Man sollte meinen, dass mich klar ausdrücke, wenn ich neue Gehstützen bestelle, einen neuen Rollstuhl brauche oder bei einem Neurologen Rat suche. Wenn ich Euch aber jetzt von meinen Erfahrungen berichte, werdet ihr denken, dass ich immer plötzlich fließend chinesisch spreche, wenn ich Hilfe brauche.

Ich bin meine eigene Ärztin
Beim Neurologen war ich vor ungefähr 15 Jahren zum letzten Mal. Ich hatte keine akuten Beschwerden. Ich wollte nur wissen, ob es effektivere Behandlungsmethoden gibt als die Physiotherapie, die mich einfach nicht weiter gebracht hat. Ich wollte mir die fachmännische Meinung des Neurologen einholen. Eine absurde Idee, ich weiß.
Der Neurologe sah mich nur entgeistert an und sagte:
Was wollen Sie denn von mir? Sie kennen doch Ihre Diagnose? Daran kann ich auch nichts ändern.
Wie das Gespräch weiter verlief weiß ich nicht mehr. Diese Aussagen haben mich so vor den Kopf gestoßen, dass ich alle meine Fragen sofort vergessen habe.
Bis heute informiere ich mich selbst nach neuen Behandlungsmethoden und probiere Neues aus. Wenn etwas davon Verschreibungspflichtig ist, dann sage ich meiner Hausärztin, was auf dem Rezept stehen soll und hole es dann ab. Meine Hausärztin ist super, sie fragt mich im Anschluss auch immer, ob sie die Behandlung weiterempfehlen kann. Das ist schon mehr als ich von Ärzten erwarte, aber vielleicht ist das auch eine verkehrte Haltung. Was sagt ihr?
Jeder ist selbst für sein Leben verantwortlich, deswegen recherchiere ich gerne und teste Neues. Doch ab und an würde ich gerne mit einem Profi sprechen und eine zweite Meinung hören. Leider treffe ich meist auf große Skepsis.
Na, da nehmen Sie sich aber sehr viel vor!
Sagte mit zuletzt ein Physiotherapeut, als ich ihm eröffnete, dass ich lernen will nur mit einer Krücke zu laufen. Ich möchte in einer Hand auch mal eine Tüte halten können oder einen Fotoapparat. Das wär schon was. Leider kein leichtes Unterfangen, wenn der Mensch, der dir dabei helfen soll, nicht an den Erfolg glaubt. In der Zwischenzeit habe ich diesen Plan erstmal aufgegeben, weil einfach keine Fortschritte zu sehen waren. Aber dazu schreibe ich ein anderes Mal mehr.
Keinen Bock auf einen neuen Rollstuhl
Über kurz oder lang brauche ich einen neuen Rollstuhl. Mir graut es jetzt schon davor. Meinen Jetztigen habe ich im November 2011 beantragt und im August 2012 bekommen. Bei dem nächsten rechne ich schon mal vorsorglich mit einem Jahr.
Das ganze fängt schon damit an, dass Krankenkassen nur mit Vertragspartnern arbeiten, auch bei Sanitätshäusern. Das hieß beim letzten Mal für mich, dass mein Ansprechpartner fast 100km von mir entfernt war. Da Behinderte ja grundsätzlich weder arbeiten, noch ein Privatleben haben, was ja allgemein bekannt ist, erwartete das Sanitätshaus, dass ich zu ihnen komme. Als ich dann eröffnete, dass ich berufstätig bin und zudem auch nicht bereit bin meine Zeit für die Fahrt zum Sanitätshaus zu opfern, war das Gejammer groß. Nach einigem Hin- und Her war man dann doch bereit zu mir zu kommen. Ich musste auch keinen ganzen Tag frei nehmen, nur einen halben und ging dann nach dem Termin ins Büro. Der Mitarbeiter vom Sanitätshaus konnte natürlich nur vormittags zu mir kommen, wie konnte es auch anders sein.
Das wäre auch alles noch ok gewesen, wenn der Herr seine Arbeit vernünftig gemacht hätte. Leider ist mein Rollstuhl trotz des sorgfältigen Maßnehmen zu groß geraten und das Sitzkissen, das dazu gehört, habe ich bis heute nicht erhalten. - Meine Begeisterung einen neuen zu beantragen, hält sich also in Grenzen.
Trotzdem dankbar
Natürlich bin ich trotz all der Scherereien dankbar, dass ich einen Rollstuhl habe und auch einen neuen bekomme, wenn ich ihn brauche. Manchmal fühlt sich nur so an, wie ein Vollzeitjob.
Kennt ihr sowas auch, oder habt ihr vielleicht sogar ganz gegenteilige Erfahrungen gemacht? Ich freue mich wie immer über Fragen und Austausch in den Kommentaren.