Moin , danke für deinen (eher ungewöhnlich) sehr langen Kommentar zu meinem Artikel. Und auch danke für die Relativierungen, die ich jedenfalls nachdenkenswert finde. Noch eine Anmerkung zum Artikel:
Mein Ansinnen war es hier nicht, die Dinge zu bewerten. Weder Marx, noch den Kapitalismus, noch die Weltsituation. Vielleicht ist es mir nicht ganz gelungen. Ich wollte lediglich auf die Doku verweisen, die ich sehr diskussionswürdig finde und die im Stil gut mE. gut gemacht ist. Zudem auch das: Ich bin in der DDR (Berlin)geboren und habe meine Kindheit und Jugend in Karl-Marx-Stadt verbracht - bis 1989. Bedeutet ich hatte den Schädel von Marx täglich vor dem Gesicht. Ich kenne die DDR und deren Verhältnisse und die des Kommunismus also nicht nur aus Geschichtsbüchern oder aus Statistiken. Ich war auch dort schon Freigeist, in keiner sozialistischen Organisation tätig und habe, auch als ehemaliger DDR - Liedermacher eine Stasi-Akte. Am Ende wollten sie mich weg sperren. Kurzum, ich erlebte, wie Marx' Theorien missbraucht wurden. Als ich 1989 nach Bayern kam wollte ich am "besseren" Kapitalismus teilhaben. Zufällig eben auch im BMW Werk. Seit 1998 bin ich gewissermaßen selber Kapitalist - wie du sicher schon gelesen hast: Mein Beruf ist quasi Geld in der Finanzbranche und das vorwiegend mit Gewerbe- und Firmengeschäft (etwas größer also) und logisch seit längerer Zeit Kryptoinvestor.
Aus diesen Grundlagen heraus sehe ich lediglich was ist und versuche dabei, nicht festzulegen, was gut und was schlecht ist. Wie wir aus anderen Lehren wissen, ist nichts per se gut oder schlecht. Lediglich stelle ich, auch mir selber, immer wieder einmal ein paar Fragen: Wie wird die Zukunft aussehen? Wie wird es meinen Kindern in dieser gehen, ach ja und meinem ein paar Monate alten Enkel? Für mich muss auch der Utopist und von mir aus Spinner Marx hier mit diskutiert werden. Trotz evtl. Widerrede bezeichne auch ich ihn als Philosophen und nicht als Revolutionär, wie bspw. Mao, Castro oder Lenin. Wie hätte sich die Welt ohne Marx entwickelt und warum hielt er auch gerade auf deinen Freund und "Sponsor" Engels, als Fabrikantensohn und dessen Sicht auf die Welt soviel.
Und am Ende:
Ich denke, es wird immer Alternativen zum Jetzt und Hier geben. Wir sehen es seit Nakamoto. Wenn es der Mensch nicht ändert, wenn er es denn ändern wollte, so wird es das Leben ändern. Ob die Welt immer alles so weitermachen sollte und alles alleine die Märkte regeln, halte ich zumindest für fraglich. Jede Finanzkrise wurde quasi von den Märkten selbst "herbeigeregelt". Die Finanzwirtschaft hat sich so massiv von der Realwirtschaft abgekoppelt, wie nie zuvor.
Und wie gesagt: Uns geht es hier mit allem noch sehr gut. Das kann allerdings auch kippen. Menschen werden empfänglicher für Populismus und scheinbar einfache Bierdeckel-Lösungen. Das kann zumindest gefährlich werden. Wenn man denn von Schuld spricht, so ist natürlich nicht allein der Feudalismus, Kolonialismus, Kapitalismus, Kommunismus oder sonst ein -mus verantwortlich. Am Ende ist es immer der Mensch der die Regeln macht. Die Regeln wurden nicht universell durch den Urknall oder durch Naturgesetze aufgesetzt. Es sind also nicht die Dinge, sondern der Umgang mit den Dingen, die diesen einen Stellenwert geben. Und by the way: Ich sehe die Zukunft sehr optimistisch und in den Krisen ganz große Chancen. Jeder sollte die Chance haben daran teilzunehmen. Diese werden zumindest durch unsere Gesellschaftsform gegeben.
RE: Karl Marx - Zum 200. Geburtstag des deutschen Philosophen