In der Wiener Museums-Szene bahnt sich eine veritable Sensation an. Das Kunsthistorische Museum Wien präsentiert ab 2. Oktober 2018 die weltweit erste große monographische Ausstellung über Pieter Bruegel d.Ä.
Anlässlich seines 450. Todestages im Jahr 2019 zeigt das Museum einen Überblick über das Gesamtwerk des bedeutendsten niederländischen Malers der Renaissance.
Von Pieter Bruegel dem Älteren (um 1525/1530 - 1569) sind rund vierzig Gemälde erhalten, die ihm eindeutig zugeschrieben werden können. Eines seiner Meisterwerke, der Turmbau zu Babel, wurde in drei Versionen angefertigt. Heute existieren noch zwei Fassungen.
Die Wiener Version (Öl auf Eichenholz, 114 cm x 155 cm) befindet sich seit spätestens 1604 im Besitz der Habsburger-Dynastie und ist heute gemeinsam mit elf weiteren Gemälden Bruegles im Kunsthistorischen Museum Wien ausgestellt.
Die Darstellung nimmt Bezug auf eine Geschichte aus dem Alten Testament (Gen 11,1-9). Es geht dabei um den Versuch des Menschen, sich durch den Bau eines in den Himmel ragenden Turmes auf eine Ebene mit Gott zu stellen. Den Hochmut bestraft Gott mit einer Verwirrung der Sprache, wodurch die Fertigstellung des Bauwerkes verhindert wird. Der Bibeltext kann hier nachgelesen werden.
Eine gigantische Baustelle bildet das zentrale Bildelement. Der Turm, der sich spiralförmig in die Höhe schraubt, ist bereits so mächtig angewachsen, dass er im rechten Bildbereich einen Teil der Stadt überschattet. Zahlreiche winzige, kaum wahrnehmbare Silhouetten von Arbeitern auf der Baustelle unterstreichen die Größenordnung des kolossalen Bauwerkes.
Links unten im Bild ist der König mit seiner Gefolgschaft dargestellt. Ehrerbietig werfen sich die Steinmetze vor ihm nieder.
Die Bildsprache ist äußerst komplex. Detailreich werden bautechnische und handwerkliche Vorgänge dargestellt.
Mehrfach abgestützte und instabile Mauern im Fundament zeugen von einer unüberlegten Herangehensweise und deuten darauf hin, dass das Bauwerk zum Scheitern verurteilt ist.
In seiner rund elfjährigen Schaffensperiode malte Bruegel drei Bilder, die den Turmbau zum Inhalt haben. Die früheste Ausführung, eine auf Elfenbein gemalte Miniatur hat sich nicht bis heute erhalten.
Im Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam (Niederlande) befindet sich die zweite Version - Der "kleine" Turmbau zu Babel. Die Rotterdamer Fassung unterscheidet sich von der Wiener Version. Das Format ist mit 60 cm x 75 cm wesentlich kleiner. Das Bild vermittelt eine düstere Stimmung und im Gegensatz zur Wiener Fassung ist hier der Bau beinahe vollendet.
Ab 2. Oktober 2018 gibt es die einmalige Gelegenheit, im Kunsthistorischen Museum Wien beide Versionen, einander gegenüber gestellt, zu sehen.
Im Folgenden noch ein kleiner Vorgeschmack auf die Ausstellung mit Werken von Pieter Bruegel dem Älteren, die ganzjährig im Wiener Kunstmuseum zu bewundern sind.