Liebe Steemit Community,
liebe Freiheitsfeinde,
liebe Freiheitsfreunde,
heute im Unterricht fragte mich ein Schüler, was es mit dem Negativzins der EZB auf sich hat.
Die Schüler sind alle schon volljährig, also habe ich folgendes Beispiel gewählt:
Ich: “Du sitzt im Biergarten mit einer frischen Maß Bier vor Dir.
Jetzt komme ich und bitte Dich mir die Maß Bier zu überlassen.
Würdest Du mir sie geben?”
Schüler: ”Natürlich nicht.”
Ich: ”Und wenn ich Dir verspreche, dass ich Dir im Gegenzug morgen eine frische Maß Bier hinstelle?”
Schüler: ”Nein.”
Ich: ”Wie viel Bier müsste ich Dir morgen hinstellen, damit Du mir heute deine Maß überlässt?”
Schüler: ”Mindestens 1.5 Maß”
Ich: ”Sehr gut, Du hast kapiert, dass der Konsum in der Gegenwart mehr wert ist, als der Konsum in der Zukunft.
Für den Konsumverzicht in der Gegenwart entschädige ich Dich dann morgen mit 1.5 Maß Bier.
Dies ist der Zins.
Die EZB würde Dir heute deine Maß Bier wegnehmen und Dir morgen nur eine halbe Maß hinstellen.”
Schüler: ”Die sind ja verrückt!”
Leider war dann die Stunde vorbei und ich konnte nicht mehr genauer auf die Funktionen des Zinses in einer arbeitsteiligen Wirtschaft eingehen.
Dies werde ich hiermit nachholen.
Wir leben leider seit der Vertreibung aus dem Paradies in einer Welt der Knappheit.
Jeder bisherige Versuch dieses Paradies auf Erden wiederzuerlangen führte immer zu Millionen von Toten, aber das nur nebenbei.
Das was der Schüler in meinem Beispiel festgestellt hat, dass ihm nämlich eine Maß Bier heute mehr wert ist, als eine Maß Bier in der Zukunft nennt Ludwig von Mises die Zeitpräferenz.
Zeitpräferenz bedeutet, dass man dem gegenwärtig verfügbaren Gut einen höheren Wert beimisst, als einem Gut, das erst in der Zukunft verfügbar ist. In der Zeitpräferenz spiegelt sich der Urzins wieder.
Der Urzins ist eine Wertdifferenz zwischen heutigen Gütern und zukünftigen Gütern, oder zwischen der Erreichung heutiger Ziele und zukünftiger Ziele.
Da die Zeitpräferenz immer nur positiv sein kann, kann auch der Urzins immer nur positiv sein.
Oder um es mit Hans Hermann Hoppe zu sagen:
In acting, an actor invariably aims to substitute a more for a less satisfactory state of affairs and thus demonstrates a preference for more rather than fewer goods. Moreover, he invariably considers when In the future his goals will be reached, i.e.,the time necessary to accomplish them, as well as a good's duration of serviceability. Thus, he also demonstrates a universal preference for earlier over later goods, and for more over less durable ones. This is the phenomenon of time preference.(Quelle:Hans Herrmann Hoppe:„On Time Preference, Government, and the Process of Decivilization“ (2006)”)
Also mein Schüler zieht die Maß Bier von heute, der Maß Bier von morgen vor, außerdem sind im 1.5 Maß morgen lieber als eine Maß heute.
Sein Urzins und seine Zeitpräferenz sind positiv.
Da Zeit auch ein knappes Gut ist, und ein Mensch sein Leben lang konsumieren muss, wird er früher erreichbare Güter immer höher bewerten, als zukünftig erreichbare Güter.
Würden wir nicht durch Zeitpräferenz eingegrenzt werden, dann würde der Mensch immer sparen und niemals konsumieren bzw. immer die Produktionsmethode wählen, die die größte Produktivität mit sich bringt.
Natürlich kann so niemand handeln.
