Liebe Steemit Community,
liebe Freiheitsfreunde,
liebe Freiheitsfeinde,
viel wurde in letzter Zeit auf verschiedenen Blogs die alte Frage, was den richtiges Geld sei, diskutiert.
Muss Geld durch einen Rohstoff (am besten Gold) gedeckt sein, oder reicht es aus einen Anspruch auf Gegenleistung, den man durch seine eigene Leistung erworben hat, einfach nur zu dokumentieren. Entsteht Geld, wenn man Gold aus der Erde gräbt und zu Barren oder Münzen verarbeitet oder entsteht Geld bereits, wenn man eine Leistung erbringt oder kann Geld sogar aus dem “Nichts” als Kredit entstehen?
Wer hat Recht? Mises, Rothbard und Hoppe oder Alfred Lansburg (Argentarius), Milton Friedman und Hayek?
Die Goldbugs oder die Kreditbugs?
Diesen Kampf fechten wir heute (und morgen) aus.
Wer den Kampf gewonnen hat, sollt Ihr entscheiden. Ich werde also in der Kommentarspalte zwei Posts (Goldbugs, Kreditbugs) machen und ihr entscheidet dann per Upvote.
Dass das heutige Geldsystem mit staatlicher Bankenregulierung, Zentralbanken und gesetzlicher Annahmepflicht für Eurobanknoten kein gutes System ist, darüber sind sich beide Lager einig. Ich selbst bin vom überzeugten Goldbug langsam und fast unmerklich ins Lager der Freebanker und Kreditgeldbeführworter gewechselt.
Ausschlaggebend war wohl die Lektüre von Vom Gelde
von Alfred Lansburgh in dem das Wesen des Geldes derartig gut beschrieben wird, wie ich es noch von keinem Austrian gelesen habe.
Bevor ich mich mit den Argumenten beider Lager beschäftige schauen wir uns einmal an, wer sich hier gegenübersteht:
Österreichische Goldbugs:
Wichtigstes Werk zum Thema Geld: Theorie of Money and Credit
Wichtigste Werke zum Thema Geld: Mystery of Banking, What has Government done to our Money?, The Case against the Fed
Hans Herrmann Hoppe
Wichtigstes Werk zum Thema Geld:The Economics and Ethics of Private Property
Kreditgeld- und Free Bankingbugs:
Wichtigstes Werk zum Thema Geld:Vom Gelde
Milton Friedman
Wichtigste Werke zum Thema Geld:Capitalism and Freedom, On Economics, Free to Choose
Wichtigste Werke zum Thema Geld:Denationalisation of Money, Choice in Currency
Anmerkung: Viele der genannten Werke sind kostenlos downloadbar, einfach den links folgen.
Natürlich gibt es noch viele weitere sehr gute Autoren zum Thema Geld, z.B. Thorsten Polleit und Michael von Prollius auf Seiten der Goldbugs und z.B. Dr. Dietrich Eckhardt auf Seiten der Kreditgeldbeführworter.
Aufwärmrunde-Was eint die beiden Lager?
Beide Lager eint, dass sie die Zentralbanken abschaffen wollen (Lansburgh will sie zwar nicht abschaffen, aber er will keine Zentralbank, die aktiv Geldpolitik betreibt). Auch wollen beide Lager natürlich keine staatliche Regulierung von Banken oder des Geldwesens, da sie sich einig sind, dass gerade die Staatseingriffe entweder zu den großen Krisen geführt haben und/oder diese noch befeuert haben.
Runde 1 - Mein eigener Bewertungsmaßstab
Wir werden uns nachfolgend die Argumente beider Lager genauer anschauen, aber abseits von den ganzen Argumenten, die jemand vorbringt, habe ich für mich noch einen anderen Maßstab entwickelt, den ich eigentlich immer anwende und der mit darüber entscheidet, wie ernst ich jemandes Argumente nehme.
