Wer bin ich?
Was bin ich?
Wenn Personen von Egotod Erfahrungen berichten, dann meist im Zusammenhang mit psychodelischen Substanzen oder transzendierenden Zuständen, beispielsweise während einer Meditation. Eine Erfahrung, in welcher sich das Ego komplett auflöst. Ein Zustand ohne Ich-Gefühl.
Ich habe mir angewöhnt, diesen Zustand mindestens einmal täglich zu erreichen, wenn auch nur für ein paar Sekunden.
Doch wozu sollte man so etwas wollen?
Laotse, chinesischer Philosoph und Begründer des Taoismus, würde diese Frage womöglich wie folgt beantworten:
"Der Grund, warum ich großes Unheil erleide,
ist eben mein Ichbewusstsein.
Wenn ich mein Ichbewusstsein aufgebe,
welches Unheil kann mir dann noch widerfahren?"(Tao Te King, Laotse, Vers 13)
Was ist dieses Ichbewusstsein - dieses Ego - überhaupt?
Es ist ein Gedankenkonstrukt, bestehend aus Information, welche in Form von visuellen (Sehen), auditiven (Hören), taktilen (Tasten), gustatorischen (Geschmack) und olfaktorischen (Geruch) Eindrücken in unserem neuronalen Netzwerk namens Gehirn hinterlegt sind. Man könnte es auch einfach Erinnerungen nennen. Eine Geschichte aus kohärenten Ereignissen in unserem Kopf. Hinterlegt mit allerlei emotionaler Energie.
Die Informationen unseres Körpers lasse ich an dieser Stelle außen vor. Dinge wie der Selbsterhaltungs- und der Sexualtrieb, um zwei Beispiele zu nennen.
Beim Ego handelt es sich um eine Identifikation mit Gedanken, unserer individuellen Geschichte.
Für die meisten von uns -und ich nehme mich da selbst nicht heraus- stellt dieses Gedankenkonstrukt ein Gefängnis dar.
Warum ist es das? Weil es die Wahrnehmung und das Erleben unserer Umwelt definiert und dies wiederum unser Handeln und Verhalten bestimmt.
Wenn man sich dies vor Augen hält, dann wird einem schnell klar, dass freier Wille ein sehr dehnbarer Begriff ist.
Der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung hatte nach den Auseinandersetzungen mit seinem eigenen Ichbewusstsein folgendes geschrieben:
"Ich habe eingesehen, dass das, was ich zuvor meine Seele genannt habe,
gar nicht meine Seele ist, sondern nur ein totes Lehrgebäude...
... ein von mir erklügeltes Lehrgebäude, aus sogenannten Erfahrungen und Urteilen zusammengesetzt."(Das rote Buch, Carl Gustav Jung)
Dieses spezielle Gedankenkonstrukt des Egos, welches in Kreisen der Neurowissenschaftler mit dem sogenannten Default-Mode-Network (DMN) in Verbindung gebracht wird, kann mitunter durch folgende Dinge temporär zum Einsturz gebracht werden:
Achtsamkeitsübungen.
Hierbei geht es ausschließlich um das Wahrnehmen von Eindrücken. Beispielsweise das Spüren des Hebens von Brust und Bauch beim Ein- und Ausatmen, das Beobachten eines Gegenstandes, das Hören von Musik, das Riechen frischer Waldluft oder den Geschmack leckerem Essens. Alles ohne das Zutun von Gedanken.
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Tipp: Sollten Gedanken aufkommen, dann diese einfach nur beobachten. Gedanken nicht mit Gedanken erwidern, sondern mit Wahrnehmung.
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Achtsamkeitsübungen von Eckhart Tolle und Sam Harris sind sehr empfehlenswert.Transzendentale Meditation.
Dies ist eine Mantra-Meditation. Bei dem Mantra handelt es sich um ein Wort, bestenfalls eines, mit welchem man keinen geistigen Zusammenhang herstellen kann, um keine Assoziationen hervorzurufen. Dieses Mantra wird im Geist immer und immer wieder wiederholt. Dieses repetitive Aufsagen des Wortes bewirkt ein Herunterfahren anderer bewusster geistiger Aktivitäten. Was zur Folge hat, dass das Default-Mode-Network temporär kollabiert.
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TM ist eine sehr einfache, doch äußerst effektive Meditationsart!
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Ein gutes Video-Tutorial findest du unter folgendem LinkPsychodelische Substanzen.
Hierzu zählen Psychodelika wie DMT (N,N-Dimethyltryptamin), LSD (Lysergsäurediethylamid) und Magic Mushrooms (Psilocybin). Je nach Dosierung, können diese Substanzen einen Zusammensturz des DMN forcieren. Was bei den Betroffen oft zu Angst- und Panikanfällen führt. Der Versuch sich gegen den Prozess zu wehren, wird oft als Auslöser für einen sogenannten "Bad Trip" genannt.
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Hinweis: Ich möchte an dieser Stelle deutlich machen, dass ich die Nutzung psychodelischer Substanzen in keinster Weise bewerbe. Die Einnahme psychodelischer Substanzen kann sehr gefährlich sein.
Einen ausführlichen Artikel zu diesen Themen findest du hier.
Nochmal: Wozu das Ganze?
Um die eigenen Grenzen zu sprengen!
Um einen Schritt zurückzutreten. Um sich aus dem Wirrwarr unserer psychologischen Gedankenkonstrukte zu befreien. Sich bewusst zu machen, dass der Grund, warum wir großes Unheil erleiden, eben unser Ichbewusstsein ist.
"Well beyond your window there is so much more. Even every Prison has a open door."
(Billy Talent - Saint Veronika)
Überlege an dieser Stelle einmal, wieviele Sorgen sich in Nichts auflösen würden, wenn es ab diesem Moment irrelevant wäre, was andere Menschen über dich denken könnten. Wie viel Ballast würde von dir abfallen?
Abschluss
Dieser Beitrag soll keine Antworten liefern, nach dem Motto: Problem-Reaktion-Lösung; sondern vielmehr zum Nachdenken anregen. Vielleicht sogar mehr Fragen hervorbringen.
Wer oder was ist sich dessen bewusst, dass sich das Ego aufgelöst hat?
Was ist das was wir Realität nennen?
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Lass mich wissen was du über meinen ersten Beitrag denkst! Ich freue mich auf dein Feedback
LG
The Psychomist