Servus Leute,
Die Leute unter euch, die vor drei Tagen meinen Beitrag "Morgenstund hat Gold im Mund!" gelesen haben, wissen ja bereits, dass es unweit meiner Heimatstadt einen Berg gibt, der auch historisch interessante Dinge zu bieten hat - den Reinberg in der Marktgemeinde Thalheim bei Wels. Und auf diesen werden wir uns auch in diesem Beitrag begeben und uns verlassene Orte der Geschichte ansehen.
Die verlassenen Ziegelei Würzburger
Dieses Foto zeigt einen Teil der ehemaligen Ziegelfabrik Würzburger, die sich am Fuße des Reinberges in Aschet/Thalheim befindet. Mittlerweile werden dort zwar keine Ziegel mehr produziert - in der Vergangenheit machten sich dort aber geschäftstüchtige Leute die bis zu 12 Meter dicke Lehmschicht des Reinbergs zunutze und formten aus dem frisch gewonnenen Lehm Ziegel für Wels und die Umgebung. Während der "neuere" Teil der Fabrik heute als Lagerhalle einer Spedition dient, lebt der alte Teil im Walde des Reinbergs verwaist for sich hin. Hier eine Frontansicht dieses älteren Teilgebäudes und ein paar Stücke des ehemaligen Endproduktes.
Ich habe mich in die Thematik ein bisschen eingelesen und glaube den Weg eines Ziegelsteines nun verstehen zu können ;) In der folgenden Presse, die sich direkt unter dem Vordach der obigen Frontansicht befindet, wurden die Ziegel wohl in ihre Form gepresst, bevor es auf dem Förderband, welches auf den folgenden drei Fotos dargestellt ist, nach unten ging. Dort wurden diese dann wahrscheinlich in der riesigen Halle zum austrocknen gelagert, bevor es über die Ascheterstraße oder die direkt angrenzende Eisenbahn weiter zu den Bauprojekten der Umgebung ging.
Als ich mich im im Gelände umschaute, entdeckte ich plötzlich folgende, zylinderförmige Metallteile. Am Anfang dachte ich mir kurz, dass es sich um Bomben oder ähnliches handeln könnte.
Dann wurde mir jedoch rasch klar, dass diese dann wohl nicht mehr einfach so frei herumliegen würden, da der Ort ja doch nicht so unbekannt ist. Meine Vermutung ist nun eher, dass es sich um Rollkörper des verfallenden Förderbandes handelt. Hat jemant von euch eine bessere Idee, dann immer raus damit ;)
Die Rückseite des alten Fabrikteils ist jedoch nicht sonderlich spektakulär - zumindest von außen betrachtet nicht. Und da die Halle wohl zumindest Teilweise von einem lokalen Bauern als Parkplatz für Traktoren verwendet wird, ist sie leider auch nicht so ohne weiteres zugänglich.
Also ließ ich die alte Ziegelfabrik hinter mir und machte mich weiter zum eigentlichen Ziel meines Ausfluges - bevor wir zu diesem kommen, aber noch kurz ein Blick auf den "neueren" Teil der Ziegelfabrik.
Die Luftschutzstollen der Fa. Würzburger
Das eigentliche Ziel meines Ausfluges waren die zahlreichen Luftschutzbunker, die sich diverse Welser Firmen und auch offizielle Stellen im Zuge des zweiten Weltkrieges erbaut hatten (bzw. erbauen ließen). Denn auch wenn die Täter unter der hießigen Bevölkerung an einem der schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte mitwirkten, so war es vor allen die Zivilbevölkerung, die im Rahmen der Gegenangriffe der Alliierten, für diese Verbrechen büßen musste. Und um sich vor den Luftschlägen im Zuge dieser zu schützen, waren eben diese Luftschutzstollen notwending. Auch einige Jahrzehnte nach der Befreiung Österreichs sind diese Stollen teilweise noch zugänglich - man muss sie nur in den Wäldern des Reinberges finden.
Schon auf dem Hinweg fiel mir in einer Schlucht ein Stolleneingang auf, der zu einem Teil von einem umgestürzten Baun verdeckt wurde.
Doch natürlich wollte ich diesen nicht nur aus der Ferne bewundern - also hieß es den Hang hinabklettern, um sich das Ganze auch aus der Nähe ansehen zu können. Der Eingang sieht zwar trotz des herabgestürzten Baumstammes noch erstaunlich gut erhalten aus, aber schon beim ersten Blick in das Innere sieht man, dass es hier nichts großartiges mehr zu entdecken gibt, da der Stollen schon eingestürzt ist, oder verschüttet wurde.
Doch zum Glück gibt es nicht nur diesen Nebeneingang. Unweit der oben beschriebenen Fabrik (Die Front müsstet ihr im Hintergrund sogar erkennen können.) befindet sich der Haupteingang des sogenannten "Monsterbunkers". Und auch dieser ist erstaunlich gut erhalten.
Die geografische Nähe zur Ziegelfabrik beruht natürlich keinesfalls auf einem Zufall - der "Monsterbunker" war der Luftschutzstollen für die Angestellten des Ziegelwerkes. Thematisch passend ist der Stollen auch nicht mit Beton, sondern mit Ziegelsteinen ausgemauert. Und der Bunker dient auch gleich als Qualitätsbeweis für diese - ist er doch, im Gegensatz zu den meisten anderen Stollen des Reinbergs, noch immer in einem guten Zustand und begehbar.
Was einen im Inneren dieses "Monsterbunkers" erwartet und was es auf dem Reinberg sonst noch so zu entdecken gibt, erfahrt ihr im nächsten Teil dieser Miniserie.
Schlusswort
Auch wenn es heutzutage lustig und spannend ist, diese Orte zu erkunden, so sollte man nicht vergessen, dass es sich hierbei zumindest teilweise um Relikte aus einer der traurigsten Kapitel der Menschheitsgeschichte handelt, an der Teile der österreichischen Bevölkerung leider mitschuldig waren. Daher finde ich es auch gut, dass diese Gebäude nicht einfach abgerissen wurden, sondern als Mahnmal noch heute Bestand haben. Sowohl im Gedenken an die Millionen Opfer des NS-Regimes, als auch an die zahlreichen Opfer in der Zivilbevölkerung, die im Rahmen der Befreiung durch die Alliierten ihr Leben ließen. Daher möchte ich dien Beitrag auch mit folgendem Bild eines Mahnmals beenden, welches sich im historischen Stadtkern von Wels befindet.
Liebe Grüße,
Martin
Die Fotos dieses Beitrages wurden allesamt von mir selbst mit meinem iPhone X aufgenommen und am Smartphone selbst sowie mit iPhotos nachbearbeitet. Alle Fotos lassen sich durch Draufklicken in der Originalauflösung betrachten.
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