Man muss mindestens eine der folgenden Anforderungen erfüllen:
1. Man hat schon mal im Leben was richtiges gearbeitet, vorzugsweise als selbstständiger Unternehmer, selbständiger Trader, oder man hat wenn man nicht unternehmerisch tätig war, ordentlich Dreck gefressen.
Als Dreckfressen gilt für mich z.B. der Einsatz als Frontsoldat, es geht aber auch schwere körperliche Arbeit am Bau, oder in Fabriken, man hat sich aus ärmlichen Verhältnissen hochgekämpft, etc.
Man sollte also mal über einen längeren Zeitraum erlebt haben, wie es ist ganz unten zu sein.
2. Man hat Kinder, also skin in the game
Mir ist es wichtig, dass bei jeder Theorie, die jemand aufstellt, auch daran gedacht wird, wie sich die Umsetzung der eigenen Ideen auf die Menschen in 30 oder mehr Jahren auswirkt.
Eigene Kinder garantieren meist, dass man nicht mit einer Einstellung wie sie John Maynard Keynes ("Langfristig sind wir alle tot.") vertrat, an die Sache herangeht.
3. Man hat in der Vergangenheit oder Gegenwart mit Pornostars/Supermodells gevögelt.
Nun, zu dieser Kategorie kann ich nur meine Frau zitieren:
"Sowas kann nur aus einem völlig testosteronverseuchten Gehirn kommen."
Schauen wir uns also an, wer zumindest eine der oben genannten Kategorien erfüllt:
Mises, kämpfte im ersten Weltkrieg.
Rothbard war meines Wissens zeit seines Lebens an der Uni tätig und hatte keine Kinder.
Von Affären mit Pornostars/Supermodells ist mir auch nichts bekannt (Oh Mann Murray Du bist mir eigentlich so sympathisch...)
Bei Hoppe sieht es meines Wissens nicht besser aus.
Alfred Lansburg hatte Kinder und leitete eine Bank.
Milton Friedman kam als Sohn jüdischer Einwanderer auch von ganz unten und hatte Kinder.
Hayek war auch Soldat im ersten Weltkrieg und hatte Kinder.
Tja, die erste Runde geht an die Kreditgeldbugs/Free Banker
Runde 2 - Wie entsteht Geld, was taugt als Geld?
1. Österreichische Lehre:
Alle oben genannten Autoren der Goldbugs beziehen sich auf das Regressionstheorem von Mises:
Mises erkannte, dass die Kaufkraft des Geldes eine Zeitdimension hat.
Wie ist das zu verstehen?
Dass Menschen heute Geld halten, speist sich aus ihrer Erfahrung, dass Geld gestern Kaufkraft hatte. Und die Bereitschaft der Marktakteure am gestrigen Tag Geld zu halten, speiste sich aus der Erfahrung, dass Geld am vorgestrigen Tag Kaufkraft hatte. Und so weiter.
Mit anderen Worten: Die Geldnachfrage in der Gegenwart speist sich aus einer bereits vorhandenen Kaufkraft, die aus der Vergangenheit stammt.
Wenn man aber diesen Gedankengang nun immer weiter in die Vergangenheit zurückdenkt, also regressiv denkt, endet man dann nicht in einem unendlichen Gedankengang („infiniten Regress“)?
Nein, so lautet Mises’s Antwort!
Denn das Gedankenexperiment endet genau an dem Zeitpunkt, an dem ein Gut zum ersten Mal nicht aufgrund seiner nicht-monetären Verwendung getauscht wurde, sondern aufgrund seiner Verwendung als Tauschmittel.
Es ist eben dieser Zeitpunkt, in dem ein Sachgut von der nicht-monetären Nutzung in die monetäre Verwendung überführt wird, an dem die Kaufkraft des Geldes ihren Ursprung hat.
[...]
Und die Wertfindung, also die Bestimmung der Kaufkraft des Geldes, muss durch den Marktprozess erfolgt sein, andernfalls ließe sich der Tauschwert des Geldes gar nicht bestimmen.
