Gesundheit ist keine Flatrate - Der perfekte erste Wochenimpuls zur herbstlichen Jahreszeit….
Als ich mir heute Gedanken darüber gemacht habe, mit welchem Thema ich meine Wochenimpulse starten soll, kam die Idee wie gerufen am Himmel vorbeigeflogen.
Es waren Zugvögel, die ich vom Arbeitszimmer aus gehört habe. Ich weiß nicht welche Vögel es waren, aber es war dieses typische Lied des angebrochenen Herbstes und der herannahenden kalten Jahreszeit.
In diesem Augenblick wusste ich worüber ich schreiben will.
Doch bevor ich zum Wochenimpuls komme, möchte ich hier drei wahre Dialoge teilen, die ich geführt habe. A ist mein/e Gesprächspartner/in und B bin ich (wegen der Anonymität hab ich zudem die Namen geändert …)
Dialog 1)
B: Hey, wie geht es euch?
A: Bei uns ist alles in Ordnung. Wir hatten jetzt alle den Norovirus, aber jetzt sind wir wieder fit.
B: Oh, ihr Armen, das ist echt schlimm. Auch die Kinder? So richtig mit Erbrechen und Durchfall?
A: Ja, die Kinder auch. Leni ist zu Hause geblieben, sie hat es schlimm erwischt. Sie konnte nichts bei sich behalten.
B: Wie lange denn? Geht sie inzwischen wieder zur Schule?
A: Sie war nur für einen Tag zu Hause, solange sie gebrochen hat.
B: So schnell ist sie wieder fit?
A: Naja, sie hat kein Erbrechen und Durchfall mehr. Was soll sie dann zu Hause sitzen? Wir gehen ja auch wieder zur Arbeit.
B: Naja, wenn ich mir überlege….wenn ich am reihern bin und dazu auch noch Durchfall habe, brauche ich schon mehr als einen Tag, um mich davon zu erholen. Mal ganz davon ab, dass Norovirus hochgradig ansteckend ist…
A: Sie ist ja ein Kind. Kinder haben ein starkes Immunsystem und werden schneller gesund. Außerdem muss sie sich daran gewöhnen, dass sie nicht bei jeder Kleinigkeit krank machen kann.
B: Kleinigkeit würde ich das nicht bezeichnen. Einen Tag länger zu Hause zur Erholung hättest du sie doch ruhig behalten können.
A: Das kann sie später aber auch nicht machen, wenn sie im Beruf steckt. Da muss sie sich auch durchbeißen.
…
Dialog 2)
Person A hat eine ordentliche Grippe erwischt. Die Person hat alle typischen Symptome und leidet seit einer Woche richtig daran. Seit Tagen hat die Person Fieber. Gleichzeitig hat die Person vor einem Monat eine neue Arbeitsstelle angenommen. Es ist Februar…
A: Ich fühle mich richtig elend. Ich habe schon wieder kaum geschlafen. Ich weiß nicht, wie ich den Tag überstehen soll. Mir ist auch wieder richtig schwindlig und kalt.
B: Lass mich mal fühlen…. Ich glaube du hast immer noch Fieber. Lass uns mal schnell messen. …. Ja, du hast Fieber. 39.8. Du, damit solltest du echt nicht zur Arbeit gehen.
A: Nein ich gehe zur Arbeit. Ich habe keine andere Wahl. Ich bin da erst seit einem Monat.
B: Aber wenn du so schwer krank bist, ist das unverantwortlich. Was ist, wenn es noch schlimmer wird? Das Fieber wird tendenziell über den Tag weiter steigen. Und was ist, wenn du dann da irgendwo zusammenbrichst und in der Ecke liegst? So will dich dort auch keiner haben.
A: Ich kann nicht in meinem zweiten Monat schon fehlen. Dann bekomme ich für diesen Zeitraum kein Gehalt und wie sieht das denn bitte aus?
B: Das sieht nach einer ernstzunehmenden Krankheit aus.
A: Ich gehe zur Arbeit.
…
Dialog 3)
A: Ich bin richtig erschöpft. Mir tut jeder Knochen weh. Ich kann mich kaum bewegen. Kannst du mir bitte den Rücken massieren?
