Ja, dass habt ihr richtig gelesen. Behinderte werden tatsächlich direkt gefragt: Kannst du auch Sex haben?, und das online und im realen Leben. Manchmal noch vor dem Hallo. Das habe ich selbst erlebt, aber auch (behinderte) Freunde haben mir das erzählt. Das ist aber auch nur die Spitze des Eisberges, wenn man als Behinderte_r eine_n Partner_in sucht.

Glücklich vergeben
Ich bin heilfroh, dass ich den Zirkus hinter mir habe. Seit zwei über Jahren bin ich glücklich vergeben und das bleibt auch so! Sicher blicke ich deshalb heute mit einem lachenden Auge auf das Thema Partnersuche zurück. Als ich auf der Suche war, war mir häufiger zum Weinen als zum Lachen zu Mute. Vielleicht wissen das schon einige von Euch, das Grauen fängt immer auf die selbe Weise an, mit der Frage: Kann ich dich mal was fragen? - Eigentlich sollte ich mittlerweile so klug sein und mit einen Nein antworten. Denn wenn ich Ja sage, rollt eine Lawine los.
Kannst du auch Sex haben?, ist da schon die höfliche, gleichstellende Variante. Viel schlimmer fand ich einen jungen Mann, der mir sagte: ... Ist ja bestimmt scheiße für dich, alle haben ´nen Freund und du kannst nur zugucken. - Das war dann richtig unangenehm. Zu merken, dass es Menschen gibt, die eine behinderte Frau als eine Art Alien sehen.
Zwischen Kopfschütteln, Schock und Neugier
Für viele liegt es wirklich weit außerhalb ihrer Vorstellungskraft, dass auch Menschen mit Behinderung vollwertige Partner in einer Beziehung sind. Andere würden einfach mal gerne testen, wie der Sex mit einer Behinderten ist, was auch irgendwie verletzt. Wieder andere suchen gezielt nach einer Frau oder auch einem Mann mit einer Behinderung. Ja, auch diesen Fetisch gibt es.
Mit 25 habe ich mich zum ersten Mal in eine Partnerbörse gewagt. Eine für Menschen mit Behinderung. Ziemlich schnell wurde ich von Männern angeschrieben, die gezielt nach einer Partnerin mit meiner Behinderung gesucht haben. Ich war so überfordert, dass ich diese Partnerbörde direkt wieder verlassen habe. Damit hätte ich niemals gerechnet. Kurze Zeit später habe ich dann aber meinen zweiten Versuch dort gestartet und (neben einigen Blindgängern) auch sehr nette Leute dort getroffen.
Sogar mit Männern, die behinderte Frauen anziehend finden, habe ich geplaudert. Ich wollte es verstehen. Zumindest haben mir diese Gespräche den Schrecken genommen. Aber zu diesem Thema könnte ich einen ganz eigenen Post verfassen, das ist sehr komplex. (Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob das hier jemand lesen will.)
Selbstfindung
Am Ende habe ich meinen Partner nicht auf dieser Plattform befunden, aber auch online. Mehr aus einem Scherz heraus und nicht, weil ich verbissen gesucht habe. Es war so, wie es alle immer sagen: Die Liebe kommt dann, wenn du sie nicht erwartest. Rückblickend kann ich sagen, wir haben uns genau zum richtigen Zeitpunkt getroffen. Nur zwei Jahre zuvor hätten wir nicht zu einander gefunden. Wir wären zu verschieden gewesen, so verrückt das auch klingt. Auch wenn ich eigentlich nicht gerne der ewige Single war, ich muss zugeben, ich habe die Zeit gebraucht, um herauszufinden, wer ich bin. Naja, zumindest, um damit zu beginnen. Mir bewusst zu werden, dass ich mich selbst lieben muss. Ohne dieses Fundament geht es nicht. Ich bin sicher noch lange keine Expertin im Thema Selbstliebe, aber ich habe gelernt mir zu vertrauen mir immer mit Liebe zu begegnen. Das ist ein schönes Gefühl. Auch wenn der Weg steinig war, so hat er mich doch heute zu meinem Wohlgefühl geführt und das freut mich sehr.
Ich hoffe, ich habe Euch mit diesen Einblicken nicht zu sehr geschockt. Ihr könnt auch gerne Fragen stellen, wenn ihr jetzt 1000 Fragezeichen vor der Stirn habt.
PS. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich das mal in einem Post erzähle. Das Leben steckt doch voller Überraschungen.