Danke für die ausführliche Antwort und den Einblick in deine Sicht der Dinge. Das ist für mich durchaus interessant zu lesen. Ich erlaube mir ebenfalls, einige Gegenargumente zu Punkten zu verfassen, bei denen ich eine andere Ansicht vertrete.
Deinen Artikel habe ich übrigens gelesen und verstehe die darin vertretene Perspektive. Allerdings wird darin die Gesamtheit der nuklearen Triade nicht erwähnt. Jede ernstzunehmende Atommacht – wie Russland, Frankreich oder auch die USA – verfügt über eine nukleare Triade, um genau für den von dir beschriebenen Fall gewappnet zu sein. Es geht dabei um die Fähigkeit eines Zweitschlags als Abschreckung. Selbst bei einem Überraschungsangriff kann ein Land immer noch einen Zweitschlag durchführen. Darum ist nukleare Abschreckung so wirkungsvoll. Daher spielt es meiner Meinung nach keine entscheidende Rolle, wo genau solche Atomraketen stationiert sind. Ich würde wetten, dass sich zum jetzigen Zeitpunkt amerikanische Atom-U-Boote vor der russischen Küste befinden und ebenso russische vor der amerikanischen.
Russland hätte ausserdem damit rechnen müssen, wie Finnland reagieren würde. Durch Finnlands NATO-Beitritt hat Russland nun eine längere gemeinsame Grenze mit der NATO, als es mit der Ukraine jemals der Fall gewesen wäre.
Die Eskalation des Konflikts basiert in erster Linie auf den geopolitischen Interessen Russlands und dessen Wunsch, Einflusszonen zu sichern. Die NATO-Erweiterung mag Russland als Bedrohung empfinden, doch die meisten osteuropäischen Staaten sind aus eigenen Sicherheitsinteressen der NATO beigetreten, da sie historisch unter russischer Vorherrschaft gelitten haben. Russland hat seit 2014 mit der Annexion der Krim und der Unterstützung separatistischer Bewegungen in der Ostukraine massiv in die territoriale Integrität eines souveränen Staates eingegriffen. Diese Handlungen haben die Spannungen mit der EU und der NATO erheblich verschärft. Ein präventiver Angriff auf die Ukraine kann nicht als legitime Verteidigung Russlands interpretiert werden. Vielmehr handelt es sich um eine Verletzung des Völkerrechts.
Vor 2014 und der Annexion der Krim gab es keinerlei Hinweise darauf, dass die Ukraine in naher Zukunft Mitglied der NATO werden würde. Daher verstehe ich dieses Argument nicht ganz.
Was die Energieversorgung betrifft, stimme ich dir in einigen Punkten zu. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass Atomstrom eine sinnvolle Alternative darstellt und im Inland produziert werden sollte. Weiter finde ich, dass man den Energiesektor stärker diversifizieren müsste. Klar könnte man, wenn der aktuelle Konflikt mit Russland nicht bestünde, Gas aus Russland importieren. Doch gleichzeitig sollte man vergleichbare Mengen von anderen Ländern beziehen, um keine Abhängigkeiten entstehen zu lassen. Russland hat in der Vergangenheit Energie als geopolitisches Druckmittel genutzt (z. B. gegen die Ukraine 2006 und 2009). Eine starke Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten birgt daher erhebliche Risiken.
Das hier die Amerikaner wie rettende Engel einspringen und uns mit Gas und Öl beliefern geht natürlich nicht an mir vorbei, natürlich nutzen auch diese die aktuelle Lage zu ihren Gunsten. Die Behauptung, dass der Konflikt jedoch gezielt mit diesem Ziel herbeigeführt wurde sehe ich jedoch nicht.
Für mich sind Russlands Handlungen in der Ukraine völkerrechtswidrig und nicht allein durch NATO-Expansion oder westliche Propaganda erklärbar. Falls ich deine Argumentation falsch verstanden habe, lasse ich mich gerne weiter aufklären.
Ich hoffe, ich nerve dich nicht mit meinen Ansichten, ansonsten darfst du meine Antwort jederzeit gerne ignorieren. Ich bemühe mich sachlich zu bleiben jedoch heizen sich Diskussionen betreffend solcher Themen gerne schnell auf.
RE: Der Aufstieg der AFD in Deutschland - Eine Sicht von aussen