B: Hmm…ja, das kann ich tun. Aber du kannst mich nicht jedes Mal nach einer Massage bitten, wenn du Schmerzen hast. Das ist keine dauerhafte Lösung und mal davon ab werde ich nicht ewig da sein.
A: Immer meckerst du…
B: Das hat nix mit Meckern zu tun. Ich mache mir ja Sorgen und ich glaube, dass allein Massage dir nicht helfen wird. Das ist doch nur Symptomlinderung.
A: Das ist lieb. Was soll ich denn deiner Meinung nach machen?
B: Sport.
A stöhnt auf…
B: Ja, sei nicht gleich so genervt. Du musst deinen Körper fit halten. Vor allem in deinem Alter. Muskeltraining, Ausdauer, Gelenkigkeit usw. Dann werden auch deine Hüft- und Rückenschmerzen besser.
A: Ich mache schon den ganzen Tag Sport auf der Arbeit. Weißt du, wie viel ich da am rumlaufen bin und was ich da alles schleppe? Ich arbeite wie ein Maultier. Wenn ich nach Hause komme, will ich mich entspannen. ich bin zu müde für Sport. (A arbeitet körperlich ziemlich hart)
Worauf will ich eigentlich hinaus?
Ich selbst war nicht besser als die A’s aus meinen Dialogen. Ich selbst habe mich regelmäßig über alle möglichen körperlichen und psychischen Belastungsgrenzen hinausgetrieben und habe ewig lange ausgehalten. Egal wie schlecht es mir ging, wie mein körperlicher oder geistiger Zustand war, es ging ja immer noch irgendwas. Ich wollte weder die Kollegen, noch die Klienten noch den Arbeitgeber noch meine eigene Anspruchshaltung an mich selbst im Stich lassen. Man macht nicht wegen jeder Kleinigkeit schlapp und das liebe Geld zaubert sich auch nicht von allein auf das Konto. Bis dann doch die bittere Rechnung kam. Und sie kam. Es gab da diesen einen Zeitpunkt ZERO, als alle Reserven aufgebraucht waren und ich lange gebraucht habe, um mich wieder zu erholen.
Uns wird beigebracht:
Sei stark. Halte durch. Stell dich nicht so an. Gehe deinen Aufgaben nach. Enttäusche nicht. Vergiss deine Verpflichtungen nicht. Du trägst Verantwortung. Leiste.
Wir sagen zu uns:
Es ist nichts. Es ist nur eine Kleinigkeit. Ach das geht schon. Wer soll die Aufgaben sonst erfüllen? Anderen geht es noch viel schlechter. Ich bin stark im Nehmen.
Das ist die harte Schule des Lebens. Oder? ;)
Wochenimpuls 1-39/17
Gesundheit ist keine Flatrate
Wir alle kommen mit einem unermesslich wertvollen Schatz zur Welt. Dieser Schatz ist unsere Gesundheit.
Doch dieser Schatz entspringt nicht aus einem endlos fließenden Brunnen.
Vielmehr kann man sich das als Gefäß vorstellen, in dem sich unsere Lebensenergie, unsere Kraft, unsere Ressourcen, unsere körperliche und geistige Widerstandsfähigkeit und eben damit unsere Gesundheit befinden.
Der Inhalt von diesem Gefäß muss für ein Leben lang ausreichen. Es gibt keine Quelle, die automatisch den Inhalt nachfüllt, falls er sich dem Ende neigt.
Im Laufe unseres Lebens wird der Inhalt von diesem Gefäß immer geringer und geringer.
Kindheit
An Anfang unseres Lebens sind wir richtige Energiebündel. Wir müssen uns austoben, sonst kriegt man uns nicht ins Bett. Wir sprühen vor Power und Lebensfreude. Wir könnten die Welt umarmen und unser Entdeckergeist kennt keine Grenzen. Jugend Wir können echt viel ab – wir machen nächtelang durch, lassen keine Sause aus, haben Spaß und verstehen nicht, warum sich die anderen über Rückenschmerzen beklagen. Wir sprühen vor Lebensenergie und machen uns keine Gedanken darüber, dass wir rechtzeitig und regelmäßig essen, trinken, schlafen, ausscheiden sollten und den Gang an die frische Luft nicht vergessen sollten. Unsere Ressourcen sind enorm, wir sind hungrig nach Leben.
