Liebe Steemitgemeinde,
liebe Freiheitsfreunde,
liebe Freiheitsfeinde,
gestern habe ich einige Bücher von Samuel Edward Konkin III vorgestellt.
Heute wollen wir uns einmal die beiden "Flügel" der Libertären ansehen.
Obwohl sich SEK3 immer als Anhänger von Murray N. Rothbard bezeichnete (left-Rothbardian) bezeichnete, kam es zwischen den beiden zum Streit.
SEK3 vs. Murray N. Rothbard
SEK3 ist wohl den meisten Libertären in Deutschland eher unbekannt, während Murray N. Rothbard die meisten kennen.
SEK3 bezeichnete sich und seine Theorie des Agorismus als extrem links, während man Rothbard eher (zumindest in seinen späteren Jahren) zur Rechten (Old Right) zählen kann.
SEK3 lehnte politische Beteiligung strikt ab und setze voll auf Counter Economics, während Rothbard seine Ziele auf politischem Wege umsetzen wollte (Libertarian Party) und dabei auch nicht vor einer Allianz mit den Koch Brüdern zurückschreckte.
SEK3 prägte für die beiden Brüder den passenden Begriff Kochtopus.
Unter den heutigen Libertären kann man wohl (Dangerous Superstition) zur Konkinfraktion zählen und früher
.
Da sich Adam Kokesh nun politisch engagiert (möglicher Präsidentschaftskanditat der Libertarian Party), kann man ihn definitiv nicht mehr zur Konkinfraktion zählen (wobei der Begriff der Fraktion bei Anarchisten wohl sowieso unpassend ist).
Die Rothbardfraktion, findet man z.T. unter einigen republikanischen Politikern (Ron und Rand Paul, Dana Rohrabacher), bei der Tea Party (gibt es die noch?) und viele davon haben bei der Wahl Donald Trump unterstützt.
In Deutschland vertritt Stefan Blankertz am konsequentesten die Konkinlinie und Hans Herrmann Hoppe kann man definitiv als rechten Libertären bezeichnen.
Um was ging es?
Kurz gesagt:
SEK3 veröffentlichte sein Buch The New Libertarian Manifesto und Rothbard verriss die in dem Buch dargestellte Theorie als völlig unbrauchbar.
In this particular case, Konkin is trying to cope with the challenge I laid down years ago to the anti-party libertarians: O.K., what is your strategy for the victory of liberty? I believe Konkin’s agorism to be a total failure, but at least he has tried, which is to his credit, and puts him in a class ahead of his anti-party confreres, who usually fall back on fasting, prayer, or each one finding ways to become a better and more peaceful person, none of which even begins to answer the problem of State power, and what to do about it.
SEK3 antwortete auf die Kritik Rothbards in einem langen Kommentar.
Ich kann nur jedem empfehlen beide Kommentare selbst zu lesen.
Zusammengefasst kann man meiner Meinung nach deutlich erkennen, dass SEK3 ein Praktiker war, der mit offenen Augen durch die Welt ging und Rothbard wohl sein Leben lang nie aus seiner Universität rausgekommen ist.
Ein paar Wochen Schwarzarbeit auf dem Bau hätten Rothbard sicher geholfen, um das Konzept der Counter Economics zu verstehen.
Rothbard führte in seiner Kritik an, dass das Konzept der Counter Economics nur auf einige kleine Teilbereiche der Wirtschaft anzuwenden sei (Drogenhandel, Glücksspiel, Prostitution), aber es in einer modernen Wirtschaft immer noch notwendig sei, dass es abhängige Lohnarbeit und Großkonzerne gibt.
Auch führt er an, dass die Schattenwirtschaft nicht dazu beigetragen hat, die Sowjetunion zu Fall zu bringen, sondern das Leben dieses Staates geradezu verlängert hat.
Es ist gut möglich, dass Rothbard eben nicht den Weitblick wie der Hobby-Sciencefictionautor Konkin, der schon damals sah, dass Lohnarbeit vor allem in der Produktion immer mehr verschwinden wird.
Konkin führt in seiner Antwort auf Rothbards Kritik aus, dass die Gegenökonomie schon gigantische Ausmaße angenommen hat und praktisch jeder daran beteiligt ist (wer hat nicht schon einmal jemanden für eine Dienstleistung bar bezahlt und auf eine Rechnung verzichtet?).
Konkin hat in seinem Buch sogar eine Formel entwickelt, mit der man berechnen kann, ob sich Counter Economics, wie z.B. Schwarzarbeit rechnet oder nicht.
Als gutes Beispiel führt er in seinen Büchern und in seiner Antwort auf Rothbard die Fernfahrer an.
Als die Bundesregierung in den USA eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Highways von 55 mph eingeführt hatte, ging den selbstständigen Fernfahrern eine Menge Geld verloren, da sie plötzlich weniger Fahrten pro Woche machen konnten.
Sie reagierten mit Nichtbeachtung des Fahrverbotes, kauften sich CB-Funkgeräte und warnten sich gegenseitig vor Radarfallen (siehe die Filme Convoy und Smokey and the Bandit).
Da durch diese Maßnahme das Risiko erwischt zu werden erheblich gesunken war, war es für sie rentabel, zu schnell zu fahren und ab und zu eine geringe Strafe zu zahlen.
I challenge Dr. Rothbard to find any legitimate economic field (not serving the State) that cannot be counter-economized, ten that cannot be counter-economized without organizational or technological innovation, or a hundred that cannot be counter-economized without significant gain in organizational efficiency and profit. “Konkinism” has plenty to say to everyone who is not a statist.
Nun, lest einfach beide Kommentare und entscheidet selbst, wer die Debatte gewonnen hat.
Vielleicht seit ihr auch der Meinung, dass beide Idioten sind, dann ist das für mich auch in Ordnung.
Schönes Wochenende,
Stephan Haller