Ich spar mir die einleitenden Worte, der Text ist schon lang genug.
Von den Kleinen
Ein matter Schein fällt auf ihre Bettenstadt
Sie genießt diesen Moment, in dem sie noch Ruhe hat
Das Daunenkissen wohlig warm an ihren Wangen
Ihre Gedanken noch im Traum gefangen
Ihr Traum schwindet mehr und mehr,
es gelinkt ihr keine Wiederkehr
Und noch bevor ihr Wecker die volle Stunde zählt
Hat sie sich aus dem Bett gequält
Die schönen Bilder, die der Schlaf ihr zugetragen
Schwinden und weichen Gedanken die sie plagen
In der Zukunft nichts, das sie erfreut
Die Vergangenheit ist es, die sie grämt und reut
Ein Seufzer entringt sich ihrer Kehle
Wie ein schwaches Zucken ihrer Seele
Und ohne Geist, nur der Körper, wie auf einer Schiene
Folgt sie ihrer täglichen Routine
Wie jeden Morgen ist es die Stille, die sie als erstes stört
Die Stille ist der Morast, aus dem sie jene Stimme hört
Deren Echo sie vom Hinterkopf bis an die Stirn verzehrt
Deren Widerhall die plagenden Gedanken nährt
Ein Griff zum Radio und es hallt fröhlich durch ihre Wohnung
Konservierte gute Laune, laut, überdreht und ohne Schonung
Auch wenn sie kaum hört was man ihr da serviert
Es sorgt dafür, dass ihre Laune besser wird
Wie ein Phönix entsteigt sie der mentalen Qual
Sie reckt sich, streckt sich und fährt fort mit ihrem morgendlichen Ritual
Es beginnt damit, dass sie sich hegt und pflegt
Und endet damit, dass sie hübsche Kleidung und Make-up anlegt
Den Spiegel trifft ein letzter Blick
Schminke und Kleid sind dezent und doch sehr schick
Die Haare sitzen, der Schmuck ist adäquat
Mit nun guter Laune schreitet sie zur nächsten Tat
Nach frischem Tee und einem Brot zum Frühstück
Lehnt sie sich noch einen Moment zurück
Nur noch einen Moment der Ruhe
Dann schlüpft sie, bereit zum Gehen, in ihre Schuhe
Beschwingt und voller Elan
Tritt sie ihren Weg zur Arbeit an
Mit allen Anderen treibt sie in dem grauen Meer
Erst ein Stück zu Fuß, dann mit dem öffentlichen Verkehr
Fröhlich hatte sie noch das Haus verlassen
Doch dann bekam eine Welle sie zu fassen
Und leider waren die Wasser die sich über sie ergossen
Voller schlecht gelaunter Artgenossen
Absicht und Versehen toben in blinder Wut
Ihr Körper und Geist sind gefangen in der wilden Flut
Sie erreicht ihre Station, getragen von den letzten Wogen
Mit leichten Blessuren von Worten, Taschen und Ellenbogen
Es bleibt keine Zeit sich zu erholen
Denn Pünktlichkeit wurde ihr befohlen
Sie eilt voran mit Eleganz und Stolz, wie eingeübt
Niemand sieht, wie sich ihre Laune trübt
Sie merkt, wie sich langsam alles in ihr wehrt
Nichts ist grausamer als Folter die stetig wiederkehrt
Noch schlimmer ist es, wenn einen niemand zwingt
Sondern die eigene Vernunft einen hin zum Schafott bringt
Pünktlich erreicht sie ihre Destination
Und sieht: Ihre Folterknechte warten schon
Stehen bereit um jedes Flehen, jedes Mühen
Mit Schimpf und Schande zu verbrühen
Aus Angst kann sie den ersten Schlägen noch entrinnen
Leider weiß sie, diesen Kampf kann sie nicht gewinnen
Mit jeder Minute der Gegenwehr
Werden die Schläge und die Schmerzen mehr
Alles hallt wieder von den Schmerzensschreien
Ein jeder wird zermalmt unter der Peitsche der Lakaien
Und auch diese werden angetrieben
Von noch viel mächtigeren Hieben
Es schließt sich ein Kreis
In dem niemand etwas von seinem Nächsten weiß
Nur eine Regel, um die wird eindringlich gebeten:
Nach oben wird gebuckelt, nach unten wird getreten!
Bei jedem der diesem Kreislauf entflieht
Wird dafür gesorgt dass er kein Licht mehr sieht
Also wagt es niemand sich zu emanzipieren
Denn wer will schon den Kopf verlieren?
Also wird sie diesen Schmerz ertragen
Sie wird sich Schinden, wird verzagen
Sie wird hinnehmen ohne sich zu wehren
Und sie wird immer wieder kehren