Hallo Steemit Community.
Ich hätte nicht gedacht, dass mein Artikel zum BGE solch eine Resonanz erfährt.
Achtzig Kommentare, in denen alle Argumente hervorragend ausgearbeitet und durchdacht waren, das ist wirklich beachtlich!
Ganz großes Lob an alle!
Allerdings geht mir die Diskussion um das BGE oder den Sozialstaat im Allgemeinen am Kern der Sache vorbei.
Deshalb möchte ich das Thema heute noch mal mehr unter einem philosophischen/moralischen Gesichtspunkt betrachten.
Es gibt im Prinzip zwei Grundprinzipen im Libertarismus/Voluntarismus:
- Jeder besitzt seinen eigene Körper und nur er selbst bestimmt, was er damit macht (Prinzip der Freiwilligkeit). Daraus ergibt sich natürlich auch, dass man über die Früchte seiner Arbeit selbst verfügen darf.
- Niemand darf einem anderen Menschen Schaden zufügen oder ihm etwas wegnehmen.
Anmerkung: Prinzip 1 gilt für Kinder natürlich nur eingeschränkt.
Wenn man diese zwei Prinzipen anerkennt, wird man viele (wenn nicht die meisten) Dinge ablehnen, die uns der Staat vorschreibt. Beispiele wären das Verbot bestimmter Rauschmittel, GEZ-Gebühren, Lohnsteuer, Wehrdienst, Angriffskriege, etc.
Was hat das nun mit dem BGE zu tun?
Natürlich könnte man noch viel mehr Fragen stellen, wie z.B. "Wer bezahlt dann die Polizei, wenn es keine Steuern mehr gibt?" oder "Wer baut dann die Straßen?" oder "Was passiert, wenn sich einer nicht an diese zwei Prinzipen hält?"
Aber diese Dinge werden Themen vieler zukünftiger Artikel sein. Glaubt mir aber, dafür gibt es hervorragende Lösungen, die alle besser funktionieren, als das was wir jetzt haben.
Also zurück zum BGE:
Wenn der Staat jedem seiner Bürger eine bestimmte Summe im Monat garantiert, dann muss er dieses Geld, das ja nichts anderes als Arbeitsleistung ist, vorher jemanden wegnehmen. Wenn sich dieses Geld einer nicht nehmen lassen will, wird der Staat es ihm mit Gewalt abnehmen. Es wird also gegen beide oben genannten Prinzipen verstoßen.
Wenn der Staat einen bestimmten Prozentsatz meiner Arbeitsleistung wegnimmt und sie einem anderen gibt, dann bin ich zu diesem Prozentsatz dessen Sklave. Dieser Tatsache muss man sich bewusst sein.
Ich habe grundsätzlich überhaupt nichts gegen kollektivistische Konzepte wie BGE, Kommunismus, etc. so lange es auf Freiwilligkeit basiert. Wenn sich mehrere 100 Leute freiwillig zusammentun und führen das BGE ein, ist das völlig in Ordnung so lange ich nicht mitmachen muss. Ich möchte aber auch nicht zu hören bekommen: "Wenn es Dir in unserem BGE-Staat nicht passt, dann geh doch rüber."
Wenn man bedenkt, dass es in Deutschland nur ca. 12 Millionen echte Nettosteuerzahler gibt, die die anderen 70 Millionen mitfinanzieren, muss man sich sowieso wundern, dass die noch nicht ihre Sachen gepackt haben...
Anmerkung: Ja ich bin Lehrer und werde vom Staat bezahlt. Von Geldern ,die den Nettosteuerzahlern unter Gewaltandrohung weggenommen werden, dessen bin ich mir bewusst. Jeder Lehrer, auch die an Privatschulen werden in Deutschland vom Staat bezahlt. Der Beruf des Lehrers macht mir Spaß, aber ich fühle mich nicht unbedingt gut dabei, dass ich von den Zwangssteuergeldern anderer Menschen lebe. Das heißt aber nicht, dass ich als Teil des Systems das System nicht kritisieren darf. Müsste ich nun aus moralischer Sicht meinen Beruf aufgeben? Nun einige werden das so sehen. Nur dann wäre ich immer noch kein Nettosteuerzahler, außerdem habe ich als Ernährer einer Familie auch eine Verantwortung. Lieber wäre es mir, man würde das Schulsystem in Deutschland komplett privatisieren und ich würde mein Geld von Menschen bekommen, die mich freiwillig für das was ich ihnen beibringe bezahlen.
So, jetzt seid ihr wieder dran.
Ich freue mich schon wieder auf die großartigen Kommentare.
Gute Nacht,
Stephan Haller