Wenigstens sitzt du nicht im Rollstuhl, höre ich immer mal wieder von Menschen, die aus einer Mischung aus Mitleid und Neugier ein Gespräch mit mir beginnen. Bis vor einem Jahr habe ich da auch zugestimmt.
Im Rollstuhl ist man irgendwie noch behinderter, als auf Krücken, dachte ich lange. Ich war immer stolz darauf alles zu Fuß erledigen zu können. Obwohl ich einen Rollstuhl habe, seit ich ungefähr 10 bin, nutze ich ihn lange nicht. Natürlich habe auch nie gelernt richtig damit umzugehen.
Es geht um Mobilität
Erst vor gut einem Jahr habe ich begriffen, dass es nicht darum geht weniger behindert zu wirken, sondern so mobil wie möglich zu sein. Indem ich auf den Rollstuhl verzichtet habe, habe ich auf Mobilität verzichtet.
Heute fahre ich im Rollstuhl bis zum Supermarkt, kaufe ein staune, wie einfach das ist. Ich bin nicht schon auf dem halben Weg durch den Laden platt. Ich kann wirklich in Ruhe gucken, was ich haben möchte und muss mir nicht vorher schon einen genauen Plan machen, weil ich zu Fuß nicht viel tragen kann. Als noch nicht im Rollstuhl im Supermarkt war, hatte ich viel weniger Raum für Spontanität.
Ganz im Gegenteil zu allem, was ich noch vor zwei Jahren dachte, hat sich mein Bewegungsradius vergrößert. Ich komme im Rollstuhl viel weiter als zu Fuß. Das ist so logisch und offensichtlich, dass ich nicht begreife, warum mir das jetzt erst klar geworden ist.
Fakt ist: Mit Rollstuhl bin ich weniger behindert als ohne. Auch wenn ich noch üben muss.
Wie behindert seit ihr?
Welche Glaubensätze halten euch zurück? Ich bin gerade dabei meine zu prüfen. Ich habe mich im Grunde jahrelang selbst diskriminiert, um mich weniger behindert zu machen. Kann ich nicht empfehlen.