Geld, so Mises, kann nicht „von oben“, also etwa durch ein staatliches Dekret, entstehen – wie es etwa der deutsche Ökonom Karl Friedrich Knapp (1842 – 1926) in seinem Buch „Staatliche Theorie des Geldes“ (1905) recht erfolgreich verbreitet hatte.
[...]
Mises‘ Regressionstheorem erklärt damit auch, warum ungedecktes Papiergeld nicht natürlich, also über den freien Markt, entstehen kann – und auch nie entstanden ist.
Ungedecktes Papiergeld ist vielmehr immer durch Zwangs- und Gewaltmaßnahmen von staatlicher Seite in Umlauf gebracht worden, indem (irgendwann einmal) die Eintauschverpflichtung der Banken vom Staat suspendiert wurde.
(Quelle)
Also im Prinzip haben die Menschen eine reine Tauschwirtschaft betrieben, bis sie irgendwann auf die Idee gekommen sind Geld (Gold) als Tauschmittel zu verwenden.
Das Wesen des Geldes ist laut Mises, dass es das allgemein akzeptierte Tauschmittel ist.
Geld ist ein Gut wie jedes andere Gut auch, mit der Besonderheit, dass es das Gut ist, das sich am einfachsten gegen andere Güter eintauschen lässt. [...] Geld ist kein „Recht“ oder ein „Anspruch“ auf das Volkseinkommen.
(Quelle)
Laut der österreichischen Goldbugs führt eine Ausweitung der "ungedeckten Geldmenge" immer während zu Boom/Bust Zyklen. Eine zu 100% gedeckte Goldwährung würde diese Boom/Bust Zyklen verhindern, oder abschwächen. Auch kann ungedecktes Papiergeld niemals am Markt entstehen bzw. es würde freiwillig wohl von Niemanden angenommen werden.
Auch schützt eine Goldwährung vor Inflation.
Hierzu meine Anmerkungen:
Der Weg von der reinen Tauschwirtschaft, zum Warengeld, zum Kredit, wird von den meisten Ökonomen immer so beschrieben, obwohl es dafür eigentlich keinen Nachweis gibt, wie David Graeber, in seinem Buch Debt - The First 5000 Years überzeugend nachgewiesen hat. Adam Smith war der erste, der den Weg von der reinen Tauschwirtschaft, zum Warengeld, zum Kredit beschrieben hat und die anderen haben das dann abgeschrieben. Der Anthropologe Graeber zeigt aber, dass der Kredit als erstes da war. Tauschwirtschaft wurde nur mit fremden Personen/Stämmen betrieben, denen man nicht vertraut hat und Geld kam erst zum Schluss. Für mich ist diese Theorie schlüssiger, da eine Tauschwirtschaft ohne dass einer der Tauschpartner dem anderen Kredit gibt, überhaupt nicht funktionieren kann.
Angenommen, ein Hirte besitzt eine Kuh und will dafür Brot kaufen.
Der Bäcker möchte die Kuh gerne haben, weil er ein Fest zur Hochzeit seiner Tochter geben will, aber was soll der Hirte mit tonnenweise Brot?
Durch das Kreditieren lässt sich die Situation leicht auflösen. Der Bäcker verpflichtet sich mittels eines Schuldscheins, dem Hirten zwei Jahre lang eine bestimmte Menge Brot zu liefern. Gibt der Bäcker jetzt nicht einen Schuldschein, sondern 730 Schuldscheine aus, kann der Hirte mit diesen Schuldscheinen andere Waren erwerben. Schon ist Papiergeld entstanden, welches nur durch ein Zahlungsversprechen gedeckt ist. Welchen Sinn hätte es, wenn der Bäcker erst Gold aus der Erde geholt hätte, um es dann den Hirten zu geben, damit er damit bei ihm Brot kaufen kann?