Erwachsensein
Wir fühlen uns jung und Dynamisch. Doch irgendwann kommt die Wende. Wir werden langsamer, reagieren nicht mehr so flink wie früher und brauchen unseren Schönheitsschlaf, denn ansonsten sind wir ziemlich schimmliger Stimmung und zu nix zu gebrauchen. Jede party an jedem Wochenende wird dann doch zu viel. Nackenverspannungen, Sodbrennen, innere Unruhe. Kopfschmerzen, Grübelzustände, Sorgen, Zukunftsängste, Stress, Schlafprobleme. Augenringe, erste Falten, die Hände reichen nicht mehr bin zum Boden, wenn wir uns dehnen möchten. Wir fragen nicht mehr nach „Hey, hier bin ich, was kostet die Welt?“ sondern sehnen uns mit dem voranschreitenden Alter nach Ruhe und Entspannung. Wir setzen unsere Prioritäten und versuchen das Wichtigste am Laufen zu halten.
Alter(n)
Früher oder später erwischt es doch jeden: (Alters-)Krankheiten. Hoher Blutdruck. Diabetes. Rheuma. Depression. Chronische leiden. Tabletten werden zu kleinen Helferlein. Erschöpfung, Müdigkeit, Sehnsucht nach „Rente“ und dem „endlich werde ich Zeit für mich haben“. Die Kräfte, die man nun noch zur Verfügung hat, verteilt man wohlüberlegt.
Natürlich leert sich das Gefäß bei jedem Menschen unterschiedlich schnell. Aber machen wir uns nichts vor. Es leert sich.
Dabei verwenden wir sehr viel von unserer Lebenskraft und von unseren Ressourcen zur Aufrechterhaltung unterschiedlichster Dinge in unserem Leben: Verantwortung, Verpflichtung, Arbeit, soziale Rollen, Beziehungen, Status, soziale Stellung und Ansehen.
Die Endlosigkeit unserer Gesundheit
„So ist es nun mal. Das ist der Lauf des Lebens. Dagegen kannst du nix machen“ – das höre ich schon mal ältere Menschen sagen.
Mag es stimmen. Aber ich mag nicht diese kalte Selbstverständlichkeit dahinter. Der Lauf des Lebens kann auch anders aussehen…
Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Gesundheit das höchste, aber auch mit Gewissheit das endliche Gut ist, das wir besitzen.
Es liegt ganz allein in unserer Verantwortung, in welcher Geschwindigkeit das Gefäß unserer Gesundheit sich leeren soll. Genauso liegt es in unserer Verantwortung, dass wir dazu beitragen unsere Reserven aufrechtzuerhalten. Mit unserem Lebensstil, Lebensrhythmus, mit unserem Verhalten und unserer inneren Einstellung.
Mein Wochenimpuls für die kommende Woche ist,
- sich immer wieder bewusst zu machen, wie wir mit dem Wissen um die Endlichkeit unserer Gesundheit umgehen
- sich daran zu erinnern und sich immer wieder bewusst zu machen, dass dieses unermesslich wertvolle Gefäß unserer Gesundheit keine endlos zufließende Quelle hat. Es liegt ganz allein in unserer eigenen Verantwortung, dass wir uns um dieser Gefäß möglichst gut kümmern.
- sich immer wieder bewusst zu fragen „Was tue ich für meinen Körper, für meine Energiereserven, für mein Wohlergehen? Wo sorge ich gut für mich? Wo vernachlässige ich mich? Wo werde ich mit Reizen überflutet und wann sorge ich für ausreichende Erholung und Regenerierung?
- sich bewusst zu fragen „Was steht am Ende, wenn ich es versäume, mich jetzt besser um mich selbst zu kümmern?“
Ich freue mich über Feedback,
Tatjana
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