Liebe Steemitgemeinde,
Liebe Freiheitsfreunde,
Liebe Freiheitsfeinde,
Liebe Bitcoinfreunde,
Liebe Fiatgeldgegner,
hat heute in seinem interessanten Artikel Wird Visa, Mastercard, PayPal von Kryptos verdrängt werden? Bitcoin-Daten sagen JA! dargelegt, dass Überweisungen in Bitcoin wesentlich günstiger sind als Zahlungen mittels Kreditkarte, Paypal, usw.
Aus meiner Sicht ist dies aber ein Trugschluss.
Diesen Trugschluss werde ich nachfolgend versuchen zu erklären.
Vorher möchte ich aber sagen, dass dies auf keinen Fall ein Angriff auf sein soll.
Ich schätze seine Artikel sehr, weil sie immer sehr gut recherchiert sind und weil er sich wirklich Gedanken macht, wie man das bestehende Geldsystem verbessern könnte.
Ich zitiere aus dem Artikel:
Wie dargestellt, sinkt ein Einkauf von 1.000 Dollar über Visa auf 944,20 Dollar, nachdem alles abgeschlossen und erledigt ist. Das Finanzdienstleistungsunternehmen berechnet 25,10 $ als Interbankengebühr, ein zwischengeschalteter Zahlungsabwickler, in diesem Fall PayPal, nimmt 29,30 $, und schließlich werden 1,40 $ als "Bewertungsgebühr" genommen. Und damit erhält der letzte Online-Händler nur 944,20 Dollar von der 1.000 Dollar Transaktion. Mit Mastercard ist es genauso (etwas schlechter).
Mit Kryptos hingegen werden die Gebühren auf breiter Front drastisch gesenkt. In einer $1.000 Bitcoin-Transaktion schätzte BlockData, dass der Händler am Ende der Gleichung $974,22 auf sein Bankkonto einzahlt, wenn die Transaktionsgebühren $5 betragen (das sind sie übrigens nicht) und Krypto-to-Fiat-Plattformen eine Gebühr von 1% erheben. Der Unterschied zwischen 944,20 $ und 974,22 $ erscheint nicht so auffällig, hätte aber einen großen Einfluss auf die Einzelhandelswirtschaft.
Diese Zahlen sprechen auf den ersten Blick klar für Bitcoinüberweisungen, aber eben nur auf den ersten Blick.
Das Problem der Volatilität
Als premium seller an den Optionsmärkten ist die Volatilität mein Freund.
Die erwartete Volatilität macht einen großen Teil der Optionspreise aus.
Ist die erwartete Volatilität hoch (die Angst oder die Gier), so sind die Optionen, die ich verkaufe teuer.
Die erwartete Volatilität ist in der Regel höher, als die tatsächlich realisierte Volatilität, d.h. die zugrundeliegenden Aktien, Rohstoffe oder Indizes bewegen sich nicht in so einer großen Bandbreite, wie es in den Optionspreisen ausgedrückt ist. Zusätzlich ist die erwartete Volatilität "mean reverting", d.h. nachdem sie hochgeschossen ist, kehrt sie nach einiger Zeit zu einem gewissen niedrigeren Mittelwert zurück.
Als Premium Seller verkauft man also die Optionen, wenn sie teuer sind und hofft, dass man sie nach einer gewissen Zeit billiger zurückkaufen kann.
Auch für Futures Trader und Aktien Trader ist die Volatilität gut. Ohne Bewegung im Markt kann man keine Gewinne machen.
Genau diese Volatilität wird aber für Unternehmen zum Problem, die darauf angewiesen sind gewisse Finanzinstrumente, Währungen oder Rohstoffe zu halten oder zu kaufen/verkaufen.
Eine Fluggesellschaft ist abhängig von den Preisen für Kerosin.
Ist das Flugbenzin billig, füllt man seine Lager auf.
Lagerhaltung ist aber mit Kosten verbunden.
Oft werden Flüge schon lange Zeit im Voraus verkauft.
Was ist aber, wenn die Kerosinpreise zu dem Zeitpunkt an dem der Flug tatsächlich durchgeführt wird viel höher sind, als zu dem Zeitpunkt an dem der Flug verkauft wurde?
Auch Banken haben dieses Problem. Sie verleihen meist Geld sehr langfristig, oft zu einem festen Zinssatz. Gleichzeitig zahlen sie aber auf Kundeneinlagen Zinsen, die nicht fest gebunden sind und schnell steigen können. Ein weiteres Problem ist, dass diese Kundeneinlagen oft ohne Vorwarnung abgerufen werden können.
Auch ein Händler, der weltweit in verschiedenen Währungsräumen operiert steht vor diesem Problem.
Die Währungsschwankungen waren mit ein Grund für die Forderungen nach einer einheitlichen Währung in der EU.
Kommen wir nun zu den Bitcoins
Niemand wird bestreiten, dass die Volatilität bei Bitcoins extrem hoch ist.
Dies zeigt sich alleine schon im Margin Requirement, welches für einen Bitcoin Futureskontrakt (/BTC) verlangt wird.
Ein /BTC umfasst fünf Bitcoin, also ein notional value von etwa $26,600.