Ich glaube Mises hat es sich bei seinem Regressionstheorem zu einfach gemacht. Umfangreiche Forschung zur Geschichte des Geldes, wie Graeber hat er bestimmt nicht angestellt.
Nun zu den Boom/Bust-Zyklen. Wie Milton Friedman gezeigt hat und wie auch jedem bekannt sein dürfte, passierten die wirklich großen Wirtschaftseinbrüche( hier eine Liste) zu einer Zeit als es einen Goldstandard in den USA gab und auch zum Teil vor der Gründung der Federal Reserve.
Nicht das Fehlen einer Goldwährung, sondern die staatlichen Eingriffe und Bankenregulierungen haben zu diesen Crashs geführt. Einige mögen jetzt vielleicht einwenden, dass es ja zu keiner Zeit einen 100% Goldstandard gab und die Banken einfach zu viel Geld, das nicht goldgedeckt war, in Umlauf gebracht haben. Bei 100% Gold wäre das nicht passiert. Nun dann frage ich mich aber, wie man als Minimalstaatler oder Anarchist, der die Regulierung von Banken und die Einrichtung einer Zentralbank ablehnt, die Banken zu einem 100% Goldstandard zwingen will, den sich Murray Rothbard so wünscht.
Freiwillig wird eine Bank niemals ein zu 100% gedecktes Geld herausgeben.
Das ungedecktes Papiergeld oder Buchgeld freiwillig nicht angenommen wird, ist historisch auch nicht belegt. Buchgeld und Kreditkarten sind kein gesetzliches Zahlungsmittel, werden aber sehr wohl von Geschäftsleuten angenommen. Das gesetzliche Zahlungsmittel, also die Eurobanknote oder der Greenback machen nur noch einen kleinen Bruchteil der weltweiten Finanztransaktionen aus. Obwohl also kein Zwang besteht, "ungedecktes" Kreditgeld/Buchgeld anzunehmen, tun es die Menschen weltweit. Monaco, das Kosovo, der Vatikanstaat und San Marino haben selbst kein eigenes gesetzliches Zahlungsmittel, trotzdem benutzen sie freiwillig den Euro. Liechtenstein hat keine eigene Währung und obwohl Fürst Hans-Adam II. der österreichischen Schule sehr nahe steht, benutzen sie den Schweizer Franken anstatt einer eigenen (goldgedeckten Währung).
Noch kurz zum Inflationsschutz.
Von den Goldbeführwortern wird als Argument immer das 19. Jahrhundert angebracht, während dieser Zeit der goldgedeckten Währung seien die Preise stabil geblieben oder sogar leicht gefallen.
Schauen wir uns mal einen Chart an:
Nach dem Bürgerkrieg in den USA, sind die Preise tatsächlich leicht gesunken, aber sicher nicht in dem Maße, wie die Produktivität explodiert ist. Es gab also mit Sicherheit eine versteckte Inflation, aber die war lächerlich im Vergleich zu der Zeit nach der Gründung der Federal Reserve und nach der Schließung des Goldfensters durch Nixon ist sie geradezu explodiert.
Dieser Chart spricht für die Österreicher, wobei die Frage bleibt, hätte es in einem Free Banking System, das auf Kreditgeld basiert, aber ohne staatliche Regulierung und staatlicher Zentralbank auch so gewaltige Inflationsraten gegeben?
Diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich glaube zwar nicht, aber was heißt das schon.
So das war Teil 1 unseres Battle Royal.
Im nächsten Teil schauen wir uns die Argumente der Kreditgeldbugs/Free Banker an und ich werde meine Einschätzung dazu abgeben.
Dann dürft Ihr entscheiden, wer die besseren Argumente hat.
Ich werde dann auch noch versuchen, eine marktwirtschaftliche Free Banking Lösung (ohne Golddeckung) darzustellen, die von einem Internetgiganten herausgegeben werden könnte und die überhaupt keine Ressourcen verbraucht.
Also dann,
bis morgen.
Stephan Haller