Hallo Leute,
wie geht es Euch so? Mir scheint im tag deutsch auf steemit ist es leise geworden. Nicht still, aber leise. Viele der lauten Stimmen ließt man nur noch in den Kommentaren. Auf deutsch zumindest. Meine auch. Ich poste mehr auf englisch. Warum eigentlich? Auf deutsch geht es doch viel leichter, eigentlich. Ja, eigentlich. Denn in Wahrheit ist es schwerer auf deutsch zu schreiben, denn es ist ehrlicher.
In den letzen Wochen habe ich nicht mehr auf deutsch geschrieben, weil mir der Mut gefehlt hat den Tatsachen wirklich und ehrlich in die Augen zu sehen.
Die Wahrheit
Die Wahrheit ist, also meine subjektive Wahrheit ist: Ich habe Schiss, also Angst meine ich. Angst die nächsten Schritte zu gehen und wirklich meine Komfortzone zu verlassen. Also Mache ich hiermit den ersten Schritt, spreche diese Angst laut aus und meißel sie in die Blockchain.
Gegen Integration
Mein Leben lang war ich für Integration. Für Integration als Frau mit Behinderung und Migrationshintergrund. Ich war sehr stolz darauf angepasst zu sein. Ich wollte immer allen beweisen, dass ich auch einen Platz in der Gesellschaft einnehmen kann. Das ich hineinpasse und dazugehöre. Heute sehe ich in vielen Aspekten von Integration viele Fallen und Fesseln. Ich will nicht mehr bloß so gut wie möglich angepasst sein und dazugehören. Ich will atmen und leben.
Heute will ich weg von Anpassung und hin zu Wachstum. Jeder Mensch kann wachen und jeder Mensch muss wachsen. So wie die Pflanzen wachsen müssen, sie haben keine Wahl, muss sich der Mensch entwickeln, sonst geht er ein. Natürlich braucht man dazu viele Werkzeuge, wie zum Beispiel die deutsche Sprache, wenn man sich in Deutschland entwickeln will. Alles was wir lernen kann uns frei machen.
Ich habe jetzt Freiheit im Sinn. Persönliche Freiheit und finanzielle Freiheit. In diesem Sinne habe ich auch entschieden endlich außerhalb aller Rahmen zu denken und mein Studium abzubrechen. Neu zu denken. Das ist mir sehr sehr schwer gefallen. Noch nie habe ich etwas nicht abgeschlossen.
Für Teilhabe
In Zukunft will ich alles was ich weiß und erfahren habe nutzen, um Menschen mit Behinderung zu coachen, zu begleiten. Denn ich habe mir eine solche Begleitung gewünscht und sie nicht bekommen. Eine Weile war ich überfordert mit mir, meiner Behinderung und meiner Rolle in der Welt. Plötzlich sah ich meine Schranken ganz deutlich. Meine Grenzen wurden mir immer wieder aufgezeigt von Menschen und Institutionen und immer wenn ich sagte, dass mich das belastet war die Reaktion: "Viele Menschen mit Behinderung leiden leider unter Depressionen."
OK, dachte ich. Hier bin ich nun. Behindert und Depressiv. So ist das halt. Ich kam mir vor wie ein Hamster, der nach vielen vielen Monaten merkt, dass das Rad den Käfig nicht bewegt und ich hatte keine Ziele mehr. Ich war ohnehin gedecket und am Rand abgestellt.
Jetzt sehe ich das anders. Ich bin frei. Ich habe ganz neue Ziele und versetze meine Grenzen jeden Tag neu. Heute fühle ich mich 10 Jahre jünger und spüre einen echten Neubeginn.
Ein neues Leben, wo Teilhabe echt ist für mich und für Andere.
Mein Weg
Habt ihr Lust mehr darüber zu lesen? Wenn ja, dann werde ich regelmäßig berichten.
Danke fürs Lesen. Ich freue mich, wenn Steemit-Deutschland bald wieder lauter ist :)
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