Liebe Steemit Community,
liebe Freiheitsfreunde,
liebe Freiheitsfeinde,
und schon wieder ein Artikel über Geld.
Viele Kritiker unseres Geldsystems nennen als Grund für die Tatsache, dass der Euro, USD, GBP oder JPY als Geld funktioniert und von den Menschen angenommen wird, obwohl er doch eigentlich völlig wertlos wäre, da nicht goldgedeckt, den gesetzlich vorgeschrieben Zwang zur Annahme dieser Währungen im jeweiligen Währungsraum.
Gäbe es nicht den gesetzlichen Zwang, wären wir sofort wieder beim Gold.
Schließlich ist doch, um Peter Boehringer zu zitieren, "ungedecktes Papiergeld legales Falschgeld."
Auch Mises hat dies mit seinem Regressionstheorem nachgewiesen.
Geld muss, so das Regressionstheorem, aus einem Sachgut entstanden sein, einem Sachgut, das zunächst nur aufgrund seiner nicht-monetären Verwendung wertgeschätzt wurde.
[...]
Mises‘ Regressionstheorem erklärt damit auch, warum ungedecktes Papiergeld nicht natürlich, also über den freien Markt, entstehen kann – und auch nie entstanden ist.
Ungedecktes Papiergeld ist vielmehr immer durch Zwangs- und Gewaltmaßnahmen von staatlicher Seite in Umlauf gebracht worden, indem (irgendwann einmal) die Eintauschverpflichtung der Banken vom Staat suspendiert wurde.
Ich frage mich aber wieso dann folgende "Kunstwährung" sich als Geld etablieren konnte.
Wie bereits gestern hier angekündigt geht es heute um die
European Currency Unit (ECU)
Die Europäische Währungseinheit ECU (European Currency Unit) war von 1979 bis Ende 1998 die offizielle Rechnungseinheit der Europäischen Union. Sie wurde zum Beispiel als Bezugsgröße für das Europäische Wechselkurssystem und als alleinige Rechengröße für sämtliche Operationen im Rahmen des Interventions- und Kreditmechanismus des Europäischen Währungssystems (EWS) verwendet. Der ECU war als ein Währungskorb definiert, in dem feste Beträge der meisten EU-Währungen enthalten waren. Mit Beginn der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion ging der ECU mit einem Umrechnungskurs von 1:1 in den Euro, über.
ECU- Währungskorb
Die ECU war also eine reine Verrechnungseinheit innerhalb des Europäischen Währungssystems bestehend aus einem Währungskorb der teilnehmenden Länder, unter denen die Deutsche Mark die stärkste Gewichtung hatte.
Es gab weder Münzen noch Scheine (die oben gezeigte Münze ist nur eine Gedenkmünze/Sondermünze) und es war auch nicht als gesetzliches Zahlungsmittel zugelassen.
Die Verrechnungseinheit ECU war nie für den privaten Gebrauch zugelassen und ihr Gebrauch außerhalb des EWS wurde von der Bundesbank bekämpft.
Trotzdem war es Geld und wurde von den Bürgern auch genutzt.
Es gab Schuldtitel aller Laufzeiten, die in ECU denominiert waren und von Privatleuten gekauft wurden, es gab ECU Bankkonten mit Scheckziehungsrecht und Überweisungen, ECU-Kreditkarten und das Ganze mit einem jährlichen Volumen von über 20 Milliarden Dollar.
Ganz ohne staatlichen Zwang.
Wie kann das sein?
Ich würde sagen, Mises lag mit seiner Geldtheorie einfach falsch.
Schauen wir noch mal bei Johann Philipp Freiherr von Bethmann nach :
Geld ist jede im Prinzip übertragbare, offene geldwerte Forderung in der Wirtschaft.
Geld entsteht ohne Zutun und Segen der Notenbanken.
[...]
Alles Geld entsteht in einem autonomen Schöpfungsakt innerhalb der Wirtschaft. Es entsteht mit jeder Neuverschuldung zwischen [...] einem Schuldner und einem Gläubiger.
Welches Geld das ist, das heißt aus welcher Währung das neue Geld jeweils besteht, ist Sache dieser zwei Partner, vor allem natürlich Sache des jeweiligen Gläubigers.
(Quelle: Bethmann - Auf Inflation folgt Deflation, S.82, 83)
Dieser Absatz erklärt, warum der ECU ganz freiwillig von Privatleuten verwendet wurde, aber auch warum in Ländern ohne eigene Währung, wie dem Kosovo oder Monaco, der Euro als Geld verwendet wird und eben nicht, Gold oder Silber.
Ich würde sagen, es wäre langsam an der Zeit für die Austrians ihre Geldtheorie noch mal zu überdenken.
Eine Theorie, auch wenn sie von einem so klugen Mann stammt, wie Ludwig von Mises, sollte niemals zu einem Dogma werden.
Bis bald,
Stephan Haller