Die Sicherheitsleistung, die man hinterlegen muss, wenn man einen BTC Future kaufen oder shorten will ist, wie man unten sehen kann, fast $10,000.
Bildquelle.
Im Vergleich dazu ist die Sicherheitsleistung für einen Eurocurrency Futureskontrakt (/6E), der $125,000 notional value umfasst, nur $2,300, wie man unten sehen kann.
Währungen schwanken also weitaus weniger als Bitcoin.
Hedging
Weil die Preisschwankungen nun mal so sind wie sie sind, müssen viele Unternehmen Hedging betreiben.
Dazu wenden sie sich an die Futures Märkte.
Ist das Flugbenzin wegen des niedrigen Ölpreises gerade recht günstig und die Lager sind schon voll, dann kauft man Öl-Futures (Kerosinfutures gibt es an der CME nicht) oder Heating Oil Futures (ist ja eh fast das gleiche).
Sind die Zinsen gerade recht günstig und eine Bank weiß, dass sie in 3 Monaten einen Kredit braucht, shortet man die entsprechende Menge an Eurodollarfutureskontrakten und sichert sich somit den günstigen Zins für die Zukunft.
Ein Bauer kann mittels der Futuresmärkte, wenn die Maispreise gerade besonders hoch sind, seine Ernte schon verkaufen, noch bevor er gesät hat, usw.
Natürlich ist das ganze mit Kosten verbunden. Man muss eine Sicherheitsleistung hinterlegen (entfallene Zinsen), außerdem braucht man das Wissen und die Zeit.
Ein großer Teil der Landwirtschaftsausbildung in den USA beschäftigt sich mit Futureshandel.
Ein Einzelhändler im Euroraum betreibt in der Regel kein Hedging.
Er bezahlt seine Rechnungen und Löhne in Euro und wird von seinen Kunden in Euro bezahlt.
Würde er nun Zahlungen in BTC annehmen, hätte er ein großes Risiko.
Da er seine Löhne und Rechnungen weiterhin in Euro bezahlen muss, müsste er entweder mit dem Risiko leben oder eben auf den Terminmarkt zurückgreifen, um sein Risiko zu hedgen.
Er müsste also immer für 5 BTC einen Bitcoinfutureskontrakt shorten (verkaufen) und dafür knapp $10,000 hinterlegen.
Auch für Banken, die BTC Überweisungen durchführen/annehmen entstünde dieses Problem.
Sie müssten ihr Risiko immer sofort an den Terminmärkten hedgen.
Mir ist klar, dass bei dem Beispiel aus dem Artikel von die Bitcoins immer wieder sofort verkauft werden, also USD auf dem Konto des Einzelhändlers landen, aber dann hat das Risiko eben ein anderer. Sei es eine Clearingstelle, eine Bank oder wer auch immer.
Und ein Risiko muss immer gehedged werden.
Diejenigen, die Bitcoin seit ein paar Jahren halten, können sich ja den Wert ihres Portfolios anschauen und mit dem Wert Ende 2017 vergleichen.
Die von mir angesprochenen Kosten haben die Bitcoinhalter getragen.
Wie funktionieren Banküberweisungen
Haben beide Parteien, also der Zahler und der Empfänger ihr Konto bei der gleichen Bank, ändert sich für die Bank nichts und es entsteht auch kein Risiko. Das Geld wird nur innerhalb der Bank umgebucht.
Haben Zahler und Empfänger ihr Konto bei unterschiedlichen Banken, aber innerhalb Deutschlands, dann gibt in der Regel die Empfängerbank der Ausführenden Bank einen Kredit (Interbankenmarkt) oder man überträgt Zentralbankgeld (Zentralbankkonto der ausführenden Bank => Zentralbankkonto der Empfängerbank).
Für diesen Kredit müssen natürlich Zinsen gezahlt werden (Kosten).
In der Regel wird Zentralbankgeld nur verwendet, wenn sich der Empfänger das Geld in bar auszahlen lässt. Schließlich greift man ungern seine Zentralbankreserven an.
Innerhalb des Euroraumes läuft das Ganze genauso, man kann aber auch auf das TARGET2 System zurückgreifen. Hier wird immer Zentralbankgeld übertragen.
Vor der Eurokrise wurde das TARGET 2 System kaum genutzt, weil es günstiger/einfacher war die Geschäfte über den Geldmarkt abzuwickeln.
Da sich die Banken innerhalb der EU seit der Eurokrise nicht mehr so sehr trauen, wurde das TARGET 2 System immer wichtiger.
Aus meiner Sicht keine gute Entwicklung, aber dies ist eine andere Geschichte.
Wenn nun alle nur noch Bitcoin benutzen?
Auch hier würden Risiken (Kosten) auftreten, die es zu hedgen gilt.
Bitcoin schwankt ja nicht nur stark, wenn man seinen Wert in Euro oder USD ausdrückt, sondern auch im Vergleich zu anderen Waren/Rohstoffen.
Die stark schwankende Kaufkraft von Bitcoin müsste also auch gehedged werden.
Was natürlich auch wieder Kosten verursacht.
Abschließend ist zu sagen, dass die Rechnung, die im Artikel von gemacht wurde, keine ehrliche ist, weil sie eben die Hedgingkosten vernachlässigt.
Schöne Ostern,
Stephan Haller