Zielgruppen, Überschrift und Einleitung
Kenne Dein Publikum
Vor jedem Text überlege ich mir, auf welche Weise ich die Menschen ansprechen werde. Mit einem „Du“ begebe ich mich auf eine persönliche Ebene, das „Sie“ beweist Respekt und eine neutrale Ansprache suggeriert Kompetenz. Ebenso wichtig sind Überlegungen zur eigenen Person. Die Ich-Perspektive eignet sich für persönliche Texte und Hilfestellungen, in der Wir-Perspektive erkläre ich, dass mehrere Menschen hinter einem Standpunkt oder einer Firma stehen. Neutral akzeptieren Leser Fakten und technische Hinweise deutlich einfacher.
Kommunikation ist das, was beim Leser ankommt
Die Zielgruppe ist alles, was zählt. Nur sie ist Gesprächspartner und genau sie soll verstehen, was ich zu sagen habe. Damit mein Text dort den größten Einfluss erzielt, befolge ich eine eiserne Regel:
Schreibe so, dass 100 % Deiner Zielgruppe 100 % Deines Textes lesen.
Lass mich diesen Punkt an einem gängigen Steemit-Beispiel erläutern, mit dem auch Verfasser Technischer Dokumentationen täglich zu kämpfen haben:
Immer mehr Steemians verfassen ihre Beiträge in mehreren Sprachen parallel oder hintereinander. Sie wollen schließlich mehr Leute erreichen. Schaue ich mir die oben genannte Regel an und versuche die Zielgruppe dieser multilingualen Posts zu ermitteln, fallen mir allerdings nur Sprachschüler ein. Alle anderen ignorieren die eine oder andere Sprache, lesen also weniger als die geforderten 100 % des Textes.
Diese mehrsprachigen Posts sind deswegen nicht falsch oder schlecht, sie bleiben nur hinter ihrem maximalen Potenzial zurück. Leser verlieren eventuell genervt das Interesse, wie etwa bei einer vielsprachigen Bedienungsanleitung. Technische Redakteure setzen daher auf Bilder, die in allen Sprachen verstanden werden. Der Ausweg bei Steemit ist noch einfacher: Aufgeteilt auf je einen Post pro Sprache bleibt es dem Leser überlassen, welche Sprache er bevorzugt. Vielleicht votet er sogar alle diese Postings up und generiert dadurch mehr Einnahmen, als es ein einzelner Beitrag getan hätte.
Die Überschrift
Damit diese 5 bis 10 Worte Deine Zielgruppe ansprechen, ist es hilfreich, wenn Du eine Eigenart der menschlichen Psychologie verstehst: Vor die Wahl gestellt geht ein Leser erst einem Verlangen nach, bevor er einem Bedürfnis nachgeht. Was im Englischen mit „desire before need“ beschrieben wird, kann im Deutschen frei mit „Lust vor Frust“ übersetzt werden.
Ein kurzes Beispiel:
„Gesunde Ernähnung hilft beim Abnehmen“ klingt deutlich weniger interessant als „Iss dich schlank mit gesunder Ernährung“. In der zweiten Überschrift greifen gleich zwei Verlangen: Die Lust zu Essen und der Wunsch schlank zu sein.
Der Teaser
Du hast es geschafft, der Leser hat Deinen Beitrag aufgerufen. Doch was nun? Nun gebe ich dem Leser einen Vorgeschmack dessen, was ihn in meinem Post erwartet. Das ist der sogenannte Teaser, ein circa 50 Worte langer Abschnitt, in dem ich mein Anliegen skizziere und klarstelle, mit welchem Ergebnis der Leser aus meinem Beitrag herauskommt.
Um die Aufmerksamkeit der Leser schnell und zuverlässig zu erregen, haben sich folgende Verfahren bewährt:
- Stelle eine Frage
- Erzähle eine Geschichte
- Benutze ein Zitat
- Mache ein Statement
- Zeige eine Metapher
- Benutze eine Statistik
- Rege die Vorstellungskraft an
Nach dem Teaser hilft mir der rote Faden, den ich in der letzten Folge erläutert habe, den Rest des Textes zu strukturieren.
Ich hoffe, mir ist es auch diesmal wieder gelungen, etwas Licht auf meine Arbeitsmethoden zu werfen. Vielleicht findest Du ja den einen oder anderen Punkt nützlich für das Schreiben Deiner eigenen Postings. In der nächsten Folge gehe ich auf den Lesefluss ein und wie ich ihn durch die Aufteilung der Aussagen, die Strukturierung in Absätze und die Formatierung der Sätze flüssig gestalte.
Danke an Pixabay für die Bilder und Bildvorlagen und an @javehimself für die Trennlinien.