Hoppe bringt in seinem Aufsatz hierzu ein gutes Beispiel, das ich sinngemäß wiedergeben möchte:
"Anstatt sich ein Fischernetz zu bauen, hätte Robinson Crusoe, gleich nachdem er auf seiner Insel gelandet ist, begonnen einen Fischkutter zu konstruieren, da dies die effizienteste Methode ist, Fische zu fangen."
Nun kommen wir zum Marktzins:
Ein Mensch wird, durch die Zeitpräferenz begrenzt, ein gegenwärtiges Gut immer nur dann gegen ein zukünftiges Gut tauschen, wenn er annimmt, dass er dadurch die Menge seiner zukünftigen Güter vergrößert.
Die persönliche Zeitpräferenzrate bestimmt die Prämie, die gegenwärtige Güter über zukünftige verlangen.
Diese Prämie, also der Zins, kann immer nur positiv sein.
Der Marktzinsatz gibt also die Gesamtzeitpräferenzrate in einer Volkswirtschaft wieder (solange keine Zentralbank reinpfuscht).
Der Marktzins gleicht die Summe der Ersparnisse und die Summe der Investitionen aus.
Ersparnisse = das Angebot gegenwärtiger Güter, das für den Austausch zukünftiger Güter zur Verfügung steht.
Investitionen = Nachfrage nach gegenwärtigen Gütern, mit denen man hofft, zukünftiges Einkommen zu erwirtschafteten.
Dies funktioniert natürlich nur, wenn mehr produziert als konsumiert wird.
Ansonsten wäre der Zins unendlich hoch, und wir müssten ein primitives Leben, wie in der Steinzeit führen.
Ein Mensch mit einer niedrigen Zeitpräferenz neigt zum Sparen, ein Mensch mit einer hohen Zeitpräferenz neigt eher zum konsumieren.
Kleine Kinder und Tiere haben in der Regel eine hohe Zeitpräferenz, da sie sich nur auf die Gegenwart konzentrieren können.
Nachhaltiges Wirtschaften, heißt also immer erst sparen, dann investieren, dann konsumieren.
Die heutigen Ökonomen (in der Regel Keynesians) wollen uns weiß machen, man könnte sich reich konsumieren (am besten auf Kredit).
Dass also eine niedrige Zeitpräferenz schlecht sei.
Wir sollen uns also wie kleine Kinder verhalten.
Leider ist das unglaublicher Unsinn. Kredite machen erstens alles viel teurer, außerdem führen Kredite in einem Fiatgeldsystem zu einer Ausweitung der Geldmenge und damit zu Inflation und Langfristig zur Massenenteignung.
Auf Kredit zu konsumieren ist, wie das Saatgut aufzuessen.
Die EZB befeuert mit ihrer Zinspolitik das ganze noch.
Man kann sich noch gar nicht ausdenken, wie sich ein negativer Realzins langfristig auf die Moral der Menschen auswirkt.
Die negativen Realzinsen, bestrafen einen für das Sparen.
Den Menschen wird also eine hohe Zeitpräferenz anerzogen.
Langfristig kann das nur zu einer Verwahrlosung der Gesellschaft und im Endeffekt zum Zusammenbruch der Wirtschaft und des Gemeinwesens führen.
So jetzt wisst ihr, wie ich meine Schüler dazu bringe, mir ihr Bier zu überlassen.
Im nächsten Artikel werde ich Euch zeigen, wie sich die Besteuerung negativ auf die Spar-und Investitionsneigung auswirkt und wie sie dazu führt, das weniger Konsumgüter produziert werden.
Bis bald,
Stephan Haller
P.S. Hier gibts noch einen hervorragenden Vortrag von Hans Hermann Hoppe zur Praxeologie, also der Lehre vom menschlichen Handeln, bei dem es auch um die oben genannten Themen geht:
Quellen:
Ludwig von Mises: “Human Action”, https://mises.org/library/human-action-0
http://www.misesde.org/?p=4486#jump_no1
http://www.misesde.org/?p=8872