Normalerweise bin ich ja jemand, der im Zweifel eher zu positiv ist und nur sehr ungerne jammert. Angesichts zweier Tatsachen, die ich heute direkt bzw. indirekt mitbekommen habe, fehlt aber selbst mir jeglicher Optimismus.
Heute gings für mich wie schon in den letzten Tagen auf einen Berg (Berichte dazu folgen). Und wie für eine ordentliche Bergwanderung üblich, gings natürlich auch auf eine Hütte. Auf dieser Hütte, nicht einmal 500 Höhenmeter vom Parkplatz entfernt und quasi als Spaziergang erreichbar, wurde ich Zeuge einer zumindest für mich sehr traurigen Gegebenheit.
Ich war gerade dabei, meinen Kaffee zu genießen, als plötzlich eine Schulklasse bei der Hütte ankam. "Wandertag in der Natur, ist doch super wenn die das machen? Wo ist das Problem?" mögen sich jetzt viele denken. Und ihr habt prinzipiell recht. Aber wie diese Klasse auftrat, war für mich ein Skandal.
Alleine schon die Tatsache, dass ich eine Schulklasse frühpubertierender Kinder nicht schon aus mehreren hundert Metern Entfernung akustisch wahrgenommen habe, spricht für mich schon Bände. Die Kinder waren von diesem Spaziergang alle total kaputt. Wie ich so in die Klasse geschaut habe, fand ich unter den rund 30 Schülern nur wenige, die so aussahen, als kannten sie den Begriff Sport von außerhalb des Fernsehers. Das Tüpfelchen auf dem i war für mich aber eine der Lehrerinnen.
Selbst komplett erschöpft und ebenfalls eher adipös als sportlich, hatte sie für die Kinder einen guten Rat: "Jetzt sind wir eh endlich auf der Hütte, da könnt ihr euch eine Cola bestellen!".
Gratuliere, was für ein Vorbild! Ich weiß diese Meinung mag einigen sauer aufstoßen: Ich finde, dass Lehrer und Lehrerinnen nicht nur ihren Stoff beherrschen sollten, sondern auch so eine Vorbildfunktion haben sollten. Wer diese nicht erfüllen kann, ist für mich zumindest in dieser Hinsicht für diesen Beruf ungeeignet. Punkt.
Von der Wanderung zuhause angekommen, dann der nächste, sogar noch größere, Schock. Nachdem ich mir gemütlich einen Kaffee gemacht hatte, schlug ich das Startportal einer bekannten österreichischen Nachrichtenseite auf. Eine Schlagzeile sprang mir sofort ins Blickfeld. Jetzt kommts: Die Hälfte der unter 19-Jährigen in Österreich kann nicht schwimmen!
DIE HÄLFTE ALLER KINDER UND JUGENDLICHEN IN ÖSTERREICH KANN NICHT SCHWIMMEN?!
Ganz egal ob diese Statistik jetzt zu 100% stimmt oder nicht - Wenn es sich nur um einen annähernd so hohen Anteil handelt, dann ist das in meinen Augen einfach nur krank. Ich bin ja jetzt selbst nicht wirklich alt. Aber ich kann mich an keine einzige Person in meinem Bekanntenkreis von damals erinnern, die nicht schwimmen gekonnt hätte. Laut Statistik trügt mich mein Eindruck nicht. Jahrzehntelang wurde die Rate an Nichtschwimmern kleiner und kleiner, jetzt die rasante Kehrtwende. Da braucht mir auch keiner mit Flüchtlingsdebatten oder sonst was kommen - 50% sind dadurch bei weitem nicht erklärbar.
Während wir für Milliarden von Euros und Dollars daran forschen wie wir Gesellschaftskrankheiten behandeln können, schaffen wir es nicht unseren Kindern beizubringen, wie die einfachste und billigste medizinische Waffe gegen diese Krankheiten, PRÄVENTION, funktioniert? Krank, einfach nur krank.
Sorry für diesen vielleicht etwas inhaltslosen Post, aber diese Thematik regt mich einfach auf. Jeder weiß wozu diese gesellschaftliche Faulheit führen wird, keiner traut sich entsprechende Gegenmaßnahmen einzuführen, weil diese vermutlich unpopulär ausfallen würden. Krank.
Trotz Rants liebe Grüße,
Martin