Als halbwegs Informierter lesen sich die Artikel über Kryptowährungen in der Mainstreampresse, wie Focus oder Handelsblatt, schon immer wie das Bummiheft für WiWi-Erstsemestler. Die nichtvorhandene Deckung durch einen Staat gefällt mir z.B. immer sehr gut. Hat euch die Bundesregierung auch zu Neujahr für die Euro-Inflation des letzten Jahres im Rahmen ihrer Währungsdeckung entschädigt? Die wohlrecherchierten und im Club der Abschreiber lustig zirkulierenden Erklärungen gestern und heute aber grenzen an Verdummung.
Kryptowährungen, deren zentrale Eigenschaften Kontrollresistenz, Dezentralität und Zugangsbeschränkungsfreiheit sind, verlören rapide an Wert, weil es Gerüchte über Überlegungen von Regierungen gäbe, die Kryptowährungen verbieten wöllten. Diese Gerüchte sind uralt und laufen seit jeher ins Leere, stellen also nur eine schlechte Erklärung des Preissturzes dar. Es ist der Antagonismus des untergehenden gegen das Finanzsystem der Zukunft, die die Protagonisten der alten Ordnung ab einem bestimmten Punkt der Relevanz auf den Plan rufen mussten. Das ist seit der Erfindung des Bitcoin klar und ihre Mühen blieben auch weiterhin eine schiere Demonstration ihrer Machtlosigkeit.
Nachdem die Börsen, an denen Fiat zu Krypto getauscht werden kann, alle nach den Regeln der Antiterrorgesetze durchleutet sind, sollen Regierungen die Kryptowährungen in den Untergrund verbannen? Viel Spaß beim Versuch. Die Versuche der Regierungen, den privaten Goldbesitz zu verbieten, haben natürlich die Liquidität eingeschränkt, aber niemals seinen Wert. Ein Kilo Gras speist seinen Wert im Wesentlichen aus dem Verbot. Legal würde das in jedem Vorgarten als Unkraut bekämpft werden. Wenn große Mengen beschlagnahmt werden, steigt der Preis, beim gerüchteweisen Miningverbot in China soll der Preis aber logischerweise fallen. Das neue am Bitcoin im Vergleich zu Gold ist, dass er weltweit transferierbar ist, ohne dass man einen Barren über die Grenze schmuggeln oder etwas einschmelzen müsste. Wenn Simbabwe den Sturm auf den Bitcoin nicht einschränken konnte, kann es auch nicht die Regierung einer freiheitlicheren Gesellschaft mit einer international verwobeneren Wirtschaft. Das Schließen chinesischer Minen dürfte dem Bitcoin an sich sogar gut tun. Wenn die großen Miner weg sind, lohnt sich das Minen anderswo halt mehr. Das Netzwerk dezentralisiert sich wieder und Reformen, die den Stromverbrauch senken, werden wahrscheinlicher, weil die abgabenfreie chinesische Kohleenergie wegfallen könnte. Wie das den Preis drücken soll, ist vollkommen unklar.
Eine Erklärung aber liest man derzeit nicht, obwohl sie sich schreiend aufdrängt: 1 Monat!!! Jetzt enden die Terminkontrakte, die Mitte Dezember geschlossen wurden. Auf steigende Kurse haben vor allem Kleinanleger gesetzt. Mindestens von JP Morgan und den Winkelvoß-Zwillingen war bekannt, dass die alte Hochfinanz längst große Mengen Bitcoin hortete. Das sind Profis - die hodln nicht.
Die uralten Muster der Marktmanipulation, die an den Börsen dieser Welt längst über die letzten zwei Jahrhunderte reguliert und unter Strafe gestellt wurden, können auf dem Kryptomarkt wieder angewandt werden. Im Keller von JP Morgan hat wohl jemand den Staub von den alten Anleitungen gepustet und die totgeglaubte Klaviatur der Wildwest-Börsen gespielt. Schön, mal zur Abwechslung nicht die ausgefeilten Swap-Verschleierungen einer Heerschar von Eliteabsolventen von KPMG, Deloitte, Ernst & Young oder PWC anheuern zu müssen, um mit ein paar legalisierten Betrügereien Milliarden zu scheffeln. Im Kryptomarkt geht das derzeit wieder ganz oldstyle - selbst das gute alte Ponzi-Schema hatte es ja mit Bitconnect wieder zu einer Reminiszenz geschafft.
Während man also in Chicago an den Terminbörsen die Wetten der Kleinanleger annahm (richtig: wenn jemand auf steigende Kurse setzt, kann er das nur, wenn er jemanden findet, der bei einem Kurs X dagegenhält, das stellt sich in der "Wirtschafts"-presse auch meist anders dar) und damit auf fallende Kurse setzte, musste man nun nur kurz vor Auslaufen der Verträge an den realen Kryptobörsen einen Bruchteil des Handelsvolumens der Terminbörsen einsetzen, um die Referenzkurse stürzen zu lassen. Der psychologische Hebel dürfte für den größten Effekt gesorgt haben, sodass die großen Jungs mit ihrem Taschengeld einen Bitcoinkurs herbeiführen konnten, der sie die großen virtuellen Wetten an den Terminbörsen wird gewinnen lassen. Lasst euch nicht verarschen. Wer in Krypto investiert, muss sich ganz am Anfang nur eine Frage stellen: Glaube ich, dass darin die Zukunft liegt? Gegen Geduld und einen kühlen Kopf kann man keine Märkte manipulieren. Dass das derzeit aber noch so gut geht, zeigt auch die Größenverhältnisse - ergo das Wachstumspotenzial des Kryptomarktes bei der Fiat-Ersatzvariante. Für die Terminkontrakthändler ist der gesamte Kryptomarkt noch ein Pennystock und gerade erst einmal zu einer relevanten Größe herangewachsen. Man möchte schließlich Milliarden und nicht Millionen machen.