Es war einmal ...
... in einem fernen Land, da gab es ein Institut, wo vieles erforscht wurde. Es arbeiteten dort viele kluge Frauen und Männer, die wollten das Wissen der Menschheit vermehren. Als der Frühling kam, da freuten sich diese Wissenschaftler über die vielen Feiertage. Sie redeten auch viel über die bevorstehende Freizeit, aber mit einem Male wurde ihnen bewusst: die Wissenschaft hatte keine Erkenntnisse zu einem Forschungsfeld, das in den nächsten Tagen zu vielen Mutmaßungen führen würde. So viel sie auch in ihren großen Archiven suchten, sie fanden keine Traktate, die ihnen Gewissheit brachten.
So machten sie sich denn ...
... an die Arbeit. Sie schrieben Anträge und Gesuche, um ein großartiges Experiment finanziert zu bekommen. Schnell sahen sie aber, dass sie ihren wissenschaftlichen Versuch in möglichst einfacher Weise beschreiben mussten. Die Entscheidungen über Forschungsgelder wurden von Menschen gefällt, die wenig Zeit hatten und die vor allem keine langen Texte und keine komplizierten Zahlen sehen wollten.
Doch mit viel Geduld und nach so manchem Rückschlag gelang es. Das Institut bekam genug Geld zusammen und das Experiment begann.
Das Experiment ...
... fand in einem verschlossenen, fensterlosen Labor im Inneren des Institutsgebäudes statt. So waren alle Störungen ausgeschlossen. In das Labor wurden Eier und Mohrrüben gelegt. Zur Übersichtlichkeit für jene Menschen, die über Forschungsgelder entscheiden und sich hinterher über die Ergebnisse freuen sollen, legten die Wissenschaftler eine wunderbar schlichte Kennzahl fest: gemessen wurde der Eier-Anteil im Labor. Zu Beginn der Versuchsanordnung lag der Eier-Anteil im Labor immer bei 50%.
Nun musste ein Laborassistent einen Hasen in das Labor einlassen. Es durfte sich selbstverständlich niemand im Labor befinden, damit sich das scheue Tier unbeobachtet fühlen konnte. Nach genau 8 Minuten nahm eine automatische Kamera ein Foto auf. Der Laborassistent musste nun das Foto auswerten und die Kennzahl anhand der Auswertungsergebnisse neu berechnen.
Das Experiment wurde viele hundert Male wiederholt und die Wissenschaftler staunten immer mehr. Es wurden andere Hasen und andere Laborassistenten eingesetzt. Zuletzt bat man die Labore anderer Institute, das Experiment ebenfalls nachzustellen. Es kam aber immer das gleiche Ergebnis heraus und schließlich stand es fest: im Durchschnitt stieg der Eier-Anteil im Labor auf 75%.
Nun begannen ...
... die Wissenschaftler, lange und gelehrte Texte zu schreiben. Sie nahmen komplexe Formeln, Diagramme und Wahrscheinlichkeitstabellen zuhilfe. Die Laborfotos wurden mit Bilderkennungsmaschinen, mit künstlicher Intelligenz und auch mit dem Gegenteil derselben ausgewertet. Dies nahm viele Monate in Anspruch.
Schließlich wurden die Texte an nahmhafte Wissenschaftsverlage zur Veröffentlichung gesandt. Dort wurden alle Analysen und Annahmen sorgfältig von anderen Wissenschaftlern geprüft.
So verging ein ganzes Jahr und es kam schon der nächste Frühling. Endlich aber brachte der Postbote die erlösende Botschaft. Die wissenschaftlichen Arbeiten waren anerkannt und durften veröffentlicht werden. So konnte das Institut pünktlich zu den nächsten Feiertagen die ersehnte Pressemeldung herausgeben.
Wissenschaftlich bewiesen: Hasen legen Eier
Eigenes Foto
Es ist noch ein bisschen früh dafür, aber was soll's. Ich wünsche Euch jetzt schon frohe Ostern.
Widmung
Diese Geschichte widme ich allen Führungskräfen, die mit der Zeit gehen und ihre Kennzahlen auf einem managementgerechten One-Pager erwarten.
Inspirationsquelle
Ich habe mir die Geschichte selber ausgedacht. Sie ist jedoch stark inspiriert von dem Buch Der Hund, der Eier legt: Erkennen von Fehlinformationen durch Querdenken von Hans-Hermann Dubben und Hans-Peter Beck-Bornholdt (2006). Das Buch ist populärwissenschaftlich geschrieben und wendet sich an Laien, die medizinische Studien besser verstehen wollen. Ein bisschen mathematische Vorbildung ist bei der Lektüre hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. Falls es euch in die Finger fällt, könnt ihr ja einen Blick hineinwerfen.