen die einen. "Da stirbt gleich einer!", sagen die anderen.
You Ain't Seen Nothing Yet
Was all den Strandbesuchern gemein ist: Sie haben keine Ahnung, dass es kirchturmhohe Wellen gibt und dass uns eine solche bevorsteht. Und auch diese wird von Wellenreitern beritten und von Jet-Ski-Fahrern befahren werden. Es sind einfache mathematische Konzepte, der Netzwerkeffekt und die Tatsache, dass Anfang nächsten Jahres die ersten Kryptoplattformen wie SALT, LISK und Ähnliche erste Erfolge vorweisen werden, die diese Monsterwelle auslösen werden. Nicht zuletzt profitieren Kryptomärkte auch immer von Unsicherheit im Fiat-Bereich. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Laut übereinstimmenden Medienberichten hat die EZB bereits den Euro-Ausstieg Italiens durchgerechnet. Auch derartige Verwerfungen würden die Menge an Geld erhöhen, das sich innerhalb kürzester Zeit durch das digitale Nadelöhr der Kryptos schieben wird. Da ich an dieser Stelle niemanden mit Theorie langweilen will und mir die Abgabe von konkreten Kurstipps auch zu blöd und unseriös ist, beschränke ich mich auf den besten Song in der Playlist vom Berliner Rundfunk 91.4.: Bachman-Turner Overdrive -- You Ain't Seen Nothing Yet.