Dieser Film hat mich von der zweiten Einstellung an in seinen Bann gezogen. Ich hatte nie eine Empfehlung dieses Films wahrgenommen, er scheint also nicht zu den bekanntesten zu zählen. Aber er steht den erfolgreichsten Filmen der letzten zehn Jahre mit dem Schwerpunkt auf Spannung in nichts nach. Ein Stück weit habe ich also wohl einen Geheimtipp gefunden, wenn der Film sicher dann auch wieder nicht ganz unbekannt sein dürfte.
Der forensische Psychiater Jack Gramm (Al Pacino) arbeitet als Uni-Dozent, aber auch als Gutachter in Mordfällen. Nachts ist der Overachiever auch noch Partylöwe und tritt eines Tages entsprechend verkatert wie üblich, aber erzsouverän dabei seinen Job an. Er wird um Rat in einem neuen Mordfall gebeten. Eine Studentin ist ermordet worden im Stil des Serienmörders Jon Forster, der allerdings in der Todeszelle sitzt und in einigen Stunden hingerichtet werden soll. Logischerweise ergeben sich zwei Möglichkeiten: es ist ein Nachahmer, oder Forster ist unschuldig. Gramm bleibt von Forsters Schuld überzeugt. Auf dem Weg in den Hörsaal auf dem Campus des herbstlichen Seattle erhält Gramm nun einen Anruf, in dem ihm angekündigt wird, er habe nur noch 88 Minuten zu leben. Zusammenhänge zum aktuellen Fall sind unklar. Gramm tritt noch souverän seine Vorlesung an und erzählt zuerst niemandem von dem Anruf. Er ist Drohanrufe aus beruflichen Gründen gewöhnt. Bald wird deutlich, dass der Anrufer sich ganz in Gramms Nähe befinden muss, in einem gemischten Umfeld aus Studenten, Mitarbeitern und dem FBI. Die Drohung bleibt nicht leer, sondern der Drahtzieher baut Druck auf und bringt Gramm in gefährliche Situationen, während der versucht herauszufinden, wer dahinter steckt und wem er vertrauen kann. Es ergeben sich schnell alle möglichen Szenarien über den Täter, während die 88 Minuten ablaufen. Das Finale ist überraschend.
Die Inszenierung ist perfekt. Jedes Bild und jeder Sound stimmen. Al Pacino ist mal wieder groß mit all seiner Erfahrung und scheint die Hauptrolle auch hier lässig auszufüllen, aber auch genial. Dieser Thriller-Krimi ist da vielleicht auch noch etwas besser als Insomnia mit Pacino. Das Drehbuch ist sauber geplant und ermöglicht das schnelle Tempo des Films. Die Wirkung ging bei mir durch Mark und Bein. Schön gefiel mir mal einen richtig guten Thriller zu sehen, der zumindest nicht offensichtlich dauernd an Hitchcock erinnert, sondern ganz eigenständig wirkt. Genauere Analyse mag dann aber vielleicht doch übernommene Techniken des Großmeisters offenbaren. 88 Minuten ist eine absolute Empfehlung von mir.